Schwestern von Jerusalem in Groß Sankt Martin
Schwestern von Jerusalem in Groß Sankt Martin
Schwester Katharina
Schwester Katharina
Die Schwestern von Jerusalem in Köln beim Abendessen.
Die Schwestern von Jerusalem in Köln beim Abendessen.

07.03.2018 - 00:00

Warum Freundschaft im Orden anders ist "Wer Jesus zum Freund hat, hat die Menschheit zum Freund"

Sie leben zusammen, sie beten zusammen, sind sich vertraut. Und trotzdem bezeichnen sich die Schwestern von Jerusalem in Köln nicht als Freunde. Denn der Begriff "Freundschaft" hat eine besondere Bedeutung. 

Es ist kurz nach halb acht am Abend. Die Schwestern kommen aus dem Abendgebet in der großen Kirche Groß Sankt Martin im Herzen von Köln. Sie wuseln über den engen Flur im Klostertrakt, der direkt neben der imposanten Kirche liegt. Einige der zehn Schwestern gehen in die Bibliothek, die anderen haben sich in der Küche zusammengefunden. Die Stimmung ist ausgelassen, die Schwestern lachen, necken sich. Schwester Rebekka trägt schließlich eine große Schüssel mit Suppe und eine mit Salat in den Speisesaal. Die anderen folgen ihr und nehmen Platz. Sie wirken vertraut und scheinen sich gut zu verstehen. Aber sind sie auch befreundet?

Schwester Katharina hat sich darüber Gedanken gemacht, zieht ein Buch hervor, öffnet es und liest vor. Darin heißt es: "Gib Dich nicht damit zufrieden, Bruder oder Schwester aller zu sein. Sei Freund eines Jeden. Jeder Bruder, jede Schwester soll Dir ein Freund sein, ohne deshalb sein Freund zu sein." Es ist ein Lebensbuch, das den Schwestern als Regel dient. Darin steht auch dieser Paragraf. Für die 34-Jährige ist klar, wer Jesus zum Freund hat, hat die Menschheit zum Freund.

Keine Freundschaft im klassischen Sinn

Und doch gibt es bei den Schwestern einen Unterschied zur klassischen Freundschaft. Denn sie würden sich nicht in erster Linie als Freundinnen bezeichnen. "Wir sind Schwestern und wir haben uns nicht ausgesucht. Wenn man in ein Kloster eintritt, dann tritt man in eine Gemeinschaft ein, die schon besteht", erklärt Schwester Katharina.

Und gleichzeitig teilen die Schwestern ihr Leben miteinander und leben auf engstem Raum. Das, was sie von anderen Beziehungen unterscheidet, sagt Schwester Katharina, ist der Grund für ihr Zusammenleben. Denn das Besondere sei, dass alle die gleiche Sehnsucht hätten - mit Gott zu leben. "Das ist der gemeinsame Nenner, der uns verbindet", sagt sie.

Eine Sehnsucht zu Gott

Und diese Sehnsucht hat Schwester Katharina vor sieben Jahren zu den Schwestern von Jerusalem geführt. Schon mit 18 Jahren hat sie das erste Mal mit einem Priester über Berufung gesprochen. Das Gefühl wurde mit der Zeit stärker. Als sie die Gemeinschaft von Jerusalem kennenlernte, fühlte sie sich spontan wohl und wurde Ordensfrau.  "Das ist eine Gemeinschaft, da macht es Freude miteinander zu sein", sagt sie. Diese Freude sei ihr wichtig, denn ohne wäre das nicht ihr Ort gewesen.

Auf die Entscheidung reagierte das Umfeld damals unterschiedlich. Ihre damaligen Freunde waren auch kirchlich sozialisiert und hatten Verständnis. Und trotzdem war es für einige eine radikale Entscheidung. Zu ihren Freunden aus der Studien- und Schulzeit hat sie noch Kontakt, aber durch die unterschiedlichen Leben weniger als früher. "Beziehungen verändern sich, aber sie werden tiefer, auch wenn man nur wenig Kontakt hat", sagt Schwester Katharina.

Über Beziehungen lernen

Über den Glauben und die Gemeinschaft hat sie viel über Beziehungen gelernt. Denn dadurch, dass sie so eng beieinander leben, bleibt auch nicht aus, dass sie mal "Dampf ablassen müssen", so erklärt es die Ordensschwester. Aber die Frage sei dabei, wie man damit umgehe. Sie lösten Konflikte mit gegenseitigem Vertrauen und Barmherzigkeit. "Einmal die Woche nehmen wir uns Raum und Zeit, uns gegenseitig zu verzeihen."

Und wer die Schwestern in der Kirche und beim Gebet erlebt, der erkennt, wie es doch noch etwas anderes gibt als die Gemeinschaft. Die Schwestern knien auf dem Teppich. Das Gesicht zum Altar gewandt. Hier ist jeder für sich und in seiner ganz persönlichen Freundschaft zu Jesus.  

Melanie Trimborn
(DR)

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