Papst Franziskus vor irischer Flagge
Papst Franziskus vor irischer Flagge
Jan Hendrik Stens
Jan Hendrik Stens

21.08.2018

Weltfamilientreffen im Schatten von Missbrauchsskandalen "Keine leichte Reise für den Papst"

Erst kommt ein weiterer Missbrauchsskandal in den USA ans Licht, dann findet der Papst sehr klare Worte zu dem Thema und am Wochenende wird er zum Weltfamilientreffen nach Irland reisen. Welche Rolle spielt das Thema Missbrauch in Dublin?

DOMRADIO.DE: Grade erst ist ein riesiger Missbrauchsskandal in der Kirche in den USA ans Licht gekommen. Wie beeinflusst der denn das Treffen in Dublin?

Jan Hendrik Stens (Liturgie-Redaktion): Kinderschutz und Missbrauchsprävention waren schon vor Bekanntwerden des Missbrauchsskandals als Themen vorgesehen. Es war zum Beispiel ein Seminar über Missbrauchsprävention mit dem Bostoner Erzbischof Sean O‘Malley geplant. Allerdings hat Kardinal O’Malley seine Teilnahme nun abgesagt, weil er anzügliche Vorgänge in seinem Priesterseminar untersuchen lässt.

Und der massiver Kritik ausgesetzte Erzbischof von Washington, Donald Kardinal Wuerl, hat seine Teilnahme ebenfalls abgesagt. Er hätte einen Vortrag mit dem Titel "Das Wohlergehen der Familie ist entscheidend für die Zukunft der Welt" halten sollen. Man sieht also, dass der Missbrauchsskandal in den USA allein schon personell Auswirkungen auf das Treffen hat. Von Papst Franziskus, der am Samstag und Sonntag nach Dublin fliegen wird, erwarten einige deutliche Worte.

DOMRADIO.DE: Aber auch Irland ist kein leichtes Terrain mehr für die katholische Kirche…

Stens: Gewiss nicht. Auch in Irland sind in den letzten Jahren Missbrauchsfälle ans Tageslicht gekommen, die das Vertrauen in die Kirche stark erschüttert haben. Das hatte schließlich auch Folgen für politische und gesetzliche Entscheidungen. Wir erinnern uns, dass im Mai zwei Drittel der Iren für eine Änderung des bislang sehr strengen Abtreibungsverbots gestimmt haben. Der irische Premierminister hat angekündigt, dass er den Papst daran erinnern will, dass viele seiner Landsleute heute anders über Homosexualität, Familienformen und Abtreibung denken, als es die Lehre der Kirche tut. Es wird also keine leichte Reise für Franziskus werden.

DOMRADIO.DE: Was wird Franziskus wohl zum Thema Familie sagen?

Stens: Im Großen und Ganzen wird es wohl das sein, was in "Amoris laetitia" steht. Ob Franziskus die kontrovers debattierten Punkte über die "wiederverheirateten Geschiedene" oder gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, die nicht analog zur Ehe gesehen werden können (vgl. Amoris laetitia 251), ansprechen wird, glaube ich eher nicht. Dass er noch einmal auf die verschiedenen Missbrauchsskandale eingehen wird, würde ich hingegen nicht ausschließen.

Allerdings ist ja gestern ein vierseitiger Brief von ihm veröffentlicht worden, in dem er um Vergebung für das Versagen der Kirche im Umgang mit Missbrauch an Kindern und anderen Schutzbedürftigen bittet. Möglicherweise wird es in Dublin ein Treffen des Papstes mit Missbrauchsopfern geben, was einige erwarten.

DOMRADIO.DE: Das Motto des Weltfamilientreffen ist "Das Evangelium der Familie – Freude für die Welt." Was bedeutet das?

Stens: Das Motto ist angelehnt an das Lehrschreiben "Amoris laetitia – Über die Liebe in der Familie", das Papst Franziskus nach der Familiensynode vor drei Jahren veröffentlicht hat und über das bis heute noch lebhaft diskutiert wird. Es war der Wunsch von Papst Franziskus, dass dieses Schreiben die Grundlage für das Weltfamilientreffen bildet. In Katechesen, Vorträgen und Diskussionen soll näher darauf eingegangen werden.

(DR)

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