Priester spendet Kommunion
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02.02.2017

Auslegung von "Amoris laetitia" geht in Weltkirche auseinander So viel Streit um "die Freude der Liebe"

Das Papstschreiben "Amoris laetitia" lässt Bischöfen weltweit keine Ruhe. Vor allem an der Frage, ob geschiedene Katholiken in zweiter Ehe zur Kommunion dürfen, scheiden sich die Geister. Wie läuft es außerhalb Deutschlands?

Um neue Ansätze in der Familienseelsorge geht es im Papstschreiben "Amoris laetitia". Doch die Diskussion hat sich festgebissen an der Frage des Kommunionempfangs für wiederverheiratete Geschiedene. Skeptiker sprechen von einem "faktischen Schisma", das sich entlang der Frage der Unauflöslichkeit der Ehe durch die Weltkirche ziehe. Andere, wie der Wiener Pastoraltheologe Zulehner, sehen schlicht eine "neue pastorale Kultur" der Zugewandtheit, die Papst Franziskus wünsche.

Weltkirchlich treibt die Frage vor allem Kirchenvertreter aus Europa und Nordamerika um. In Afrika oder Lateinamerika stehen ganz andere Probleme an. Innerhalb des reichen Westens verläuft der Streit entlang der altbekannten Grenzen von "konservativ" und "liberal". Die Debatte wird inzwischen über Kommentare und Ausführungsbestimmungen geführt.

"Begleiten, Unterscheiden und Integrieren"

Knapp ein halbes Jahr nach "Amoris laetitia" veröffentlichte die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" eine "Orientierungshilfe" argentinischer Bischöfe für ihre Geistlichen. In einem Brief lobte der Argentinier Franziskus diese Handreichung; sie habe den Geist von "Amoris laetitia" vollauf erfasst. Es gehe um "Begleiten, Unterscheiden und Integrieren" in schwierigen Lebenssituationen. "Es gibt keine anderen Interpretationen", so der Papst.

Inhaltlich schlagen die Argentinier einen Mittelweg zwischen Rigorismus und Laissez-faire ein. In den Worten der Bischöfe: "Es muss die generelle Möglichkeit eines Zugangs zu den Sakramenten ausgeschlossen bleiben - es sei denn, eine Situation rechtfertigt das."

Kirche in Malta

Schlagzeilen machte vor kurzem die Kirche in Malta, indem sie die Möglichkeiten dieses Zugangs noch ein wenig weiter fasste als die Argentinier. Das ließ aufhorchen, weil Malta als eines der letzten fast geschlossenen katholischen Milieus gilt - und weil der neue Verantwortliche, Erzbischof Charles Scicluna, ein Kirchenrechtler ist, der aus dem Innersten des Vatikan kommt. Er promovierte übrigens beim heutigen Wortführer der konservativen Opposition, Kardinal Raymond Leo Burke - über das Ehesakrament.

Besondere Bedeutung kommt dem Bistum Rom zu, an dessen Spitze der Papst selbst steht. Dort können Katholiken, die nach einer Scheidung erneut standesamtlich geheiratet haben, in bestimmten Einzelfällen die Kommunion empfangen. Zunächst ist jedoch zu prüfen, ob die kirchliche Ehe für nichtig erklärt werden kann. Ist dies ausgeschlossen, soll sich der Seelsorger vergewissern, dass bei den Betroffenen ein Prozess der Buße eingesetzt hat. Auch ist stets die individuelle Situation zu berücksichtigen - etwa ob Kinder durch eine Trennung der zweiten Verbindung in Mitleidenschaft gezogen würden.

Kommunionempfang in "diskreter Weise"

Am Ende eines solchen Prozesses kann nach einer Gewissensentscheidung, die mit dem Seelsorger besprochen werden soll, in Einzelfällen der Kommunionempfang stehen. Dieser soll in "diskreter Weise" erfolgen. Kardinalvikar Agostino Vallini, der das Bistum für den Papst verwaltet, erklärte dazu, dass wiederverheiratete Geschiedene keineswegs ein Recht auf den Kommunionempfang hätten.

Im Erzbistum Bologna hingegen bleibt wiederverheirateten Geschiedenen der Kommunionempfang weiter offiziell verwehrt. Dessen 2015 emeritierter Kardinal Carlo Caffarra, einer der Mitstreiter Burkes, hatte schon in seiner Amtszeit stets vor einer Aufweichung der strengen, einheitlichen Praxis gewarnt. Individuell zu findende Einzelwege überforderten zudem den einzelnen Geistlichen, so Caffarra.

Glasharte Positionen

Kann also nun jeder Diözesanbischof in dieser Frage tun, was er will? Der deutsche Kurienkardinal und oberste Glaubenshüter Gerhard Ludwig Müller vollführte zuletzt einen interessanten Doppelschachzug. Er dekretierte, dass die von manchen kritisierten Unschärfen in "Amoris laetitia" keine "Gefahr für den Glauben" darstellten. Daneben steht unkommentiert seine Ansprache vor der Weltfamiliensynode im Vatikan 2014/15. Und die ist in der Frage der Ehepastoral ähnlich glashart wie die Position von Burke und Caffarra.

In den USA gehen einige Bischöfe voraus - in die eine oder die andere Richtung. So nahm sich San Diegos neuer Bischof Robert McElroy den synodalen Prozess, der zu "Amoris laetitia" führte, zum Vorbild und berief eine Bistumssynode zum Thema ein. Die votierte für eine konkrete Umsetzung des vom Papst angeregten "Wegs zur Teilnahme an den Sakramenten". Im Erzbistum Philadelphia dagegen empfiehlt Erzbischof Charles Chaput wiederverheirateten Geschiedenen sexuelle Enthaltsamkeit. Sie sollten wie "Bruder und Schwester" leben, um im Sakrament der Buße Versöhnung zu empfangen.

"Einige kapieren es immer noch nicht."

Dem schloss sich zuletzt der junge Bischof des Personalordinariates Kathedra Petri für zum Katholizismus übergetretene Anglikaner, Steven Joseph Lopes, an. Der 41-Jährige untersagte wiederverheirateten Geschiedenen, die nicht sexuell enthaltsam leben, den Kommunionempfang.

Papst Franziskus selbst sagte jüngst in einem Interview: "Einige kapieren es immer noch nicht." Das ist eine ziemlich eingängige Aussage. Viel eingängiger jedenfalls als die komplexe Gewissensentscheidung, vor der die Seelsorger nun in ihrem pastoralen Alltag stehen.

Alexander Brüggemann und Thomas Jansen
(KNA)

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