Eine Badewanne im Kölner Dom macht neugierig…
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Weihbischof Ansgar Puff predigt über den Neuanfang mit Gott nach einer persönlichen Katastrophe
Weihbischof Ansgar Puff predigt über den Neuanfang mit Gott nach einer persönlichen Katastrophe
Über 20 Ministrantinnen und Ministranten aus St. Marien Wachtberg sind zum "Schnuppern" im Dom mit dabei
Über 20 Ministrantinnen und Ministranten aus St. Marien Wachtberg sind zum "Schnuppern" im Dom mit dabei
Wer auf der Straße lebt, müsse für eine Wohnung ganz hinten anstehen, sagt Weihbischof Puff an diesem Morgen
Wer auf der Straße lebt, müsse für eine Wohnung ganz hinten anstehen, sagt Weihbischof Puff an diesem Morgen

18.11.2018

Weihbischof Puff mahnt zum "Welttag der Armen" "Die Armen sind die Lieblinge Gottes"

Eine Badewanne im Dom. Das ist neu und soll provozieren. Vor allem aber auch daran erinnern, dass es Menschen gibt, die keine Wohnung haben – auch wenn das Menschenrecht ist, wie Weihbischof Puff im Gottesdienst betont.

Renate Samel wundert sich. Am linken Vierungspfeiler – unmittelbar in ihrer Sichtschneise – steht die Nachbildung eines offenen Badezimmers: naturgetreu mit einer blauen Wand aus Kacheln, einer weißen Badewanne und einem Morgenmantel. Auch an ein Handtuch ist gedacht. Mit ihrer Familie ist die Touristin aus Braunschweig zum ersten Mal im Kölner Dom. Was das Ganze soll? Einen Reim darauf machen könne sie sich nicht, erklärt sie und schüttelt den Kopf. Heike Goertz ist ebenso erstaunt.

"Schon ein eigentümlicher Kontrast in einer solchen Kirche", findet die Besucherin aus Wachtberg. Denn auf den ersten Blick erschließt sich ihr nicht gleich der tiefere Sinn dieser befremdlich erscheinenden Installation. Moderne Kunst am Sonntagmorgen im Pontifikalamt – und das ganz ohne Ankündigung? Wohl doch eher nicht. "Es geht um Obdachlosigkeit; davon habe ich im Fernsehen gehört", weiß Angela Harperscheidt und klärt die Nachbarin in der ersten Bankreihe auf. Noch genauer weiß es Elisabeth Kesseler aus Düren. Sie ist ehrenamtliche Mitarbeiterin bei der Caritas und kennt zum Thema "Wohnungslosigkeit" die aktuelle Kampagne "Jeder Mensch braucht ein Zuhause".

"Ihr seid die Lieblinge Gottes"

Manch einen mag an diesem Sonntag – offiziell ist es der Welttag der Armen – merkwürdig berühren, dass es eines solchen "Mahnmals" bedarf, um aufzurütteln. Schließlich ist es Weihbischof Ansgar Puff, Hauptzelebrant an diesem Morgen und im Erzbistum der zuständige Bischofsvikar für die Caritas und auch die Armen, der den Zusammenhang erklärt. Bei seiner Begrüßung erzählt er der Gemeinde von der Entstehungsgeschichte dieses Welttags der Armen, den Papst Franziskus vor zwei Jahren ins Leben gerufen hat, als er in Rom mit 5.000 wohnungslosen Menschen aus ganz Europa zusammengetroffen ist und daraufhin beschlossen hat, sie von nun an in der katholischen Kirche mit einem eigenen Tag zu bedenken.

Ziel dieses Tages sei, erläutert Puff, der damals selbst mit 150 Wohnungslosen nach Rom gereist ist, die Armen zu ermutigen. Und so richtet er auch besonders herzlich an ihre Adresse und die der Wohnungslosen, die er zu dieser Eucharistiefeier gezielt eingeladen hat: "Ihr gehört nicht als Bettler vor die Kirche, Ihr gehört in die Kirche. Ihr seid mit uns zusammen Kinder Gottes. Wir alle sind Schwestern und Brüder. Ihr seid die Lieblinge Gottes."

Jesus provoziert

Gleichzeitig wolle dieser Welttag "uns, die wir im Wohlstand leben, provozieren", betont der Weihbischof. Die Badewanne sei lediglich dazu da, daran zu erinnern, dass es Menschen gäbe, die keine Wohnung mehr finden, weil es zu wenige Wohnungen gebe. Besonders hart treffe das Menschen, die auf der Straße lebten. Wer sich von ihnen um eine Wohnung bemühe, "muss sich ganz hinten anstellen und hat keine Chance", sagt der Weihbischof wörtlich. Doch die eigentliche Provokation liege darin, dass die Armen in den Himmel kommen, führt er weiter aus und erzählt das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus. "Der Arme starb und wurde von Engeln in den Himmel geleitet. Doch als der Reiche starb, kam er nicht in den Himmel." Diese Provokation erzähle Jesus, so Puff.

Auch in seiner Predigt geht es ihm um Ermutigung. Selbst wenn in der Bibel – wie im realen Leben – immer wieder von Katastrophen berichtet werde, hätten diese Geschichten doch letztlich ein Happy End, stellt er fest. "Ich lese diese Geschichten immer wieder gerne, weil am tiefsten Punkt der Not plötzlich eine Hoffnung sichtbar wird: ein Neustart. Schöner und strahlender als vorher. Es ist fast so, als wäre die Katastrophe nötig, damit dann eine Wende passiert und etwas ganz Neues möglich wird." Auch das Kreuz sei keine Katastrophe, sondern der Ort, wo Gott den Tod besiege, sagt der Weihbischof.

Familie, Freundeskreis, Arbeit

"Kopf hoch", mahnt er sodann seine Zuhörer, "wenn die Katastrophe passiert. Dann Mut! Verkriechen wir uns nicht! Dann können wir Gott begegnen, und der wird mit seiner ganzen Macht durch die Katastrophe hindurch etwas Neues schaffen." Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit kommen sehen, zitiert der Seelsorger – sein Anliegen bekräftigend – aus dem Tagesevangelium.

Das gelte auch für jede persönliche Katastrophe. Denn niemand sei davor gefeit, dass eines Tages nicht auch sein eigener kleiner Kosmos – die Familie, der Freundeskreis, die Arbeit, beliebte Gewohnheiten – erschüttert werde. "Wir werden Enttäuschungen erleben, wir werden Schuld auf uns laden, wir versagen, wir geraten in Krisen. Es kommen Krankheiten, es kommt das Alter, es kommt der Tod." Und es sei zutiefst menschlich, davor Angst zu haben, vor diesen Lebenskatastrophen wegzulaufen und sich zu verstecken.

"Denn es gibt eine Hoffnung"

"Dann Mut!", ruft der Bischof den Menschen jedoch wiederholt im Dom zu. "Denn es gibt eine Hoffnung. Gott schickt Ihnen dann Menschen über den Weg, die Ihnen wieder auf die Füße helfen, dass Sie mit Ihrer Kraft und Gottes Hilfe da rauskommen." Wer mit Glauben in die Katastrophen seines Lebens gehe, auf den komme Gott zu. "Ich jedenfalls", bekennt Puff abschließend sehr persönlich, "möchte vor diesen Momenten nicht weglaufen oder mich betäuben, damit ich sie nicht mehr sehen muss. Ich möchte in die Katastrophen meines Lebens mit den Augen des Glaubens hineingehen, sie mit den Augen Jesu sehen lernen und mit Vertrauen darauf, dass mir Gott in der Katastrophe begegnet." Denn Gott sei tatsächlich da und mache alles neu.

Beatrice Tomasetti
(DR)

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