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Urlaub am Ostsee-Strand in Timmendorf
Heidi Ruster
Heidi Ruster

24.07.2018

Was man für einen erholsamen Familienurlaub beachten sollte "Viele Dinge mal anders machen"

Auch im Urlaub kann der Familiensegen schief hängen. Wichtig sei, dass Eltern und Kinder sich absprechen, was sie von der Auszeit erwarten - und auch mal etwas getrennt unternehmen. Weitere Urlaubstipps gibt Familienberaterin Heidi Ruster.

DOMRADIO.DE: Der Urlaub heißt in Arbeitsverträgen 'Erholungsurlaub' und ist dazu da, sich zu regenerieren, damit man auch wieder Kraft hat, in die Arbeit zu starten. Es klappt aber nicht immer mit der Erholung, oder?

Heidi Ruster (Leiterin der katholischen Ehe-, Familien- und Lebens-Beratungsstelle in Bonn): Das kann auch danebengehen, das ist richtig. An sich ist es eine Chance, dass es eine Auszeit ist, in der man einmal etwas ganz anderes machen kann. Und da kommt es vor, dass die Menschen sich überfordern. Die Überforderung ist natürlich sehr subjektiv und individuell verschieden. Es kann sein, dass man sich zuviel körperlichen Stress zumutet, endlich mal Sport nach all dem sitzenden Alltag machen will und dann eine Fahrradtour plant, die einen bis über die Grenzen führt - was das körperliche Wohl angeht. Und dass es einem gar nicht gut geht und es sogar zu Erschöpfung kommt.

Da gibt es aber auch andere Beispiele. Etwa, dass sich jemand eine Studienreise aufbrummt: Endlich mal dieses Ziel, das immer schon auf der Agenda stand, besuchen. Aber die Temperaturen sind hoch, das Anstehen wird zu einer Qual, und dann all das Gucken, das Stop and Go und in einer Gruppe diszipliniert all die Sehenswürdigkeiten abklappern. Das kann furchtbar anstrengend sein.

Oder es wird für zehn Tage eine super Fernreise gebucht - mit Jetlag und allem was dazugehört. Tropische Verhältnisse womöglich, oder auch Smogalarm in den großen Städten. Außerdem das fremde Essen und sich arrangieren müssen mit anderen hygienischen Bedingungen. Das können alles Faktoren sein, die Menschen überfordern und dann hat das nichts mit Erholung zu tun.

DOMRADIO.DE: Aber warum kann der Urlaub auch der Grund dafür sein, dass der Familiensegen schief hängt zwischen Mama, Papa und den Kindern?

Ruster: Das ist natürlich ein Ausnahmezustand: Tag und Nacht auf engstem Raum ist man aufeinander angewiesen und man muss noch viel mehr verhandeln als im Alltag, wo man sich ja durch persönliche Ablenkung auch mal aus der Sippe stehlen kann. Da kann es durchaus rumsen, wenn die Erwartungen an die freie Zeit andere sind und man unterschiedliche Bedürfnisse hat.

Und man hat vielleicht gar nicht vorher besprochen, wie viel gegenseitige Nähe man verträgt und wie viel Freiheit man sich auch mal alleine geben muss. Ich will vielleicht auch mal mit meinem Partner alleine was machen. Oder Familienangehörige haben sich von zuhause angesagt: 'Och, da kommen wir mal vorbei.' Und man hat natürlich euphorisch 'Ja' gesagt und merkt auf einmal in den Ferien: 'Das darf jetzt nicht wahr sein, jetzt müssen wir alle Rücksicht nehmen auf die Oma oder den Opa oder wir müssen den Onkel mit seinen verrückten Ideen ertragen.'

Oder aber auch, dass man immer wieder neue Urlaubsbekannte trifft und sagt: 'Man sieht sich ja wieder heute Abend, an der Bar oder im Pool.' Und man merkt einfach: 'Das war gar nicht, was ich mir vorgestellt habe.' Und das kann dann unterschiedlich erlebt werden und in der Familie oder in einer Beziehung wirklich zu Reibereien führen.

DOMRADIO.DE: Also man muss sich vorher ein bisschen absprechen und sagen, was man sich wünscht und wie viel Freiraum man dem anderen geben möchte. Jetzt verreisen manche mit anderen Familien, damit die Kinder sich untereinander unterhalten. Manche buchen auch die Ferienanlage mit Kinderbetreuung. Man guckt, dass man die Kinder aus den Füßen hat. Man schiebt so ein bisschen die Verantwortung ab. Ist das schlimm aus Ihrer Expertensicht?

Ruster: Verantwortung abschieben hört sich jetzt nicht so schön an. Was ich aber auf jeden Fall unterstreichen will, dass man guckt, dass die Kinder andere Kinder treffen können. Das ist, sage ich mal, für eine Familie mit kleinen Kindern wunderbar, wenn man "spießigen Kolping-Urlaub" macht, wo für alle gesorgt ist und die Bedürfnisse von den Kindern auch zur Geltung kommen. Dass sie spielen können, dass aber auch für die Eltern gekocht wird, dass man nicht noch die Logistik, zum Beispiel den Einkauf, stemmen muss.

Das ist für mich kein Abschieben. Auch dann nicht, wenn Verwandte oder Freunde zu Besuch kommen und sagen: 'Heute machen wir den Strandtag mit den Kindern. Macht, dass ihr wegkommt und macht es euch schön.' Ich halte es für absolut wichtig, dass auch Vater und Mutter sich im Urlaub noch mal als Paar erleben: Sich füreinander schön machen und dann richtig gepflegt essen gehen und nicht irgendwie Fritten. Sie wissen vielleicht auch, dass es nicht immer ein Vergnügen ist, mit kleinen Kindern essen zu gehen. Jedenfalls ein anderes Vergnügen, als wenn man sich zu zweit noch mal schön gepflegt gegenübersitzt und so lange am Tisch sitzen bleiben kann, wie man das möchte.

Ich wünsche auch den Kindern mal eine Zeit, wo sie einfach mal ohne die Eltern sturmfrei haben und hemmungslos spielen dürfen und vielleicht eben auch Onkel-Zeiten haben oder aber auch mal alleine mit Verantwortung unterwegs sein dürfen. Die dürfen mal im Supermarkt einkaufen gehen und dann abends auch für die Eltern kochen. Also die Verhältnisse mal umdrehen und viele Dinge mal anders machen. Und dann dürfen Papa und Mama mal warten, was die Kids so aufzutischen haben - und wenn es Fischstäbchen sind. Es ist einfach mal schön, genau auch diese spielerischen Umkehrungen zu versuchen.

DOMRADIO.DE: Also die klare Botschaft: Mama und Papa brauchen Zeit füreinander, die Kinder brauchen Zeit für sich. Lassen Sie uns vielleicht noch über die sprechen, die nicht in Urlaub fahren. Jeder sechste Deutsche hat nicht genug Geld zum Verreisen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage. Und damit ist man gleich auch mal in der Schule stigmatisiert, so nach dem Motto: 'Wie, Du fährst nicht weg? Wieso denn nicht?' Wie geht man damit um?

Ruster: Das hat ganz viel mit der inneren Haltung zu tun. Bei einem Sommer, wie er zurzeit über Deutschland glänzt, ist das, glaube ich, gar nicht so schwer, zu Hause zu bleiben. Es geht um qualitätvolle Zeit miteinander. Diese Auszeit, die Unterbrechungen des Alltags, kann man durchaus auch zu Hause gestalten: mit Zelten im Garten oder eben auch preiswerteren Dingen wie einer Radtour am Rhein oder einer Kanutour auf der Sieg.

Und diese Dinge kann man genauso schön mit dem Handy dokumentieren, schöne Fotos machen. Die Kinder, die mit ihren Eltern wirklich Spielzeit erleben, werden in der Schule nicht erzählen: 'Bei uns hat es nicht gereicht für Malle.' Sondern: 'Wir haben miteinander Lagerfeuer gemacht und wir haben Stockbrot gebraten.' Da gibt es so viele Dinge. Es kommt sehr darauf an, ob man das selber so einschätzt und sagt: 'Wir machen Ferien im Garten oder auf dem Balkon oder nehmen uns die Zeit und fahren mal drei Tage zu Freunden, die weit weg wohnen.' Das sind so eigene Bewertungen, die einem da oft dieses Stigma aufdrücken.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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