Prof. Eberhard Schockenhoff
Prof. Eberhard Schockenhoff

Eberhard Schockenhoff ist ein deutscher Priester und Professor für Moraltheologie in Freiburg im Breisgau und seit 2001 außerdem Mitglied des Deutschen Ethikrates.

27.05.2015

Theologe Schockenhoff zur Gleichstellungsdebatte "Unterschiede nicht einfach nivellieren"

Die deutsche Politik ringt um das Verhältnis von Ehe und gleichgeschlechtlicher Partnerschaft. Moraltheologe Eberhard Schockenhoff erläutert, warum sich die katholische Kirche gegen eine völlige Gleichstellung ausspricht.

KNA: Herr Professor Schockenhoff, warum lehnt die katholische Kirche eine vollständige Gleichstellung von Ehe und gleichgeschlechtlicher Partnerschaft ab?

Schockenhoff: Das hängt mit ihrem Eheverständnis zusammen. Ehe ist nicht nur das verlässliche Zusammenleben zweier Menschen, sondern Ehe ist aus kirchlicher Sicht auch die Basis für eine Familiengründung.

Die Gemeinschaft von Frau und Mann ist die einzige Verbindung, aus der Kinder hervorgehen können. Und dieser für die Gesellschaft bedeutsame Sachverhalt führt zu der Überzeugung, dass man das Eigenprofil der Ehe nicht schwächen sollte, indem man die gleichgeschlechtliche Partnerschaft der Ehe in allen Aspekten gleichstellt.

KNA: Wäre eine Gleichstellung aber nicht die logische Folge von Gleichberechtigung?

Schockenhoff: Nein, denn Gleichberechtigung meint ja gerade, dass man in dem gleich behandelt wird, worin man tatsächlich gleich ist. Mit Blick auf die rechtliche und öffentliche Anerkennung als verlässliche Lebensgemeinschaft sind Ehe und gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften heute faktisch gleichgestellt. Dass die Ehe etwas symbolisch Eigenes bleibt, hat den Sinn, die unverzichtbare Bedeutung der Ehe für die Gesellschaft deutlich zu machen. Und hier geht es übrigens nicht allein um das katholische Eheverständnis, sondern um ein Bild von Ehe, das in weiten Teilen der Gesellschaft gilt: Viele Ehen werden heute erst im Blick auf eine geplante Familiengründung geschlossen. Die Menschen leben viele Jahre ohne Trauschein zusammen, erst wenn sie sich entschließen, ein Kind zu bekommen, gehen sie eine Ehe ein.

KNA: Dennoch werden nach dem Irland-Referendum die Forderungen nach einer deutschen Homo-Ehe wieder lauter.

Schockenhoff: Die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft, in der sich zwei Menschen gleichen Geschlechts für ihr Leben binden, ist in sich sinnvoll. Ich sehe aber keinen Gewinn darin, wenn man die bestehenden Unterschiede zur Ehe einfach nivellieren würde. Dies könnte vielleicht eine gewisse symbolische Genugtuung bieten, bedeutete aber keinen wirklichen Fortschritt.

KNA: Das Bundesverfassungsgericht dürfte früher oder später über das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare entscheiden. Wieso lehnt dies die katholische Kirche ab?

Schockenhoff: Wenn man die beiden Geschlechter bloß als eine Laune der Natur oder des biologischen Zufalls sieht, könnte man sagen, es ist unerheblich, mit wem ein Kind aufwächst. Ich glaube aber, dass die gegenseitige Ergänzung von Frau und Mann, auch die Spannung zwischen den Geschlechtern, zum Reichtum des Menschen gehören. Und diesen Unterschied zwischen Frau und Mann sollte das Kind in seinem primären Sozialisationsraum, in der Familie, auch erleben können.

Das Interview führte Volker Hasenauer.

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