Ein etwas anderer Blick auf den Kölner Dom
Ein etwas anderer Blick auf den Kölner Dom
Weihbischof Ansgar Puff predigt in der Bensberger Pfarrkirche St. Nikolaus
Weihbischof Ansgar Puff predigt in der Bensberger Pfarrkirche St. Nikolaus

28.01.2021

Erzbistum Köln sucht neue Ansätze für "Pastoralen Zukunftsweg" "Dynamischer Sendungsraum" als Alternative?

Liegt die Zukunft der Kirche in Großgemeinden, oder gibt es andere Lösungen für Gemeinden mit sinkenden Priester- und Mitgliederzahlen? Eine Arbeitsgruppe unter Weihbischof Puff sucht nach alternativen Ansätzen für das Erzbistum Köln.

DOMRADIO.DE: Der Erzbischof hat Sie zum Chef einer neuen Arbeitsgruppe beim Pastoralen Zukunftsweg gemacht. Es geht dabei im Wesentlichen um die Frage, wie das Erzbistum mit seinen Gemeinden zukünftig gut aufgestellt ist. Warum wird diese neue Arbeitsgruppe notwendig? Und wer arbeitet noch darin mit?

Ansgar Puff (Weihbischof in Köln): Der Zielbildentwurf des Pastoralen Zukunftsweges sieht vor, dass wir im Erzbistum vor Ort präsent bleiben und gleichzeitig größere seelsorgliche Einheiten schaffen. Es sollen durch Fusionen ca. 50 bis 60 Pfarreien der Zukunft entstehen und unter dem Dach der Pfarrei wird es viele, durchaus unterschiedliche Gemeinden geben. Aufgrund vieler Rückmeldungen hat Kardinal Woelki entschieden, noch ein zweites Modell andenken zu lassen. Mit dieser Aufgabe hat er 12 Personen betraut: Msgr. Bosbach, den Leiter der Hauptabteilung Seelsorgebereiche, Frau Dr. König und Kreisdechant Hörter, die beide wichtige Arbeitsfelder beim Pastoralen Zukunftsweg leiten, die Stadtdechanten Picken (Bonn), Kurth (Wuppertal), Mohr (Solingen), die Pfarrer Steinke (Düsseldorf) und Schirpenbach (Grevenbroich), die Juristin Dr. Gassert aus dem Generalvikariat, Frau Büttgen aus dem Diözesanrat, Frau Rumbach als Verwaltungsleiterin und mich.

DOMRADIO.DE: Was waren die Knackpunkte der neuen Arbeitsgruppe?

Puff: Unsere Aufgabe war die Prüfung einer Alternative zu diesem Modell der "Pfarrei der Zukunft" unter der Perspektive, ob eine entsprechende Verwaltungsvereinfachung auch in einem anderen Modell möglich ist. Wir haben bei unseren Treffen schnell gemerkt, dass pastorale Themen und verwaltungstechnische Themen nicht zu trennen sind. Wir sind zu der Empfehlung gekommen, als mögliches zweites Modell einen "dynamischer Sendungsraum" möglich zu machen. Bei diesem Modell würden die Pfarrgemeinden auch zu 50 bis 60 größeren Einheiten zusammengeschlossen, sie würden auch wie bei der "Pfarrei der Zukunft" von einem Pfarrer und einem multiprofessionellen Team geleitet, es gäbe in beiden Modellen einen gemeinsamen Pfarrgemeinderat (PGR) mit Substrukturen vor Ort, in beiden Modellen wäre es möglich, Kitas und die Immobilienverwaltung auszugliedern.

DOMRADIO.DE: Wie unterscheidet sich das neue Modell von dem ersten Entwurf?

Puff: Der Unterschied besteht darin, dass die bisherigen Pfarrgemeinden solange selbstständig bleiben würden, als sie lebensfähig sind. Die selbstständig bleibenden Pfarreien würden sich zu einem "dynamischen Sendungsraum" zusammenschließen, der in der Pastoral in guter und enger Weise zusammenarbeiten und gleichzeitig die Subsidiarität wahren kann. Was die kleinere Einheit pastoral allein tun kann, darf und soll sie alleine tun; was sie nur mit anderen gemeinsam tun kann, geschieht gemeinsam. Im Bereich der Kirchenvorstände bedeutet das: Es gibt einen Kirchengemeindeverband, in dem gemeinsame Aufgaben entschieden werden, es gibt aber auch die Kirchenvorstände vor Ort, die sich um Belange vor Ort kümmern.

Welche Aufgaben im Kirchengemeindeverband und welche Aufgaben im Kirchenvorstand erledigt werden, soll eine noch zu schaffende Satzung klären. Ziel ist es, ein konfliktfreies, transparentes und gerechtes Miteinander zu gewährleisten. Ein solcher Kirchengemeindeverband wird etwas anders sein als die KGVs, die wir jetzt in den Seelsorgebereichen haben. Er wird vom Erzbischof mit einer Satzung errichtet. In der Satzung ist festgelegt, welche Aufgaben aus den Pfarrgemeinden in den KGV delegiert werden; und die Zuweisungen des Erzbistums fließen nicht in die Pfarrgemeinden, sondern in den KGV und werden von dort aus in die Pfarreien weitergegeben. Es sollen auch Kriterien festgelegt werden, wann eine Pfarrei nicht mehr lebensfähig ist; in diesem Fall wird sie mit einer Nachbarpfarrei fusioniert, ohne dass der ganze Sendungsraum fusioniert werden muss.

DOMRADIO.DE: Aber das kann ja nur geschehen, wenn man versucht, auch das, was dann in den Pfarreien stattfindet, zu bedenken und die Menschen dort mitzunehmen.

Puff: Unbedingt. Das ist der Sinn des "dynamischen Sendungsraums": Möglichst viele Getaufte sollen Verantwortung übernehmen können. In dem neu angedachten Modell sind allerdings noch viele pastorale, rechtliche und finanzielle Fragen zu klären. Das konnte unsere Arbeitsgruppe in vier Wochen intensiver und guter Arbeit nicht leisten.

DOMRADIO.DE: Wie stehen denn diese "dynamischen Sendungsräume" im Einklang mit den vorhandenen kommunalen Grenzen? Wird es in Zukunft noch Stadt- und Kreisdechanten geben, die einerseits Ansprechpartner für die politischen Entscheidungsträger und andererseits Repräsentanten der Kirche auf Stadt- und Kreisebene sind?

Puff: Die Diskussion, wie viele Dekanate es geben kann, war nicht Auftrag unserer Arbeitsgruppe. Wichtig ist schon, dass kommunale Grenzen und die Grenzen der neuen größeren Bereiche möglichst kongruent sind. Dass es im Einzelfall zu Abweichungen kommen kann, ist ja jetzt auch schon so.

DOMRADIO.DE: Die neue Arbeitsgruppe hat sich schon einige Male getroffen. Wie geht es nun weiter? Was sind die nächsten Schritte im Erzbistum in Bezug auf den Entwurf aus Ihrer Arbeitsgruppe?

Puff: Es muss nun an einer Vergleichbarkeit der beiden unterschiedlichen Modelle gearbeitet werden. Dazu ist von Kardinal Woelki eine Steuerungsgruppe eingerichtet worden, die aus einem kleineren Teil der Arbeitsgruppe besteht. Sie soll Arbeitsaufträge benennen, wie die beiden unterschiedlichen Modelle mit einheitlichen Parametern analysiert werden können. Diese Arbeitsaufträge werden von Expertinnen und Experten bearbeitet. Gleichzeitig werden Experten des Arbeitsfeldes 5 an diesen Themen arbeiten. So sollen die drei Modelle "jetziges Modell", "Pfarrei der Zukunft" und "dynamischer Sendungsraum" in ihren Vorteilen und Nachteilen vergleichbar gemacht werden. Dieser Vergleich soll dann im Projekt- und Lenkungsteam und in der Sitzung des Diözesanpastoralrats im Juni beraten werden.

DOMRADIO.DE: Der Pastorale Zukunftsweg ist erst einmal entschleunigt worden. Eine Sitzung des Diözesanpastoralrats ist ausgefallen, auch weil es viele Diskussionen und Anfragen in den Gemeinden gab. Dauert das alles zu lange? Es wird ja schon seit Jahren diskutiert ...

Puff: Ich halte diese Entschleunigung für sehr klug. Zum einen scheint es mir wichtig zu sein, das Thema: Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs und das Thema: Pastoraler Zukunftsweg zeitlich voneinander zu entkoppeln. Zum anderen brauchen wir mehr Zeit, die unterschiedlichen Modelle gut zu kommunizieren. Wir müssen die Menschen in den Pfarreien gewinnen und mitnehmen. Denn der Pastorale Zukunftsweg stellt ja wichtige Weichen für die Zukunft. Wir sind gut beraten, uns dafür Zeit zu lassen.

DOMRADIO.DE: Was entgegnen Sie Menschen, die auch vor dem Hintergrund der geplanten Reduzierung, Zusammenlegung und Konzentration von Gemeinden ihre Befürchtungen bestätigt sehen, dass der Pastorale Zukunftsweg in Wahrheit nur ein weiterer Spar- und Strukturprozess ist?

Puff: Meine Entgegnung lautet: Lesen Sie bitte die ersten drei Kapitel des Zielbildes für den Pastoralen Zukunftsweg, die Sie im Internet auf der Seite des Erzbistums finden. Die Überschriften dieser Kapitel lauten: "Jesus kennenlernen!", "Mit und wie Jesus leben!", "Von Jesus erzählen!" Es geht da nur um pastorale Neuansätze und nicht um das Sparen oder Verwalten.

DOMRADIO.DE: Sie haben es bereits angedeutet: Das geht nur, wenn es gelingt, in den Gemeinden die Gläubigen mitzunehmen. Was macht Sie zuversichtlich, dass es überhaupt noch die Ehrenamtlichen gibt, die erforderlich sind, um das geplante Modell möglichst tragfähig zu machen?

Puff: Zuversichtlich macht mich, dass es selbst jetzt in dieser schwierigen Corona-Zeit viele engagierte Getaufte gibt, die sich für ihre Pfarrei und für Christus unermüdlich einsetzen. Ob wir aber in Zukunft genügend engagierte Getaufte haben werden, entscheidet sich auch an der Frage, ob es uns gelingt, gerade in Corona-Zeiten zusammen zu bleiben. Wo es jetzt in Pfarreien gelingt, jetzt füreinander da zu sein, wird es auch nach Corona ein lebendiges Gemeindeleben geben. Wer meint, jetzt einfach die Kirche zumachen zu können und wer abwarten will, bis Corona vorbei ist, wird meiner Meinung nach viele Menschen verlieren. Nach Corona wird unsere Kirche nicht mehr so sein, wie sie vorher war.

DOMRADIO.DE: Das wird ja auch Auswirkungen haben auf die anstehenden Pfarrgemeinderats- und Kirchenvorstandswahlen. Wie will das Erzbistum reagieren, wenn man nicht genügend Kandidatinnen und Kandidaten findet?

Puff: Zunächst einmal gehe ich davon aus, dass sich genügend Kandidaten finden werden. Wo das nicht der Fall ist, wird es wie auch in der Vergangenheit im Einzelfall die Möglichkeit geben, die Wahl später durchzuführen und die amtierenden Gremien zu bitten, noch im Amt zu bleiben.

DOMRADIO.DE: Was weckt in Ihnen denn Optimismus, um zu sagen: Der Pastorale Zukunftsweg - das wird ein Erfolg?

Puff: Die Kirche mag derzeit in einer Krise sein, das Evangelium ist es nicht. Gott ist auch heute am Werk! Gerade in den letzten Wochen habe ich von vielen ermutigenden Initiativen gehört, bei denen sich Getaufte im Glauben bestärken und miteinander beten! Ich vertraue auf die Zusage Jesu, dass er die Kirche nicht untergehen lassen wird. Auch nicht die Kirche in Köln.

Das Interview führte Johannes Schröer. 

(DR)

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