Erzbistum Köln in der Kritik
Erzbistum Köln in der Kritik
Wolfgang Picken
Wolfgang Picken
Thomas Sternberg (Archiv)
Thomas Sternberg

13.01.2021

Erzbistum Köln: Bonner Stadtdechant fordert Transparenz bei Missbrauchsaufarbeitung "Stimmung in den Gemeinden auf dem Tiefpunkt"

Der Umgang mit der Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt im Erzbistum Köln hat laut dem Bonner Stadtdechanten Wolfang Picken zu einer Glaubwürdigkeitskrise geführt. Nun helfe nur noch totale Transparenz und Konsequenz.  

Der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken fordert ehemalige und aktive Führungskräfte im Erzbistum Köln auf, von sich aus mögliche Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen einzuräumen und Konsequenzen zu ziehen. Schon jetzt stelle sich die Frage, "warum die Verantwortlichen, denen doch bewusst sein muss, dass sie sich schuldig gemacht haben, auf die Veröffentlichung eines Gutachtens warten, anstatt sofort tätig zu werden und die Konsequenzen aus ihren Verfehlungen zu ziehen". So könnten sie viel Schaden von der Kirche abwenden, schreibt Picken in einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme.

Das Erzbistum Köln hatte eine Münchner Anwaltskanzlei mit einem Gutachten zu Missbrauch durch Kleriker beauftragt. Das Papier sollte auch zeigen, wie frühere Verantwortungsträger mit Fällen umgingen.

Neues Gutachten am 18. März

Vergangenen Oktober sagte die Erzdiözese eine Veröffentlichung allerdings ab und begründete dies mit "methodischen Mängeln" des Berichtes. Sie beauftragte einen Strafrechtler mit einem neuen Gutachten, das bis zum 18. März vorliegen soll.

Das Thema sei nach dieser Veröffentlichung aber nicht vom Tisch, betonte Picken. "Wir müssen das systematisch aufarbeiten und uns der Frage stellen, welche Konsequenzen auf diejenigen zukommen, die in dem Gutachten genannt werden."

Vatikan prüft Vorwürfe

Der Stadtdechant forderte Transparenz. Die Stimmung im Erzbistum sei noch nie so auf dem Tiefpunkt gewesen. Wegen der Glaubwürdigkeitskrise würden selbst Engagierte aus der Kirche austreten. Das sei mit Blick auf das unprofessionelle Krisenmanagement der Verantwortlichen verständlich. "Wenn nicht klare Konsequenzen folgen, bleibt der Glaubwürdigkeitsverlust dauerhaft", warnte Picken.

Der Stadtdechant übte keine direkte Kritik am Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki. Der steht wegen des Umgangs mit dem Münchner Gutachten derzeit unter Beschuss. Zudem wird dem Kardinal vorgeworfen, selbst an Vertuschung beteiligt gewesen zu sein. Er soll einen Missbrauchsfall aus den 1970-er Jahren, von dem er 2015 erfahren hatte, pflichtwidrig nicht an den Vatikan gemeldet haben. Woelki hat den Papst gebeten, diese Vorwürfe gegen ihn zu prüfen.

Sternberg: "Grobe Fehler"

Am Mittwoch äußerte sich auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, im "Bonner General-Anzeiger" zu den Vorfällen im Erzbistum Köln. Durch "grobe Fehler" würden all diejenigen Bistümer zurückgeworfen, "die dieses Thema mit größerer Konsequenz angehen", sagte der oberste deutsche Laienvertreter.

Sternberg zeigte sich zuversichtlich, dass die Lage sich klären werde, sobald alles transparent auf dem Tisch liege. "Wenn sich dann herausstellen sollte, dass massive Fehler gemacht worden sind, müssen die Übernahme persönlicher Verantwortung und auch ein Rücktritt eine mögliche Konsequenz sein, so wie das Kardinal Woelki selbst einmal formuliert hat."

Verschiedene Persönlichkeiten und Organisationen haben bereits explizit den Rücktritt von Woelki gefordert. Um den Jahreswechsel schloss sich mit dem Dormagener Pfarrer Klaus Koltermann erstmals ein Priester dieser Forderung an.

 

(KNA)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Lieblingsorte im Kölner Dom

Dompropst, Dommusiker, Domlektorin, Domdechant und andere mehr: Sie alle haben uns ihre Lieblingsorte im Kölner Dom verraten.

Schabbat Shalom: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – der Podcast

Jeden Freitag nehmen uns junge Jüd:innen in diesem Podcast mit in die Welt des Judentums. 

Tageskalender

Radioprogramm

 19.09.2021
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Caritas-Sonntag unter dem Motto "Das machen wir gemeinsam"
  • Um was geht es bei der Herbstvollversammlung der Bischöfe
07:20 - 07:20 Uhr

WunderBar

07:50 - 07:55 Uhr

Wort des Bischofs

09:40 - 09:45 Uhr

Kirche2Go

10:00 - 12:00 Uhr

Gottesdienst

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

10:00 - 12:00 Uhr

Gottesdienst

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

12:40 - 12:45 Uhr

WunderBar

16:00 - 18:00 Uhr

Der gute Draht nach oben!

17:50 - 17:55 Uhr

Wort des Bischofs

16:00 - 18:00 Uhr

Der gute Draht nach oben!

18:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Menschen

19:00 - 20:00 Uhr

DOMRADIO Kopfhörer

20:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Musica

Himmelklar Podcast

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Die ganze Bibel im Ohr! Jetzt spenden!