Pietro Kardinal Parolin reist in die Ukraine
Pietro Kardinal Parolin

27.05.2015

Der zweite Mann im Vatikan und das irische Ja zur "Homo-Ehe" Wirbel um einen Halbsatz aus Rom

Mit ganzen vier Worten hat Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in der europaweiten Debatte um die Ehe eine Welle der Kritik an der Position der katholischen Kirche ausgelöst.

Der Anlass war ein ganz anderer, die Wirkung umso heftiger: Am Rand einer Veranstaltung, in der es eigentlich um die Kritik am globalen Kapitalismus ging, kommentierte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin am Dienstagabend vor Journalisten das irische Ja zur "Homo-Ehe". Er tat sich hörbar schwer mit der Einordnung und sagte: "Mich hat dieses Ergebnis sehr traurig gemacht. Natürlich muss ... sich die Kirche mit diesen Gegebenheiten auseinandersetzen ... Sie muss ihre Bemühungen verstärken, die Botschaft des Evangeliums in der heutigen Kultur zu verkünden. Ich glaube, es ist nicht nur - man kann es eine Niederlage nennen - eine Niederlage der christlichen Grundsätze, sondern eine Niederlage der Menschheit."

Der in niedergeschlagenem Ton vorgetragene Versuch einer Einordnung des irischen Votums hat in vielen Ländern ein lebhaftes, fast durchgängig kritisches Echo ausgelöst. Besonderen Stellenwert hat der Vorgang deshalb, weil nicht irgendein Bischof gesprochen hat, sondern der Kardinalstaatssekretär. Er ist in der Hierarchie des Heiligen Stuhls gewissermaßen der Regierungschef des Papstes; in politischen und diplomatischen Fragen ist er die unbestrittene Nummer zwei nach dem Papst.

Seine Äußerung bewegte sich denn auch weniger auf der Ebene der Moraltheologie. Dazu hätte sich von Amts wegen eher der Präfekt der Römischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, äußern können. Bei Parolin geht es vielmehr um die Ebene der Gesetzgebung und der internationalen Beziehungen. Die vom Kardinalstaatssekretär geführten Vatikanbotschafter, die sogenannten Nuntien, sorgen dafür, dass die katholische Kirche in fast jedem Land der Erde ihre Position in Grundsatzfragen deutlich macht, die über den persönlichen Glauben hinausgehen und das gesellschaftliche Zusammenleben und die Gesetzgebung betreffen.

Wann immer der Heilige Stuhl in dieser Weise Kriege, wirtschaftliche Ausbeutung oder Menschenrechtsverletzungen geißelt, sind seine quasi politischen Interventionen in der Öffentlichkeit willkommen. Aber wenn die Kirche ihre Stimme gegen gesellschaftspolitische Liberalisierungen wie Scheidung, straffreie Abtreibung oder jetzt die Einführung der "Homo-Ehe" erhebt, werden solche Wortmeldungen aus dem Vatikan oft als Einmischung in staatliche Angelegenheiten zurückgewiesen und kritisiert. In Italien war dies in aller Härte in den 1980er Jahren der Fall, als per Volksabstimmung - gegen den erklärten Willen des Papstes und gegen die Abstimmungsempfehlung der Kirche - Scheidung und Abtreibung legalisiert wurden.

In Irland hatten sich die von sexuellen Missbrauchsskandalen im Klerus arg gebeutelten katholischen Bischöfe im Wahlkampf vor dem Referendum zur "Homo-Ehe" auffallend zurückgehalten. Sie wussten selbst, dass ihr moralischer Kredit derzeit weitgehend aufgebraucht war. Auch im Nachhinein schimpften sie nicht lautstark, und Erzbischof Diarmuid Martin (Dublin) rief die Kirche auf, sich mit den neuen Realitäten auseinanderzusetzen.

In Deutschland distanzierte sich am Mittwoch der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, von Parolins Formulierung. Im Kölner domradio nannte er die Worte des Kardinalstaatssekretärs "völlig unangemessen". Auf diese Weise erwecke die Kirche den Eindruck, dass sie nicht in der Lage sei, sich mit den Lebensrealitäten der Menschen ernsthaft auseinanderzusetzen, und sich darauf beschränke, "in einer sehr brachialen Art und Weise auf Distanz und Abwehr zu gehen".

(KNA)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Messenger-Gemeinde

Tageskalender

Radioprogramm

 19.09.2020
06:30 - 11:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Düsseldorfs neuer Stadtdechant – Amtseinführung von Pfarrer Frank Heidkamp
  • Das Jüdische Neujahrsfest in Corona-Zeiten – Interview mit Abraham Lehrer
10:15 - 10:20 Uhr

Alle Wetter!

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Spürbar anders – Der ökumenische FC-Gottesdienst zum Start der Bundesliga
  • Klimastreik – Fridays for Future zur weltweiten Aktion am kommenden Freitag
11:11 - 11:15 Uhr

Wort zum Samstag

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • Spürbar anders – Der ökumenische FC-Gottesdienst zum Start der Bundesliga
  • Klimastreik – Fridays for Future zur weltweiten Aktion am kommenden Freitag
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

Lichterfeier aus Taize

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Das Heilige Jahr in Santiago de Compostela

Pilgerreise auf dem Jakobsweg mit „ne Bergische Jung“ Willibert Pauels! Jetzt anmelden für Juli 2021!

Sommeraktion: Meine Heimatkirche

Die Sommeraktion von DOMRADIO.DE: Wir suchen Ihre Heimatkirche. Laden Sie ein Bild hoch und erzählen Sie uns Ihre Geschichte!

Himmelklar Podcast

durchatmen – Der Seelsorge Podcast

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…