Neue Nachbarn im Erzbistum Köln
Neue Nachbarn im Erzbistum Köln
Klaus Hagedorn, Flüchtlingsbeauftragter des Erzbistums Köln
Klaus Hagedorn
Fronleichnamsfeier in Köln
Flüchtlingsboot als Altar bei der Fronleichnamsfeier 2016 in Köln

11.11.2019

Fünf Jahre "Aktion Neue Nachbarn" im Erzbistum Köln "Es gab einen großen Aufbruch"

Krieg, Verfolgung und bittere Armut haben viele Menschen zur Flucht gezwungen. Diesen Menschen hilft die "Aktion Neue Nachbarn", die der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki ins Leben gerufen hat. Nun besteht sie seit fünf Jahren.

DOMRADIO.DE: Die Gründung der "Aktion Neue Nachbarn" fand vor fünf Jahren auch am 11. November statt. Wie kam es, dass ausgerechnet dieses Datum genommen worden ist, um die "Aktion Neue Nachbarn" zu gründen?

Klaus Hagedorn (Koordinator der Flüchtlingshilfe im Erzbistum Köln): Da müssten Sie eigentlich den Kardinal fragen, weil der tatsächlich einen Brief geschrieben hat, mit Datum vom 11. November 2014. Eine Kopie davon habe ich noch in meinem Büro. Damals hat er mit diesem Brief an die Gemeinden die "Aktion Neue Nachbarn" ins Leben gerufen, indem er alle Menschen in der Kirche aufgerufen hat, sich der Willkommenskultur zu widmen und die geflüchteten Menschen als neue Nachbarn zu begrüßen.

DOMRADIO.DE: Was hat ihn denn damals dazu bewogen?

Hagedorn: Das ist einfach ein Herzensthema von Kardinal Woelki. Damit hat er sich all die Jahre immer positioniert. Und als er hier damals gerade zwei Monate Erzbischof in Köln war, hat er sich auch dem Thema gewidmet und diesen Appell an die Gemeinden gerichtet.

DOMRADIO.DE: Dann lag dieser Brief am 11. November auf dem Tisch. Und wie ging es dann weiter?

Hagedorn: Der lag erst mal in den Gemeinden. Dann haben die Gemeinden damals in dem Brief auch die Möglichkeit eröffnet bekommen, Ansprechpartner bei den Caritas-Verbänden zu kontaktieren, Geld zu bekommen für Aktionen, für Willkommenscafés, für Weihnachtstreffen, für Pfarrfeste und alle möglichen anderen Gelegenheiten.

Es gab die ersten Sprachkurse, und die wurden sehr unkompliziert aus dem Flüchtlingsfonds, den der Erzbischof geschaffen hatte, finanziert. Dadurch waren dann die Menschen auch in den Gemeinden sehr schnell in der Lage, ihre Ideen umzusetzen, wie man die neuen Nachbarn begrüßen kann.

DOMRADIO.DE: Was kamen damals für Ideen? Gab es eine schnelle Resonanz?

Hagedorn: Der Fonds ist sehr schnell in Anspruch genommen, aber nicht ausgeschöpft worden, weil der Kardinal dafür gesorgt hat, dass darin genügend Geld war. Aber es gab eine sehr schnelle Resonanz, weil die Menschen einfach bereit waren.

Wir haben ja auch nicht bei null angefangen. Das muss man auch sagen. Es gab ja vorher schon immer eine große ehrenamtliche Flüchtlingshilfe in den Gemeinden, unterstützt von Caritas-Verbänden. Aber das war nochmal ein Aufschwung, wo viele Leute sich aufgerufen fühlten und auch in der Lage sahen, ihre Ideen zu verwirklichen. Das waren pensionierte Lehrer, die dann Sprach- und Alphabetisierungskurse in den Pfarrheimen angeboten haben. Das waren Kleidersammelaktionen für die neu angekommenen Flüchtlinge, Möbelsammelaktionen – und so weiter. Und dafür wurden Pfarrräume genutzt. Es gab also einen großen Aufbruch 2015.

DOMRADIO.DE: Dann gab es ja so eine Art Höhepunkt der "Aktion Neue Nachbarn": Der Fronleichnamstag 2016, als der Kölner Kardinal die Fronleichnamsmesse an einem Flüchtlingsboot gefeiert hat. Was hat das damals für Wellen geschlagen?

Hagedorn: Das hat sehr große Wellen geschlagen. Vor allen Dingen, weil durch die mediale Aufmerksamkeit deutlich wurde, dass die katholische Kirche im Erzbistum Köln, allen voran unser Erzbischof Kardinal Woelki, die Toten im Mittelmeer beklagt und zu einer Integrationskultur aufgerufen hat und alle Menschen dazu bewegen wollte, da nicht die Augen zu verschließen, sondern aktiv mitzuwirken.

DOMRADIO.DE: Es hat damals auch viele Anfeindungen gegeben. Merken Sie da heute noch etwas von?

Hagedorn: Wenig. Ich sage immer, ich bin froh, wenn jemand bei mir anruft und seine Meinung, die nicht der unseren entspricht, einfach kundtut, weil ich dann mit den Leuten auch ins Gespräch kommen kann. Das passiert relativ selten. Es gibt schon mal anonyme Briefe.

Was wir schon beklagen, ist, dass viele, die sich ehrenamtlich engagieren, auch sehr früh seit 2015, 2016, 2017, wo die Stimmung so umkippte, sich rechtfertigen mussten für ihr Tun und für ihr Handeln im eigenen Bekanntenkreis. In der Familie wurden sie zum Teil angegriffen und mussten sich dann mit ihrer Einstellung behaupten, wie man denn mit Geflüchteten umzugehen hat. Und da haben wir dann auch reagiert und schnell Supervisionsangebote für ehrenamtliche Gruppen ins Leben gerufen.

DOMRADIO.DE: Welche sind die schönen Momente, an die Sie sich erinnern? Wie nah sind Sie da dran an den Geflüchteten?

Hagedorn: Ich bin ja gar nicht so nah dran bis auf die Tatsache, dass unsere allererste Auszubildende mit Fluchthintergrund mittlerweile meine Mitarbeiterin im Generalvikariat ist und ich sie sehr schätze. Ansonsten bin ich immer sehr bewegt, wenn ich tatsächlich mal die Gelegenheit habe, in Flüchtlingsinitiativen vor Ort zu kommen. Das passiert nicht so oft.

Ich war neulich in Unkel in der dortigen Flüchtlingsinitiative ganz im Süden des Erzbistums. Ich war mal in Kürten bei sehr schönen Anlässen und Gelegenheiten und bin immer sehr bewegt davon, wie engagiert die Menschen dort agieren, mittlerweile befreundet mit den neuen Nachbarn und einfach tolle Geschichten zu erzählen haben.

DOMRADIO.DE: Nun ist heute der 11.11. – an dieser Frage komme ich nicht vorbei. Gibt es auch Aktionen, wo kölsches Brauchtum vermittelt wird?

Hagedorn: Ganz bestimmt. Das war eine der allerersten Aktionen, die wir auch gefördert haben, nämlich Flüchtlingen den rheinischen Karneval nahezubringen. Da gab es tolle Kostümwerkstätten und anderes mehr. Und die alten Nachbarn haben die neuen Nachbarn mit auf die Karnevalszüge genommen. Das tun die heute auch wieder.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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