Eine Familie hält sich zum Gebet an den Händen
Eine Familie hält sich zum Gebet an den Händen
Papst Franziskus feiert den Gottesdienst in der Kapelle Domus Sanctae Marthae
Papst Franziskus feiert den Gottesdienst in der Kapelle Domus Sanctae Marthae

21.03.2020

Papst betet für Familien unter Corona-Ausgangssperre Die Prüfung als Familie bestehen

​Der Papst hat in seiner Frühmesse am Samstag für alle Familien gebetet, die wegen der Corona-Krise zu Hause bleiben müssen. Er wünscht den Betroffenen, dass sie die Prüfung der gemeinsamen Zeit als Familie überwinden.

Manche dürften "höchstens auf den Balkon hinausgehen", sagte Franziskus im Gottesdienst in seiner vatikanischen Residenz Santa Marta. Er riet den Betroffenen, angesichts der aktuellen Notlage den gegenseitigen Austausch zu fördern.

"Mögen sie einen Weg finden, die Kommunikation und die liebevollen Beziehungen in der Familie zu fördern und die Prüfungen dieser gemeinsamen Zeit als Familie zu überwinden", so Franziskus. Seine morgendlichen Messen feiert er wegen der Pandemie derzeit nur im Kreis weniger Mitarbeiter. Die Feiern werden über das Internetportal "Vatican News" sowie von einzelnen italienischen Medien live übertragen.

Experten: "Eltern stehen unter Stress"

Auch Kinder- und Jugend-Psychotherapeuten sehen in der Corona-Pandemie auch eine große Belastungsprobe für Familien. "Eltern stehen unter Stress, weil sie womöglich beide arbeiten müssen", sagte die Leiterin des Winnicott Instituts und Psychotherapeutin Eva Busch in Hannover dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Die Kinder spüren die Anspannung und leiden darunter, dass sie keinen Kontakt zu anderen Kindern haben."

Wenn es möglich ist, sollten sich berufstätige Eltern mit der Kinderbetreuung abwechseln, sagte Busch. Das gelte auch für Menschen im Homeoffice, damit zumindest ein Elternteil einmal entspannter arbeiten könne. "Es geht darum, es überhaupt irgendwie hinzukriegen."
Die Psychotherapeutin rät zu Absprachen und dazu, einander Raum zu geben, damit es nicht am Ende zu Konflikten oder gar Trennungen komme.

Eventuell längerfristige psychische Folgen

Für kleine Kinder sei eine häusliche Isolation durch Quarantäne oder weitergehende Ausgangssperren schon nach wenigen Tagen ein Problem, sagte Busch. Sie könnten zudem gar nicht verstehen, was gerade geschehe. Ob es längerfristige psychische Folgen gebe, hänge
auch vom Temperament des jeweiligen Kindes ab.

Jugendliche ignorierten zurzeit das Problem zum Teil noch. "Wir wissen ja nicht, wie lange das gehen wird", sagte Busch. "Wir werden erst wenn es vorbei ist herauskriegen, wie schwer es gewirkt hat, auch mit Blick auf die Auswirkung in den Familien." Das 1951 gegründete Winnicott Institut bildet Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche aus.

(KNA, epd)

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