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27.05.2015

Kirche gegen Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe "Niederlage für die Menschheit"

Der Vatikan, die Deutsche Bischofskonferenz und das ZdK weisen Forderungen nach einer Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zurück. Der Vatikan spricht angesichts der Entwicklung in Irland von einer "Niederlage für die Menschheit".

Der Vatikan hat das irische Ja zur Ehe für homosexuelle Paare als "Niederlage für die Menschheit" bezeichnet. "Ich bin sehr traurig über dieses Ergebnis, die Kirche muss diese Realität berücksichtigen, aber in dem Sinne, ihre Verpflichtung zur Evangelisierung zu stärken", sagte Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin am Dienstag bei einer Veranstaltung in Rom. "Ich glaube, man kann nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien sondern von einer Niederlage für die Menschheit sprechen", zitierte ihn Radio Vatikan weiter.

Das katholische Irland hatte in einem Referendum am Wochenende für die Ehe für homosexuelle Paare gestimmt. Man müsse alles dafür tun, die Familie zu verteidigen, weil sie die Zukunft der Menschheit und der Kirche bleibe, sagte der Kardinal-Staatssekretär - der so etwas wie die rechte Hand des Papstes ist - weiter.

Der Umgang mit Homosexuellen in der katholischen Kirche wird derzeit im Vatikan heiß diskutiert. Am Montag und Dienstag kam der Rat der Bischofssynode zusammen, um die anstehende Familiensynode im Oktober im Vatikan vorzubereiten. Bei dieser Versammlung aller Bischöfe der Welt sollen Themen wie wiederverheiratete Geschiedene oder eben auch der Umgang mit Homosexuellen diskutiert werden.

Kardinal Kasper: Synode muss über homosexuelle Paare sprechen

Nach den Worten von Kardinal Walter Kasper müsse der Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren ein Thema bei der kommenden Weltbischofssynode über die Familie sein. Während der ersten Familiensynode im Oktober 2014, "blieb das ein Randthema, aber jetzt wird es zentral", sagte Kasper der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" am Mittwoch. Über dieses Thema habe die Kirche zu lange geschwiegen, so der deutsche emeritierte Kurienkardinal. Er betonte aber, die christliche Identität der Ehe sei mit einer Gleichstellung homosexueller Partnerschaften unvereinbar. Die Synode berät im Oktober im Vatikan drei Wochen lang über Ehe und Familie.

Mit Blick auf das irische Votum für die gleichgeschlechtliche Ehe sagte er, demokratische Staaten hätten die Pflicht, den Willen der Bevölkerung umzusetzen. Die Abstimmung mache es der Kirche allerdings schwerer, ihre Position zu vermitteln. Es sei offensichtlich, dass die Mehrheit der Menschen in den westlichen Ländern die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe befürworte.

Ihre grundsätzliche Ablehnung gleichgeschlechtlicher Ehen könne die Kirche jedoch nicht ändern, weil sie dem Evangelium zuwiderliefen. Die Ehe zwischen Mann und Frau bleibe einzige Quelle für neues Leben und Zukunft. "Wir müssen eher eine neue Sprache finden", so Kasper. "Wir müssen die Diskriminierung überwinden, die in unserer Kultur eine lange Tradition hat."

Stabile gleichgeschlechtliche Beziehungen von Dauer, die "Elemente des Guten" enthielten, seien zu würdigen, ihre Gleichstellung mit der Ehe jedoch nicht. Die moralischen Auswirkungen eines solchen Schritts bezeichnete Kasper als "enorm". Für die Gesellschaft ergäben sich daraus schwere Konsequenzen. Kasper betonte besonders die Problematik von Adoption, Kindeswohl und Leihmutterschaft.

Bischöfe: Sorge und Verantwortung für Kinder als Alleinstellungsmerkmal der Ehe

Der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, sagte am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Bonn, die Forderung nach einer Gleichstellung von Ehe und Lebenspartnerschaften gehe zu weit. Das Rechtsinstitut der Ehe umfasse nicht nur die Partnerschaft zwischen Frau und Mann allein, sondern auch das Elternpaar, das Sorge und Verantwortung für Kinder trägt. "Daher gehört es auch zur Grundstruktur des verfassungsrechtlichen Eheverständnisses, dass die Ehe von einer Frau und einem Mann eingegangen wird. Denn Ehe und Familie sind wesenhaft miteinander verknüpft." Der Verzicht auf das Merkmal der "Verschiedengeschlechtlichkeit der Ehepartner" könne dazu beitragen, das "bisherige Eheverständnis um eine wesentliche Dimension zu verkürzen".

Auch ZdK-Präsident Alois Glück wandte sich gegen eine Gleichstellung von Ehe und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Zwar würden auch in Lebenspartnerschaften Werte wie in einer Ehe gelebt, erklärte er in Bonn. Es gebe aber "mindestens den einen fundamentalen Unterschied": Die Ehe zwischen Mann und Frau habe "im Hinblick auf Kinder als die Zukunft unserer Gesellschaft unbestreitbar eine besondere Bedeutung". Dies festzustellen, sei keine Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften. Schon heute sei die Gesetzeslage mit Blick auf die unterschiedlichen Lebensformen und Verantwortlichkeiten angemessen.

Bischof Neymeyr: "Was nicht gleich ist, kann nicht als Gleiches behandelt werden"

Auch der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr hat sich gegen eine Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften ausgesprochen. "Auch nach dem eindeutigen Abstimmungsergebnis in Irland möchte ich an einem Eheverständnis festhalten, das Ehe als lebenslangen Bund einer Frau und eines Mannes sieht", sagte Neymeyr der in Erfurt erscheinenden "Thüringer Allgemeinen" (Mittwoch).

Neymeyr betonte: "Gewiss gehen auch in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften Menschen in Liebe und Treue miteinander durchs Leben, und das ist etwas Gutes und Wertvolles. Dennoch unterscheiden sie sich von Eheleuten, weil es ihnen von sich aus nicht möglich ist, Familie zu werden." Aufgrund dessen sehe er die Entscheidung in Irland kritisch. "Was nicht gleich ist, kann nicht als Gleiches behandelt werden", so Neymeyr.

Die Evangelischen Kirche im Rheinland verwies darauf, dass eine Reform der Regelung in Deutschland eine Frage sei, "die der Gesetzgeber beantworten muss". In den vergangenen Jahrzehnten hätten sich in Deutschland die Rahmenbedingungen für gleichgeschlechtliche Paare bereits deutlich verändert, sagte Pressesprecher Jens Peter Iven dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das gelte nicht nur im staatlichen Recht: "Auch der Umgang der Kirchen mit Homosexualität und die Möglichkeiten seelsorglicher und gottesdienstlicher Begleitung von schwulen oder lesbischen Paaren haben sich gewandelt." Dabei spiele die Beurteilung biblischer Aussagen zu Homosexualität eine entscheidende Rolle.

(KNA, epd)

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