US-Kardinal soll Missbrauchsverdächtige im Amt gelassen haben
Bischöfe in der Sakristei
Ingo Brüggenjürgen
Ingo Brüggenjürgen

23.09.2018

DOMRADIO.DE-Chefredakteur zur DBK-Vollversammlung und Missbrauchsstudie "Die Öffentlichkeit erwartet mutige und solidarische Schritte"

Die Studie zum Missbrauch durch Geistliche wird das beherrschende Thema bei der Herbstvollversammlung in Fulda. Die Bischöfe müssten nun Geschlossenheit zeigen und Taten folgen lassen, meint DOMRADIO.DE-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen.

DOMRADIO.DE: Die Öffentlichkeit erwartet aktuell ja vor allem, dass ein Thema ganz groß auf der Agenda steht: die Missbrauchsstudie. Kardinal Woelki ist schon am Freitag mit dem Thema Missbrauch an die Öffentlichkeit getreten. Gibt es darauf schon Reaktionen?

Ingo Brüggenjürgen (DOMRADIO.DE-Chefredakteur): Es gibt schon eine ganze Reihe von Reaktionen. Kardinal Woelki hatte sich am Freitagabend mit einem Brief an alle seine Mitarbeiter im pastoralen Dienst und in den Gemeinden gewandt und er hatte auch schon am Sonntag zuvor gesagt, er sei beschämt darüber, was da in der Kirche passiert ist. Jetzt wollte er seinen Worten auch Taten folgen lassen und hat angekündigt, dass im Erzbistum Köln, also in seinem Verantwortungsbereich, alles schonungslos aufgedeckt und aufgearbeitet wird.

Diese Meldung hat natürlich unmittelbar vor der Bischofskonferenz viele erreicht. Und einige Mitbrüder haben schon gesehen, dass sie in gewisser Weise unter Druck kommen. Denn die breite Öffentlichkeit erwartet von den Bischöfen mutige und solidarische Schritte. Es waren viele Worte des Bedauerns zu hören, nachdem die ersten Zahlen veröffentlicht wurden. Jetzt muss man aber vielleicht ein Augenmerk darauf richten, was die Bischöfe denn konkret tun. Und da hat Kardinal Woelki jetzt vorgelegt.

DOMRADIO.DE: Jetzt geht es aber auch um diese Studie. Kannst du sagen, was sich da konkret verändert, wenn man diese Zahlen schwarz auf weiß sieht?

Brüggenjürgen: Offiziell wird die Studie erst am Dienstag vorgestellt. Von daher kenne ich sie auch nicht in Gänze. Aber es sind ja vorab schon viele Sachen veröffentlicht worden. Es ist zunächst einmal neu, dass hier erstmalig für einen langen Zeitraum Daten vorgestellt werden. Und die Zahl alleine erschreckt natürlich noch einmal. Viele sagen, naja, so neu sei das doch alles gar nicht. Doch, es ist neu, weil man jetzt wirklich sieht: es ist ein systemischer Fehler.

Man muss in dieser Situation auch den Blick auf die Weltkirche weiten. Wir haben vor einigen Wochen die Daten aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania gehört. Und jetzt sagt niemand mehr, dass es bedauerliche Einzelfälle seien, sondern man sieht, es ist ein Fehler im System.

Und das macht die ganze Sache so schwierig. Denn, wenn die Bischöfe jetzt zusammenkommen, dann werden sie am Dienstag erst einmal mit den Ergebnissen konfrontiert. Sie haben extra den Mittwoch in ihrer Tagesordnung freigeschaufelt, denn eine Aussprache und eine gemeinsame Position ist jetzt notwendig.

Wir haben 27 Diözesen in Deutschland. In zehn Diözesen hat man exemplarisch Priester untersucht, die nach dem Zweiten Weltkrieg noch lebten. In den anderen 17 Diözesen wurde Datenmaterial der Priester untersucht, die im Jahr 2000 noch lebten. Also es gibt unterschiedliche Untersuchungszeiträume in den Diözesen.

DOMRADIO.DE: Es sind unheimlich schwierige Zeiten für die katholische Kirche. Merkt man das in Fulda?

Brüggenjürgen: Ich glaube, die Bischöfe merken das jetzt schon in ihren Diözesen und wo sie sind. Denn viele Gläubigen fragen, warum kriegt man dieses Thema nicht vom Tisch? Wir erinnern uns daran, 2010 war es durch den Jesuitenpater Mertes im Canisius-Kolleg erstmalig auch in Deutschland aufgedeckt worden. Davor gab es schon Fälle in Amerika, in Irland, und mittlerweile ist es wie ein Flächenbrand. Ob wir nach Chile schauen, nach Australien, überall ist es das gleiche Problem. Und viele Gläubige sagen, das darf doch alles nicht wahr sein.

Klar, hat der Bamberger Bischof Schick im Vorfeld der Bischofskonferenz deutlich gemacht, 95 Prozent der ganzen Priester arbeiten ohne Fehl und Tadel und machen einen guten Job. Das ist richtig, aber es gibt eben diese viel zu vielen schwarzen Schafe und dieses unendliche Leid bei den Opfern und das muss man jetzt aufarbeiten.

Das wird für alle Bischöfe ein Marathon, der über Fulda hinausgeht. Das kann allenfalls ein mutiger entschlossener Auftakt sein. Und es ist zu wünschen, dass das solidarisch passiert und dass sich die Bischöfe hier gemeinsam einhaken, um aus dieser dunklen Situation herauszukommen.

DOMRADIO.DE: Welche Themen stehen in Fulda noch an?

Brüggenjürgen: Es waren ja eine ganze Reihe von Themen auf der Tagesordnung, die jetzt ein bisschen ins Hintertreffen geraten sind. Wir erinnern uns alle an die Auseinandersetzungen der Bischöfe, die auch in der Öffentlichkeit geführt worden sind, um den Kommunionempfang bei Wiederverheirateten. Das ist jetzt eigentlich abgeschlossen, das Papier ist da. Gleichzeitig haben die Verantwortlichen gesagt, wir werden das nochmal aufrufen, damit sich auch die Weihbischöfe gegebenenfalls nochmal äußern können.

Wir haben aktuelle Stellungnahmen zur Organspende. Da muss man nochmal ein bisschen feinjustieren. Gleichzeitig steht die Jugendsynode in Rom an. Es gibt auch Personalentscheidungen. Aber das große beherrschende Thema ist diese Studie, die uns alle mit diesen erschreckenden Fakten konfrontiert. Und das wird am Dienstag nicht nur in Fulda bekanntgegeben, sondern gleichzeitig in vielen Diözesen in Deutschland und in den jeweiligen einzelnen Kirchenbezirken. Es werden Zahlen und Fakten auf den Tisch gelegt, welche Fälle dort passiert sind. Und insofern ist es eine bewegte Woche, die da für alle ansteht.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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