Rund 180 Schulleiter sind der Einladung der Schulabteilung im Erzbischöflichen Generalvikartiat zum Festvortrag gefolgt
Rund 180 Schulleiter sind der Einladung der Schulabteilung im Erzbischöflichen Generalvikartiat zum Festvortrag gefolgt
Festredner Jürgen Kaube, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, und Dieter Skala, Leiter des Katholischen Büros Mainz
Festredner Jürgen Kaube, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, und Dieter Skala, Leiter des Katholischen Büros Mainz
Veranstalterin Dr. Bernadette Schwarz-Boenneke, Redner Jürgen Kaube und Kardinal Woelki
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Für die feierliche Untermalung des Festaktes sorgt das Bläserensemble des Erzbischöflichen St. Angela-Gymnasiums Wipperfürth
Für die feierliche Untermalung des Festaktes sorgt das Bläserensemble des Erzbischöflichen St. Angela-Gymnasiums Wipperfürth
Gastgeberin Dr. Bernadette Schwarz-Boenneke führt mit Grundsatzüberlegungen in die Pädagogische Woche ein
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Der Schüler Paul Sindermann spielt nach dem Festvortrag "Switching Music - Swing!" auf seiner Klarinette
Der Schüler Paul Sindermann spielt nach dem Festvortrag "Switching Music - Swing!" auf seiner Klarinette
"Was bedeutet religiöse Bildung heute?" lautet die Überschrift zum Vortrag von FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube
"Was bedeutet religiöse Bildung heute?" lautet die Überschrift zum Vortrag von FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube

08.10.2019

Was bedeutet religiöse Bildung heute? "Religionsunterricht ist weder Ethik noch Lebenshilfe"

Wie sollte Religionsunterricht sein – und wie nicht? Was macht ihn unverzichtbar, und worin liegt seine Chance? Dazu hat der FAZ-Mitherausgeber Jürgen Kaube immer wieder publiziert. Nun sprach er über seine Thesen anlässlich der Pädagogischen Woche in Köln.

Es wäre falsch, wenn sich Schüler im Religionsunterricht wohl fühlten. Wenn Lehrer es ihnen in dieser oft als "Laberfach" apostrophierten Disziplin zu leicht machten und wenn man in der Reli-Klausur nicht auch durchfallen könnte. Jürgen Kaube legt den Finger in die Wunde. Denn als besorgter Vater von drei Kindern, die ihn mit allerlei Abstrusem beim Thema Religionsunterricht konfrontieren, referiert er als Nicht-Experte, wie er noch vor Beginn seines Vortrags freimütig gesteht. Dabei spricht er vor einem Publikum, das aus einer anderen Perspektive tagtäglich ganz nah dran ist am Thema "Religionskunde" und das sich in der nun folgenden halben Stunde durchaus kritische Anmerkungen gefallen lassen muss. Denn der Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der für polarisierende Feuilleton-Beiträge bekannt ist, hat sich im Laufe der Jahre eine eigene Meinung dazu gebildet, wie die Vermittlung des Nicht-Sichtbaren – der transzendenten Wirklichkeit – sinnvollerweise aussehen könnte oder gar müsste. Dabei steckt der Journalist, der auf Einladung der Hauptabteilung Schule/Hochschule den Festvortrag zur diesjährigen Pädagogischen Woche im Erzbistum hält, zunächst die Grenzen zu all den Auswüchsen an Vermittlung religiöser Inhalte ab, die ihm keineswegs zuträglich erscheinen, um junge Menschen zur Reflektion, zu selbständigem Denken und letztlich auch zum Staunen über die "Unvollständigkeit der Welt und von nichtverfügbaren Tatbeständen des Lebens" – nichts anderes ist nach seiner Definition Religion – zu animieren.

Religionslehrer sollen leidenschaftlich und streng sein

Religionsunterricht bzw. seine Botschaft, so führt Kaube aus, sei heute zwischen Grundgesetz, Biographiebegleitung und Glückskeks-Weisheiten angesiedelt. Dabei sollte er sich anders positionieren: bescheidener, aber auch sehr viel anspruchsvoller. Denn Schulen und Universitäten sollten Lernende grundsätzlich auf jede Zukunft vorbereiten, definiert er seine Vorstellung von einem aktuellen Bildungsbegriff. Gleichzeitig dürften Schulen Kinder nicht mit kleinen Erwachsenen verwechseln. Dafür sollten Lehrer leidenschaftlich, streng, trotzdem angreifbar sowie von ihrem zu vermittelnden Stoff und dem Wert seiner Mitteilbarkeit überzeugt sein. Andernfalls bleibe der Religionsunterricht unterhalb seiner Möglichkeiten und es verarme dadurch die Kenntnis einer Wirklichkeit und eines Repertoires von Antworten auf letzte Fragen, wie nur die Religion sie aufwerfe.

Da der Religionsunterricht in Deutschland Sache der Religionsgemeinschaften ist, kann er – laut Grundgesetz – nur in Übereinstimmung mit ihnen erteilt werden. Anders gesagt: Religionsunterricht darf nur geben, wer dazu von der jeweiligen Religionsgemeinschaft zugelassen wird. Kaubes Kommentar dazu: "Hierzulande scheint das Ziel des Religionsunterrichts der Glaube an Religion zu sein, nicht das Wissen über sie." Die Begründung dafür hält er für "abenteuerlich", wenn argumentiert wird, dass der weltanschaulich neutrale Staat den Inhalt des Religionsunterrichts nicht selbst festlegen könne, sondern dabei auf die Zusammenarbeit mit den Kirchen angewiesen sei. "Man muss dieses Argument nur einmal für Politik durchspielen, um zu sehen, dass wir dann nicht um Gesellschaftskundelehrer herumkämen, die von den Parteien zugelassen würden."

"Religion ist nichts Vergangenes"

"Wir sollten Religionsunterricht nicht aus dem Lehrplan ausschließen. Nicht nur weil das per Grundgesetz so geregelt ist und auch nicht, weil er einen Schüler grundsätzlich besser macht. Sondern weil jedes Gespräch über die wichtigen Lebensthemen wie Liebe, Güte, Freundschaft, Gleichheit, Tod oder Glück an Substanz verliert und zu bloßem Smalltalk und Geplapper verkommt, wenn es ohne religiöse Dimension geführt wird", bricht Kaube für das Fach Religion eine Lanze. Es sei keineswegs so, dass in einer zunehmend säkulareren Welt Religion verblasse oder etwas Vergangenes sei; vielmehr sei sie nach wie vor hochaktuell. "Religion ist etwas Altes, das in unsere Gegenwart hineinragt; etwas, das die Menschheitsgeschichte seit Zehntausenden von Jahren prägt. Gesellschaften ohne Religion, ohne Mythologien, Riten, Vorstellungen vom Heiligen und Erzählungen über das Unsichtbare sind unbekannt, obwohl es Individuen gibt, die ohne Religion auskommen. Religion ist etwas, ohne dessen Verständnis sich ganze Epochen, Kunstwerke, Alltagspraktiken und  Argumentationen nicht erschließen", erklärt der Gast aus Frankfurt.

Und so reiche auch Religionsunterricht weit über eine Wertevermittlung hinaus und sei nicht – wie vielfach immer wieder propagiert – einfach durch ein Fach wie Ethik zu ersetzen. "Ethikstunden genügen nicht, denn Ethik erschöpft den Gehalt von Religion nicht im Mindesten." Schließlich sei Religion – anders als Ethik – nicht nur eine Sammlung von Texten. "Sicherlich ist sie mehr als eine bunt ausgeschmückte Form der Lehre vom guten Handeln, mehr als eine verwegene oder anrührende Begründung dafür, einen guten Willen zu haben." Auch wenn ein Kind durch Religionsunterricht nicht friedlicher, frommer oder gütiger werde, so sei doch das Nachdenken über Religion, die Vermittlung von Kenntnissen religiöser Geschichten, Begriffe und Bildern entscheidend, um eine eigene Urteilsfähigkeit zu entwickeln.

Viele Schüler kennen keine religiösen Praktiken

Für das Gespräch über Religion habe die Geschichte der Kultur bestimmte Formen hervorgebracht: soziale Tatbestände, Gemeinschaften, Organisationen, Gebote, Riten und Erzählungen. In sie sei Geschichte eingegangen, sie hätten sich unter den verschiedensten historischen Umständen entwickelt und verändert. In den Gottesdiensten, den Gebeten, dem sozialen Leben der Religionsgemeinschaften hätten sie eine praktische Seite und in der Theologie eine gedankliche, die weit über das hinausreiche, was eine wie auch immer geartete "Wertevermittlung" jemals erreichen könnte. Ganz abgesehen davon, dass "Werte" besser "durch ausgeübte Tugend" vermittelt würden, so Kaube, als durch "kopfnickende Diskussionen über ihre Erfreulichkeit".

Viele Schüler würden die Religionsstunden heute schon deswegen als etwas Besonderes empfinden, weil sie aus ihren Familien religiöse Praktiken nicht kennen würden. Trotzdem fragte der Referent kritisch nach dem Sinn einer Einführung in ein kirchliches Leben, wenn Ostern, Pfingsten und Christi Himmelfahrt für die meisten nicht viel mehr als zusätzliche Miniferien seien. Auch warnte er davor, die Geschichte, die Bild- und Argumentationswelt der Religionen als einen Pool von Ratschlägen für lebensweltlich interessante Situationen der Schüler auszuwerten, zumal Religionsunterricht dann als Lebenshilfe für die Schüler instrumentalisiert werde. Mit Rollenspielen, selbstgebastelten Collagen, Podiumsdiskussionen, der Auswertung von Pressespiegeln und getanzten Gebeten würden die Schüler vor allem dazu angehalten, sich mit der Gegenwart und sich selbst zu beschäftigen – und das alles unter dem Label "kreativ", benannte Kaube nüchtern die vielerorts bestehende Praxis.

Einen Sinn für den Ernst der Religion wecken

Stattdessen empfahl er – eher unkreativ – die Auseinandersetzung mit "sinnerfassender Lektüre, religiösen Denkbildern und Glaubenszumutungen anderer Weltreligionen" und erklärte: "Mit dem Verständnis genuin religiöser Sachverhalte, wie es Riten, Feste, Mythen und Dogmen sind, hätte der Unterricht ein umfangreiches Pensum, das nicht zuletzt einen Sinn für den Ernst der Religion wecken könnte. Ein Sinn für die Geschichte und die Geschichten der Religion, ihre Grundbegriffe und ihre überraschenden Antworten entsteht nicht, solange Religion im Grunde nur sagt, was auch ohne ihr Zutun und ihr besonderes Vokabular einsichtig ist." Aber ein Unterricht, der die Frage nach den Sinngehalten von Praktiken, Dogmen und Kirchenfesten stelle, habe die Chance, "die Verbohrtheiten zu überwinden, die sowohl im Desinteresse an Religion wie in ihren fanatischen oder – sagen wir – blinden Aneignungen zutage liegen. Erst einmal zu wissen, wovon man redet und worauf man sich festlegt, kann nicht schaden, weil es nicht zuletzt schwierig ist, etwas zu verachten, das man verstanden hat."

Beatrice Tomasetti
(DR)

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