Protest gegen Atomwaffen
In Berlin: Protest gegen Atomwaffen

20.10.2017

Kampagne gegen Atomwaffen: Nobelstiftung muss Geld anders anlegen Was nun?

Die Friedensnobelpreis-Stiftung sorgt für Irritation. Sie investiert in Geldanlagen bei Nuklearwaffen-Herstellern - ausgerechnet. Denn die Internationale Kampagne gegen Atomwaffen ist die diesjährige Friedensnobelpreisträgerin.

Die Internationale Kampagne gegen Atomwaffen (Ican) will an der Investitionspolitik der Friedensnobelpreis-Stiftung etwas ändern. Man wolle mit der Stiftung zusammenarbeiten, damit sie ihr Vermögen nicht mehr bei Herstellern von Atomwaffen anlege, sagte Xanthe Hall vom Vorstand von Ican-Deutschland dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Freitag. Damit reagierte sie auf Recherchen einer ihrer Mitgliedsorganisationen und des ZDF, wonach die norwegische Stiftung ihr Geld auch bei Waffenherstellern investiert.

Die Nobel-Stiftung habe bereits erklärt, nach Alternativen für ihre Investments zu suchen, sagte Hall. Der Forderung des Ican-Mitglieds "Facing Finance", das Preisgeld von umgerechnet 945.000 Euro nicht anzunehmen, sondern an Opfer der Atombombenabwürfe von 1945 zu spenden, begegnete Hall mit Zurückhaltung. Es sei besser, das Geld für die Arbeit von Ican einzusetzen und etwa in die Kampagne "Don't Bank on the Bomb" gegen Investitionen bei Waffenherstellern zu investieren. "Wir können das Geld gut nutzen", sagte Hall.

Ican will mit Nobelpreis-Stiftung sprechen

Nach Recherchen der finanzmarktkritischen Organisation "Facing Finance" und des ZDF werden die Millionen der Nobel-Stiftung unter anderem in Atomwaffen-Hersteller investiert, darunter in die Firmen Textron, Lockheed Martin und Raytheon. Alle drei Firmen seien Teil des US-amerikanischen Atomwaffenprogramms, so "Facing Finance". Wer in diese Firmen investiere, investiere in die Modernisierung von Atomwaffen, erklärte Thomas Küchenmeister von "Facing Finance" und empfahl, das Preisgeld nicht anzunehmen, sondern zu spenden.

"Facing Finance" ist selbst eine der 468 Partnerorganisationen von Ican weltweit. Xanthe Hall sagte dazu, was letztendlich mit dem Preisgeld geschehe, werde in der internationalen Steuerungsgruppe von Ican entschieden. Die Organisation mit Hauptsitz in Genf wolle nun zunächst Kontakt zur Nobelpreis-Stiftung aufnehmen.

Ican hatte am 6. Oktober den Friedensnobelpreis zuerkannt bekommen. Er ist die höchste Auszeichnung für Friedensbemühungen weltweit. Die Organisation war maßgeblich daran beteiligt, dass mehr als 120 Staaten im Rahmen der Vereinten Nationen ein umfassendes Atomwaffenverbot beschlossen haben. Der Vertrag sieht auch vor, Opfer der Atombombenabwürfe in Japan und von Atomwaffentests zu finanziell entschädigen. Die Atommächte und auch Deutschland hatten sich nicht an den Verhandlungen beteiligt.

(epd)

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