Kondolenzbuch für Kardinal Meisner
Kondolenzbuch für Kardinal Meisner
Monsignore Oliver Boss
Monsignore Oliver Boss

13.07.2017

Ehemaliger Geheimsekretär erweist Meisner letzten Dienst "Der Kardinal war ein Mann mit Charakter"

Zehn Jahre lang hat Monsignore Oliver Boss als Erzbischöflicher Geheimsekretär den Kölner Kardinal Joachim Meisner begleitet. Sie lebten sogar in einem Haus. Für Monsignore Boss war der verstorbene Kardinal daher mehr als nur sein Chef. 

domradio.de: Wie "geheim" waren denn die Aufgaben, die Sie als "Geheimsekretär" von Kardinal Meisner zu erledigen hatten?

Monsignore Oliver Boss (Ehemaliger Geheimsekretär Kardinal Meisners und jetziger Pfarrer in Köln-Longerich): Die waren sehr unterschiedlich geheim. Es gab natürlich sehr vertrauliche Vorgänge, die ich auf dem Schreibtisch mit zu behandeln hatte. Ansonsten habe ich ihn auch bei allen öffentlichen Auftritten begleitet, sei es im Dom, in den Pfarreien oder auf Reisen, die er ja vielfältig unternommen hat. Und es gab auch vertrauliche, geheime Dinge, ebenso wie öffentliche und weniger vertrauliche Themen.

domradio.de: Wie haben Sie Kardinal Meisner aus Ihrer Perspektive als Sekretär - also aus nächster Nähe - erlebt?

Boss: Ja, es war wirklich die nächste Nähe. Ich wohnte ja mit ihm im Erzbischöflichen Haus. Wir wohnten Tür an Tür. Es ging also weit über ein Dienstverhältnis hinaus. Ich habe im Grunde alle Mahlzeiten mit ihm tagtäglich eingenommen. Ich habe, wenn er im Haus die Heilige Messe gefeiert hat, mit ihm konzelebriert. Es war ein sehr enges Verhältnis, das allerdings wachsen musste. Als ich im Jahr 2004 anfing - insgesamt war ich zehn Jahre sein Sekretär -, da war er doch noch sehr auf Dominikus Schwaderlapp eingestellt. Er war mein Vorgänger und wurde dann Generalvikar. Und es dauerte seine Zeit, bis er sich an mich, meine Art und meinen Stil gewöhnt hatte. Umgekehrt selbstverständlich auch. Mit einem so hohen Herrn zusammenzuwohnen, ihn zunächst als Chef wahrzunehmen und dann aber auch immer mehr als Person, weil ich ja unheimlich viel aus seinem Privatleben mitbekam, das brauchte seine Zeit. Aber hinterher waren wir ein sehr gutes Team, wie ich glaube. Er konnte sich auf mich verlassen und ich mich auf ihn. Es war letztlich eine gute Zusammenarbeit. 

domradio.de: Es heißt ja gerne, dass Kardinal Meisner durchaus auch seine Ecken und Kanten hatte. Das konnten Sie ja dann aus nächster Nähe miterleben, oder?

Boss: In der Tat! Das war natürlich mitzuerleben. Er säuselte nicht. Er war ein Mann mit Charakter, der auch viel forderte - auch von seinen Mitarbeitern und von mir. Und wenn das mal nicht so dem entsprach, wie er sich das vorstellte, gab es auch schon mal ein entsprechendes Wort, was aber nie nachgetragen wurde. Es war immer so, wenn man dann wieder in der Kapelle oder am Abend-Essenstisch aufeinander traf, war schon wieder reine Luft. Er hat nie irgendetwas nachgetragen. 

domradio.de: Besonders am Herzen lag Kardinal Meisner das Brauchtum rund um das Weihnachtsfest, da lag ja passenderweise auch sein Geburtstag. Gab es da in seinem Haushalt auch Besonderheiten?

Boss: Auf jeden Fall. Schon in der Adventszeit gab es Besonderheiten. Sein Weihetag zum Priester war der 22. Dezember. An dem Tag lud er abends immer das Domkapitel und die Geistlichen aus dem Generalvikariat ein. Es gab wirklich ein rauschendes Fest mit Speisen, die er aus Schlesien als Weihnachtsessen kannte. Schlesische Weißwurst mit einer besonderen Soße, einer Lebkuchensoße. Und anschließend als Nachtisch gab es diese schlesischen Mohnklöße. Dazu gab es Andechser Doppelbock. Es war also immer eine rauschende Feier vor dem eigentlichen Weihnachtsfest. An dem Weihnachtsfest selbst gab es dann ebenfalls dieses Essen. Aber das feierte er im intimen Kreis mit den Ordensschwestern, die mit ihm im Haushalt lebten und ihm den Haushalt führten. Und am 1. Weihnachtstag, seinem Geburtstag, hat er sich dann nach dem Hochamt im Dom alleine zurückgezogen und nahm die Glückwünsche am Telefon entgegen. Dabei war er also ganz für sich.  

domradio.de: Höhepunkt in der Amtszeit war vermutlich der Weltjugendtag 2005, oder?

Boss: Dem würde ich zustimmen. Im Januar 2004 bin ich in dieses Amt gekommen. Also lag der Weltjugendtag relativ zu Beginn meiner zehnjährigen Tätigkeit. Ich kam voll in die Vorbereitungen zum diesem Glaubensfest hinein. Kardinal Meisner fieberte dem entgegen und betete jeden Tag in einer besonderen Fürbitte für den Weltjugendtag. Man merkte, wie sehr er sich darauf freute. Dann starb Johannes Paul II. im April 2005, was ihn zunächst völlig aus der Bahn warf. Die Wahl von Papst Benedikt XVI. hat das gänzlich wieder gut gemacht. Es war tatsächlich ein großer Höhepunkt unserer Diözese.

domradio.de: Papst Benedikt XVI. hat dann ja auch während des Weltjugendtages im Erzbischöflichen Haus übernachtet hat. Wer hat denn sein Zimmer räumen müssen? Sie oder der Kardinal?

Boss: Ich musste mein Zimmer für den Kardinal räumen, weil der Papst seine kleine Wohnung bezog. Ich zog ins Priesterseminar nebenan.

domradio.de: Sind sie sich denn auch einmal im Erzbischöflichen Haus begegnet?

Boss: Ja, ständig. Ich hatte auch die Aufgabe, Papst Benedikt XVI. zum Mittagstisch zu führen. Ich saß dann auch mit an dem Tisch. Ich habe mich aber zwischen ihm, den ganzen Kardinälen, Erzbischof Gänswein und den hohen Würdenträgern sehr still verhalten.

domradio.de: Gestern vor einer Woche ist Kardinal Meisner gestorben. Völlig überraschend auch für Sie?

Boss: Das war für mich ein ganz großer Schock. Ich musste mich erst fangen. Das hat mich sehr getroffen, weil es so unvorbereitet gekommen ist. Wir hatten uns noch 14 Tage vorher getroffen als wir ein Kölner Ehepaar zum Abendessen besuchten. Das war ein Traditionstermin, der noch über den Ruhestand hinausging, und ich wurde da immer noch mit eingeladen. Dann verabschiedete er sich mir gegenüber in den Urlaub und sagte: "Wir sehen uns dann ja danach. Ich werde gut erholt zurückkommen". Deshalb war es ein ganz besonderer Schock für mich.

domradio.de: Übermorgen werden Sie bei der Prozession, wenn der Leichnam von Kardinal Meisner von Sankt Gereon in den Dom überführt wird, den Bischofsstab des Verstorbenen vor dem Sarg hertragen. Welche Bedeutung hat dieser letzte Dienst für Sie?

Boss: Ich denke, dass es für mich persönlich ein sehr bewegender letzter Dienst ist. Ich habe diesen Stab ja als Sekretär bei den Gottesdiensten zig Mal in der Hand gehabt. Ich nahm ihm den Stab dann immer ab und übergab ihn an die Messdiener. Dieses Zeichen seines bischöflichen Amtes auf seinem letzten Gang umgekehrt mit der Krümme nach unten dann zutragen - wie ich es nie getan habe - wird für mich bestimmt sehr bewegend sein.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(dr)

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