Ingrid Rasch
Ingrid Rasch

14.03.2019

Gottesdienste für Menschen nach Trennung oder Scheidung "Wir Menschen erreichen nicht alle Ideale"

Eine Trennung ist oft eine schmerzliche Erfahrung. Trost finden Betroffene in besonderen Gottesdiensten in der Kölner Kapelle "Madonna in den Trümmern". An diesem Ort des Neuanfangs soll erfahrbar werden: Gott ist in Situationen des Scheiterns da.

DOMRADIO.DE: Am Freitagabend findet ein Gottesdienst in der Kapelle in St. Kolumba statt. Was ist da anders als in anderen Gottesdiensten?

Ingrid Rasch (Katholikenausschuss in der Stadt Köln): Es ist ein Gottesdienst mit einer speziellen Thematik. Er wird von einer Pastoralreferentin und mir gestaltet. Wir bieten diese Gottesdienste schon seit 2011 an. In Gebeten, Liedern und in der Predigt wird Gottes Zuspruch auch in Situationen des Scheiterns und Misslingens lebendig. Es gibt auch eine musikalische Gestaltung, die Gelegenheit gibt, das Gehörte wirksam werden zu lassen.

DOMRADIO.DE: Der Ort "Madonna in den Trümmern" ist ein besonderer. Wie steht er mit dem Gottesdienst in Verbindung?

Rasch: Der Begriff "Madonna in den Trümmern" legt natürlich nahe, das alles in Trümmern liegt. Der Ort ist ganz bewusst gewählt: Hier wurde eine große Kirche im Krieg zerstört. Die Madonna aber ist stehengeblieben - deshalb heißt es "Madonna in den Trümmern". Man kann sie  - und das machen wir auch in den Gottesdiensten - als Symbol für die weitere Liebesfähigkeit des Menschen oder auch für die Liebende Zusage Gottes nehmen. Das ist das eine.

Das andere ist, dass an diesem Ort etwas Neues entstanden ist. Auch Menschen nach Trennungserfahrungen oder nach einer Scheidung möchten und müssen ihr Leben neu gestalten - auf ganz unterschiedliche Weise. Und dieser Ort zeigt, dass eine Neugestaltung möglich ist und diese auch sehr positiv sein kann.

DOMRADIO.DE: Der Gottesdienst wird unter der Überschrift stehen "Neuen Halt finden". Sie selbst sind Psychologin. Was gibt den Menschen nach einer Trennung oder Scheidung den besten Halt? Ist das eine neue Beziehung oder ist es für jeden individuell?

Rasch: Das kann sehr unterschiedlich sein. Es ist auf jeden Fall eine Neugestaltung des Lebens. Dabei können natürlich gute Beziehungen zu Freunden, manchmal auch zur Familie, hilfreich sein - das ist unterschiedlich. Mit der Familie kann es auch konfliktreich sein. Aber es ist vor allen Dingen wichtig, dass unsere Kirche nicht das Signal sendet: Ihr habt alles falsch gemacht.

Es sind Menschen, die oft kirchlich geheiratet und vor Gott und den Menschen öffentlich bekundet haben: Wir wollen unser Leben miteinander teilen, wir wollen miteinander alt werden. Nichts anderes sagt ja "bis dass der Tod euch scheidet". Das wünschen und wollen die Menschen und das ist ein wunderbares Ideal. Aber wir Menschen erreichen nicht alle Ideale. Auch das biblische Ideal der Feindesliebe erreichen wir in der Regel nicht.

DOMRADIO.DE: Umso größer ist vermutlich die Enttäuschung bei den Menschen oder auch ein schlechtes Gewissen nach einer Scheidung, oder?

Rasch: Ganz häufig ist das so. Und von daher ist es wichtig, deutlich zu machen, dass Gott für die Menschen da ist. Dass Gott in Situationen des Misslingens und Scheiterns Trost und Stärkung ist. Auch der Papst hat das in seinem Schreiben "amoris laetitia" sehr deutlich gesagt. Das erfahren die Menschen auch in diesem Gottesdienst, indem sie einen persönlichen Segen erbitten können.

DOMRADIO.DE: Seit acht Jahren veranstaltet der Katholikenausschuss diesen Gottesdienst für Menschen nach Trennung und Scheidung. Solange sind Sie auch dabei. Hat sich über die Jahre das Publikum verändert?

Rasch: In meiner Wahrnehmung nicht. Es sind Menschen ganz unterschiedlicher Altersstufen und - wie so oft in der Kirche - mehr Frauen als Männer. Ich habe nicht wahrgenommen, dass sich das verändert hat. Mir liegt aber noch auf dem Herzen zu sagen, dass diese Gottesdienste in Kooperation mit der Ehepastoral angeboten werden.

Das Gespräch führte Tobias Fricke.

(DR)

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