Papst Franziskus und Pfarrer Regamy Thillainathan im Jahr 2018
Papst Franziskus und Pfarrer Regamy Thillainathan im Jahr 2018
Pfarrer Regamy Thillainathan
Pfarrer Regamy Thillainathan
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12.11.2020

Papst Franziskus ruft bei Kölner Pfarrer an "Ja, hier spricht Papa Francesco"

Dass Papst Franziskus gerne zum Telefon greift, ist bekannt. Jetzt bekam ein Kölner Pfarrer einen Anruf - mitten in einer Zoom-Konferenz. Besonders über ein Thema wollte Franziskus sprechen - und ließ am Ende Kardinal Woelki grüßen.

"Er hat mit unterdrückter Nummer angerufen", erzählt Pfarrer Regamy Thillainathan, während er seine letzten Anrufe auf dem Smartphone durchgeht. "Anonym" ist in der Anrufliste zu lesen. Erst habe er gedacht, seine Mutter rufe ihn an. "Der Heilige Vater hat Glück gehabt, dass ich überhaupt abgenommen habe", lacht Thillainathan. Franziskus habe ihn mitten in einer Zoom-Konferenz überrascht.

"Padre Regamy Thillainathan? Ja, hier spricht Papa Francesco", habe sich der Papst auf Spanisch vorgestellt und sich nach Thillainathans Arbeit in der Berufungspastoral des Erzbistums Köln erkundigt.

Zweites Franziskus-Gespräch in wenigen Tagen

Der Anruf kam nicht von ungefähr: Erst in der vergangenen Woche waren sich Pfarrer Thillainathan und Papst Franziskus im Vatikan begegnet – zufällig, weil ein Flug des Kölner Pfarrers ausgefallen war. In der Allerseelenmesse auf dem Deutschen Friedhof im Vatikan durfte Thillainathan mitfeiern.

Im Anschluss an den Gottesdienst habe er dem Papst nach einem kurzen Gespräch einen persönlichen Brief überreicht. "Er hat ihn nicht an seinen Sekretär weitergegeben, sondern hat ihn sich direkt in die Tasche gesteckt", erinnert sich Thillainathan. Dass der Papst seine Zeilen lesen würde, habe Thillainathan gehofft – aber, dass sie den Papst dazu bewegen könnten, zum Telefon zu greifen, habe er nicht gedacht.

"Ich habe meine Freude zum Ausdruck gebracht, dass wir im Erzbistum Köln so viele junge Menschen haben, die ein Theologiestudium beginnen", so Thillainathan. "In diesem Jahr sind es sogar neun junge Männer, die sich auf den Weg gemacht haben, Priester zu werden." Dazu kämen noch 15 angehende Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten.

Dass es mit der Universität Bonn und der Kölner Hochschule für Katholische Theologie gleich zwei Katholisch-Theologische Fakultäten gebe, sei ein Segen für das Erzbistum Köln. An beiden Fakultäten seien dieses Semester über 85 Studierende in ihr Theologiestudium gestartet: darunter Priesteramtskandidaten, Laientheologen und -theologinnen, angehende Lehrerinnen und Lehrer.

Ermutigung für Berufungspastoral – Grüße für Kardinal Woelki

Ob Franziskus diese Einschätzung im Einzelnen teile, könne Thillainathan nicht sagen. "Aber der Heilige Vater hat mich ausdrücklich dazu ermutigt, die Berufungspastoral in unserem Erzbistum weiter auszubauen", so der Kölner Pfarrer weiter. Auch die Veränderungen in der Ausbildung für angehende Priester seien Thema des Briefes an Papst Franziskus gewesen.

Sie sehen unter anderem vor, dass sich die Zeiten im Priesterseminar und in den Gemeinden stärker abwechseln als bisher. Schon früh sollen die Priesteramtskandidaten das Leben in der Gemeinde kennenlernen, lebenspraktische Erfahrungen sammeln und sich damit intensiv mit den Anforderungen des priesterlichen Lebens auseinandersetzen. 

Dann sei Franziskus noch auf seine persönlichen Anliegen eingegangen, so Thillainathan. "Papst Franziskus ist wirklich ein Seelsorger, der ermutigen und begeistern kann." Gegen Ende des Telefonats habe der Papst darum gebeten, den Kölner Erzbischof von ihm zu grüßen. Es sei deutlich geworden, dass Franziskus den Kölner Kardinal Woelki sehr schätze, so Thillainathan.

Enge Verbindung zwischen Papst Franziskus und dem Erzbistum Köln

Bereits vor zwei Jahren war Thillainathan Papst Franziskus in einer Privataudienz begegnet. Der Kölner Pfarrer hatte dem Papst die rogamus-Stiftung vorgestellt, die die Berufungspastoral im Erzbistum Köln mit Gebeten und auch finanziell unterstützt. Franziskus ist seitdem Ehrenmitglied in der Gebetsgemeinschaft – und sei Dank regelmäßiger Informationsbroschüren an deren Mitglieder mit Sicherheit gut über die Berufungen im Erzbistum Köln informiert, scherzt Thillainathan.

Das nächste große Projekt für Pfarrer Thillainathan steht auch schon an: Im neuen Jahr soll die "Feuerstelle" am Kölner Dom eröffnen – eine Anlaufstelle für junge Menschen auf der Suche nach einem Beruf, für den man mit ganzem Herzen brennen könne. Vielleicht gibt es dann ja den nächsten Anruf von Franziskus. 

Gerald Mayer
(DR)

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