23.02.2013

Verbände: Familienpflegerinnen werden gebraucht, aber das Geld fehlt Hilfe im Schatten

Für viele Familien in akuter Not sind sie der Rettungsanker: Familienpflegerinnen, die aushelfen, wenn die Mutter oder der Vater ausfallen. Der Bedarf wächst, doch die Angebote bröckeln - es fehlt an angemessener Vergütung für die Fachkräfte.

"Die Familienpflege führt seit Jahren ein Schattendasein», klagt Bernhard Verholen, Geschäftsführer des Caritasverbandes Aachen. Die Kostenerstattung, die die Krankenkassen für die Haushaltshilfen - die bekannteste Form der Familienpflege - bieten, «reicht längst nicht mehr, um ohne eigene Gelder auszukommen". Aus Kirchensteuern des Bistums und Spenden schießt die Aachener Caritas jährlich zwischen 20.000 und 30.000 Euro zu. Familienpflege als teures Geschäft: Ein halbes Dutzend Fachkräfte betreuen zwischen 20 und 25 Klienten pro Jahr.

Verholen zufolge scheiterte soeben ein neuer Versuch, landesweit zu höheren Stundensätzen zu kommen: "Wir erleben dort sehr hartgesottene Verhandlungsführer." Zwar habe es inzwischen zwei Einzelvereinbarungen mit Krankenkassen gegeben. Doch die erhöhten Sätze seien "längst noch nicht kostendeckend".

Die Situation in der Familienpflege sei "unterirdisch", urteilt Ulrike Wössner, Referentin für Familienpflege und familienunterstützende Dienste beim Deutschen Caritasverband. Die Dienste "können sich über die zu niedrigen Leistungsentgelte nicht finanzieren." Ohne Zuschüsse oder Spenden hätten viele Träger ihr Angebot längst einstellen müssen. Und das, obwohl der Bedarf steige, berichtet Wössner. Die Debatte über besseren Kinderschutz habe den Blick auf Familien in prekären Lebenslagen geweitet.

"Die Lage hat sich deutlich zugespitzt"

Familienpflegerinnen nehmen sich einer Klientel an, die Soziologen als "erschöpfte Familien" bezeichnen. Besonders oft betroffen sind Alleinerziehende. Erschöpfte Familien finden nicht mehr die Kraft, ihr Leben zu bewältigen und die Kinder zu versorgen. Ohne professionelle Hilfe versinken sie im Chaos. "Haushaltshilfen" werden von den Krankenkassen immer dann bezahlt, wenn die den Haushalt führende Person ausfällt und kleine Kinder zu versorgen sind. Auch rund um Kur, Schwangerschaft und Geburt gibt es diese Unterstützung.

Doch verweigerten die Kassen nahezu überall kostendeckende Vergütungssätze, kritisiert die Diakonie. "Die Lage hat sich deutlich zugespitzt", sagt Doris Weigand, Fachbereichsleiterin der Familienpflege im Diakonischen Werk Bayern. Seit Jahren sei die Familienpflege auf eine Finanzspritze des Verbandes angewiesen. Weigand: "Das Verhalten der Krankenkassen ist ein großes Ärgernis." Sie zahlten in Bayern rund 21 Euro für eine «Fachleistungsstunde». Die Kosten des Arbeitsgebers für geschultes Familienpflegepersonal beliefen sich aber auf rund 35 Euro.

Wege aus der Not

"Immer, wenn uns in Notsituationen jemand ruft, müssen wir noch Geld mitbringen", klagt auch Erik Lanzrath, der beim Diözesancaritasverband im Bistum Münster für die Verhandlungen mit den Kassen zuständig ist. Das funktioniere nur, weil das Bistum die Finanzierungslücke seiner elf Familienpflegedienste mit jährlich rund 900.000 Euro schließt. Andere Bistümer können oder wollen das nicht. Lanzrath zufolge erstatten die Kassen derzeit 18.54 Euro pro Stunde. Damit seien nur zwei Drittel der Personalkosten gedeckt. Die Sozialträger hätten deshalb schon Ende 2010 die landesweiten Vergütungsverträge gekündigt, um dann höhere Sätze aushandeln zu können - bislang ohne Erfolg.

Die Caritas Aachen versucht, ihre Finanzierungslücke in der Familienpflege durch interne Steuerung nicht noch größer werden zu lassen. Das klappt mit Hilfe von "HOT", dem "Haushalts-Organisations-Training". Der Service, wurde vom Deutschen Caritasverband im Jahr 2000 entwickelt. Heute bieten 70 Standorte diese Hilfen für überlastete Eltern an, bei denen Fachkräfte über Wochen oder Monate mithelfen, den Alltag zu bewältigen.

Caritaschef Verholen: "Wir versuchen, nicht mehr als 30 Prozent unserer Familienpflege-Leistungen über die Krankenkassen abrechnen zu müssen." Das leuchtet ein: Für Fachkräfte, die über das HOT im Einsatz sind, zahlt das Jugendamt 46 Euro pro Stunde.

Dirk Baas
(epd)

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