05.02.2013

Familienbischof Tebartz-van Elst zur Familienstudie "Ohne Familie ist kein Staat zu machen"

Familienbischof Franz-Peter Tebartz-van Elst will nicht uneingeschränkt der Kritik an den Ergebnissen der neuen Familienstudie der Bundesregierung zustimmen. Im domradio.de-Interview lobt er einige Maßnahmen, fordert aber auch Nachbesserungen.

domradio.de: 200 Milliarden pro Jahr - warum reicht der so große Etat des Familienministeriums offenbar nicht aus, um eine wirksame Familienpolitik zu betreiben?

Tebartz-van Elst: Diese Zahl ist ja auch umstritten. Aber grundsätzlich muss man sehen: Was hilft den Familien wirklich. Aus der Erfahrung wissen wir inzwischen, dass es ein Mix aus Transfer- und Infrastrukturleistungen sowie Zeitpolitik ist. Wenn wir die vergangenen Jahre einmal Revue passieren lassen, kann man sagen, dass im Bereich der Politik Vieles zugunsten der Politik auf den Weg gebracht worden ist. Es kann noch sehr viel mehr geschehen. Wenn ich nur daran denke, was etwa im Bereich der Betreuungshilfen von Kindern unter drei Jahren entstanden ist, das sehe ich ja an den Einrichtungen, die wir selber als Kirche tragen: Wie viel Entwicklung hier stattgefunden hat! Familien wurde viel mehr Wahlfreiheit ermöglicht. Es wurde auch viel erreicht. Aber es muss eben noch mehr hinzukommen.

domradio.de: Experten kritisieren besonders das Kindergeld, das besonders ärmere Familien nicht erreiche. Wie bewerten Sie das?

Tebartz-van Elst: Man kann sogar auf Grundlage einer Studie, die 2008 angefertigt wurde, sagen, dass gerade unter dem Aspekt der Armutsprävention das Kindergeld und auch die Familienkomponente in der Kindergrundsicherung doch einen erheblichen Effekt hatten und haben. Dass das nicht ausreicht, dass noch mehr geschehen muss, wissen wir. Aber es sind ja auch die verschiedenen Leistungen und Maßnahmen, die Familien in den verschiedenen Lebenssituationen und -lagen auch differenziert unterstützen können, die noch stärker in den Blick genommen werden müssen, für die im Einzelnen noch mehr geschehen muss. Unsere Gesellschaft kann nicht ohne Familie - und das müssen wir uns auch etwas kosten lassen.

domradio.de: Kritik übten die Experten auch am Betreuungsgeld. Reicht das aus?

Tebartz-van Elst: Es ist ein Anfang, ausreichen wird es sicher nicht, dafür greift es noch zu kurz. Aber ich bin froh, dass es dazu gekommen ist. Nur es muss weiter geschaut werden: Was kann auch langfristig in diesem Sinne Erziehungsleistungen, die Familien erbringen, auch entsprechend honorieren? In diesem Zusammenhang steht noch immer eine Frage aus, auch an ein Handlungsbedarf: nämlich die Anrechenbarkeit der Erziehungsleistung auch vor 1992. Das wäre im Sinne einer größeren Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft ein wichtiges Zeichen und ein wichtiger Schritt.

domradio.de: Wie muss aus Sicht der Kirche eine gute Familienpolitik aussehen?

Tebartz-van Elst: Sie beginnt damit, dass Maßnahmen ergriffen werden, die die Bedeutung von Ehe und Familie als unverzichtbar und unverwechselbar für unsere Gesellschaft herausstellen. Das fängt schon damit an, dass wir auch sehen, dass Familien nicht alleine unter dem Diktat eines ökonomischen Marktes gesehen werden. Dass es verträgliche Arbeitszeiten für Familien gibt, ist selbstverständlich. Aber Familie ist noch mal viel mehr als eine Einheit, die in der Ökonomie funktionieren muss. Sie muss leben können. Und sie ist ein wichtiges Kontrastmodell zu einem Ablauf in der Gesellschaft, der sich ausschließlich ökonomisch versteht. Es braucht hier mehr Bewusstsein, mehr Lobbyarbeit auch für Familien: dass gerade die personale Entfaltung von Familienmitgliedern - das Aufwachsen von Kindern - Zeit, Geld und Unterstützung braucht. In diesem Sinne kann ich das Wort, das der Familienbund in diesem Zusammenhang schon gesagt hat, nur unterstreichen: Ohne Familie ist kein Staat zu machen.

Das Gespräch führte Tobias Fricke.

(dr)

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