09.07.2017

Gottesdienst zum Christopher Street Day Regenbogen und Kreuz

Die Öffnung der Zivil-Ehe für Homosexuelle kommt. Schwule und Lesben feierten das nicht zuletzt beim Christopher Street Day in Köln. Die katholische Kirche sieht die "Ehe für alle" kritisch, beteiligte sich aber am ökumenischen Gottesdienst zum CSD.

domradio.de: Wie geht das überhaupt zusammen: Die Kirche spricht sich gegen die Ehe für Homosexuelle aus und veranstaltet einen Gottesdienst zum CSD?

Pater Werner Holter (Pfarrer St. Peter Köln): Die Kirche spricht sich nicht generell gegen Homosexualität aus, sondern im Katechismus wird verlangt, dass Homosexuelle nicht diskriminiert werden. Sprich: dass man ihnen Mitleid, Respekt und Takt gegenüber zeigen sollte. Für mich sind es pastorale Gründe, warum ich dort hingehe und schaue: Was sind das für Menschen, wie fühlen Sie sich in dieser Gesellschaft und es ist ein Zeichen, auch eine gewisse Solidarität zu zeigen mit Menschen, die auch zum Teil Jahrzehnte darunter gelitten haben. Wenn man es jetzt mal hochrechnet, da muss man sagen: Die Antoniterkirche ist dann gut besetzt, wenn sich dort 500 und 1000 Leute einfinden.

Das ist eine Minderheit. Eine Minderheit, die wirklich Gott sucht, die betet und singt und am Ende "Großer Gott, wir loben dich" singt. Diese Art, dass Schwule und Lesben uns auf diese Weise zeigen: "Wir suchen genau so Gott wie ihr und wir wollen diesen Gott auch ehren und wir fühlen uns von ihm auch angenommen und geliebt". Da finde ich nicht, dass wenn Vertreter der jüdischen Gemeinde, evangelische Christen oder altkatholische Vertreter teilnehmen, dass ich dann als Katholik sage, da gehe ich nicht hin.

domradio.de: Wie kann ich mir das Ganze vorstellen? Wie unterscheidet sich dieser Gottesdienst von einem ganz normalen ökumenischen Gottesdienst?

Holter: Eigentlich nicht: Es wird gesungen, es wird gebetet, wir hören Lesungen aus der Heiligen Schrift natürlich. Es sind dann meistens Lesungen, die von der Liebe handeln, die gibt es im Neuen Testament und im Alten Testament. Sie müssen sich das einfach so vorstellen, wie einen ökumenischen Gottesdienst wie jeden andere auch, vielleicht ein bisschen lebendiger, bewegter, die Gesänge etwas moderner - insgesamt sehr lebendig.

domradio.de: Welche Rolle spielt die Ökumene?

Holter: Ich finde, es zeigt damit, dass es quer durch alle Konfessionen und Religionen dieses Problem gibt, nicht nur der Christen, auch das Judentum tut sich schwer mit Homosexuellen, der Islam schon sehr stark. Es ist einfach ein Zeichen der christlichen Konfessionen, zu sagen: "Ihr, die ihr wirklich an Gottesdienst, an Gott und Jesus Christus interessiert seid, ihr gehört zu uns und wir haben keinerlei Recht, euch einen Gottesdienst zu verweigern.

domradio.de: Kritiker könnten jetzt erwidern: Man verherrlicht dadurch etwas, dem die Kirche kritisch gegenüber steht.

Holter: Da müsste man so viele pastorale Initiativen einstellen, wenn man das so auslegen kann. Natürlich ist das immer sehr ambivalent. Aber ich glaube, wir Katholiken, wir Christen müssen auch damit leben lernen, dass ist diese Ambivalenzen gibt und dass nicht alle nach unserer Pfeife tanzen.

domradio.de: Was sagen Ihnen die Schwulen und Lesben denn als Priester, wenn sie zu Ihnen kommen?

Holter: Ich bin Mitglied einer Arbeitsgemeinschaft "Seelsorge an homosexuellen Menschen", die vom damaligen Erzbischof Kardinal Meisner einberufen wurde. Wir haben uns schon seit Jahren immer mit diesem Thema beschäftigt. Ich habe den Eindruck, dass in dieser Stadt oder generell vielleicht in unserer freiheitlichen Gesellschaft die Schwulen selber weniger Probleme mit sich haben als wir mit Ihnen. Die empfinden sich weniger als Problem, als wir sie als Problem empfinden.

domradio.de: Wenn wir in die Zukunft sehen: Schwule und Lesben dürfen jetzt heiraten, die Kirche sieht das kritisch. Wie sollten wir am besten miteinander umgehen in der nächsten Zeit?

Holter: Wir müssen respektieren, dass es dieses Gesetz gibt. Die andere Geschichte ist: Wie gehe ich als Christ, wenn ich wirklich überzeugt als Katholik leben möchte, damit um? Wir werden zukünftig mehr damit leben müssen, dass eventuell das, was für uns Christen wichtig ist, sich unterscheidet von dem, was rechtlich möglich ist. Damit ist dann vielleicht unsere Identität mehr gefragt als früher.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

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