Caritas-Präsident Peter Neher
Caritas-Präsident Peter Neher
Vereinbarkeit von Familie und Pflege
Vereinbarkeit von älteren und jüngeren Generationen

14.04.2016

Caritas will sich angesichts des demografischen Wandels für Kinder einsetzen Die Rechte der Kinder

Die Caritas macht sich Gedanken über den demografischen Wandel. In den Einrichtungen der Caritas muss künftig vor allem auch auf die sich verändernden Lebenssituationen von Kindern eingegangen werden, sagt Präsident Neher im Gespräch mit domradio.de.

domradio.de: Zum Auftakt Ihres Kongresses zum demografischen Wandel hat Kardinal Woelki am Mittwochabend deutliche Worte zur Asylfrage gesagt, unter anderem hat er ein uneingeschränktes Recht auf Asyl gefordert. Wie haben Sie denn seine Predigt erlebt?

Prälat Dr. Peter Neher (Präsident Deutscher Caritasverband): Es war eine sehr engagierte Predigt. Und ich denke, ihm war anzumerken - und das weiß ich auch vom Kardinal -, dass ihm diese ganze Frage der Migration und der Asylsuchenden sehr auf dem Herzen liegt. Weil sich daran in seinen Augen - und das teile ich voll und ganz - die Frage der Humanität einer Gesellschaft zeigt und letztlich ist es auch eine Kernfrage des Christentums, wie wir Menschen in Not beistehen.

domradio.de: Der Kardinal hat seine Forderungen auch mit dem Thema des Caritas-Kongresses verbunden: Dem demografischen Wandel. In welcher Beziehung stehen denn demografischer Wandel und Asylrecht?

Neher: Ich denke, die verbindende Klammer, die der Kardinal genannt hat, ist das Stichwort Solidarität. Denn beim demografischen Wandel müssen wir sehr aufpassen, dass wir nicht die jüngeren Generationen gegen die älteren ausspielen und umgekehrt gilt: dass wir nicht einheimische Menschen in schwieriger Lebenslage ausspielen gegen jene, die in Not zu uns kommen. Ich denke, es geht darum, miteinander an einer gerechten und zukunftsfähigen Gesellschaft zu bauen. Nicht zuletzt, dass Menschen, die zu uns kommen, auch ihren Teil beitragen können, wenn sie einen Platz in unserer Gesellschaft haben. Dass wir in Zukunft auch die Auswirkungen des demografischen Wandels durch junge engagierte Menschen ausgleichen können. Gleichzeitig dürfen wir sie dazu nicht verzwecken. Aber den Zusammenhang gibt es natürlich, dass wenn unsere Gesellschaft älter wird, dass ihr dann junge, engagierte Menschen gut tun.

domradio.de: Können Sie als Caritas profitieren von der Arbeitskraft von Syrern und Nordafrikanern?

Neher: Ich denke, es geht nicht um ein Profitieren. Ich glaube, dass diese Menschen auch bei uns eine Zukunft brauchen und Arbeitsplätze nötig haben. Wir werden sehr genau prüfen müssen, wer von seiner Grundhaltung und seinen Qualifikationen her in die unterschiedlichen Einrichtungen und Dienste der Caritas passt - um im Profil einer katholischen Organisation seinen Beitrag zu leisten. Es geht ja auch nicht nur darum, dass solche Menschen hier nur bei der Caritas ihre Zukunft finden, sondern darum, wie sie in unserer Gesellschaft ihren Platz haben. Und da gibt es sicher Berufe, die den Fähigkeiten entsprechend sind. Wie weit das im Sozialbereich ist, das muss man im Einzelnen prüfen. Der Einzelne kann sicherlich einen Platz in der Pflege und in der unterschiedlichen sozialen Arbeit haben. Das ist aber natürlich bei jedem Einzelnen zu prüfen, wie bei jeder Einstellung von Mitarbeitern, die aus Deutschland kommen.

domradio.de: Sie haben einen deutschlandweite Studie in Auftrag gegeben. Darin werden die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Kinder- und Jugendhilfe, auf die Altenhilfe, auf die Migration untersucht. Der Caritas geht es konkret darum, wie sie in ihren sozialen Diensten reagieren muss. Wie kann die Caritas denn reagieren?

Neher: Wenn man sich Konzepte angesichts der demografischen Veränderung überlegen will, muss man erstmal wissen, was los ist. Gerade im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe gibt es unterschiedliche Entwicklungen: zum Beispiel verändern sich parallel zur niedrigen Geburtenrate auch die Formen des familiären Zusammenlebens. Außerdem nimmt der Anteil der Kinder zu, die in Patchwork-Familien oder mit nur einem Elternteil aufwachsen. Von daher ist die Bedeutung der außerfamiliären Betreuung umso größer. Da sind natürlich Einrichtungen der Caritas gefordert. Im Bereich der Kindertagesstätten, der Betreuung von Kindern unter drei Jahren, geht es nicht nur darum, Plätze zur Verfügung zu stellen, sondern auch die Qualität einzufordern. Das ist ein wichtiger Hintergrund, weil wir angesichts der demografischen Entwicklung durchaus in der Gefahr sind, neue Randgruppen hervorzubringen. Und Kinder und Jugendliche gehören dazu, weil sie immer weniger werden. Da hat die Caritas einen Auftrag in einer älter werdenden Gesellschaft genau diese Rechte der Kinder und Jugendlichen einzufordern.

Das Gespräch führte Tobias Fricke.

(dr)

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