Das Rheinenergie-Stadion in Köln
Das Rheinenergie-Stadion in Köln

09.08.2021

Pfarrer Meurer befürwortet Stadionbesuche nur für Geimpfte "Moralisch überhaupt kein Problem"

Ab Ende August sollen nur noch Geimpte und Genesene die Heimspiele des 1. FC Köln im Rheinenergiestadion sehen dürfen. Das ist keine Impfpflicht durch die Hintertür, findet Pfarrer Franz Meurer und kann sich ähnliches auch für die Kirche vorstellen.

DOMRADIO.DE: Das ist ein klares Statement vom FC. Wie stehen Sie zu dieser Entscheidung, nur noch Geimpfte und Genesene ins Stadion zu lassen?

Pfarrer Franz Meurer (Pfarrer in Köln-Höhenberg und -Vingst): Das ist absolut richtig. Wir haben in Ostheim wieder eine Inzidenz von 217. Es geht also kräftig nach oben. Schauen wir das Ganze mal mit Papst Benedikt an. Der hat gesagt: Zuerst kommt die Vernunft, dann die Freiheit, dann vielleicht der Glaube als Geschenk. Also müsse man die Vernunft an die erste Stelle setzen. Wir müssen aber auch die Freiheit der Menschen akzeptieren. Das heißt, wir können keinen zum Impfen zwingen. Aber wir können die Bedingungen der Vernunft setzen. So einfach ist das.

Wir haben ja hier zum Beispiel ein Wohnheim, eines der acht Wohnheime der katholischen Kirche in Köln. Dort sind 40 Prozent der Jugendlichen noch nicht geimpft. Ich habe eben noch mit dem Chef gesprochen, der sagt mir: Wir gehen heute mit den Jugendlichen, die wir bewegt kriegen, zu Viktoria Köln. Die spielen nämlich heute Abend gegen Hoffenheim. Und da ist ab 16.30 Uhr Impfung mit BioNTech. Mal sehen, wie viele von den 40 mitgehen. Das heißt, man kann die Vernunft nur langsam rauskitzeln und das machen wir hier.

DOMRADIO.DE: Es gibt bei dieser Entscheidung des FC auch Gegenwind, weil die Entscheidung von einigen Seiten als indirekte Impfpflicht bewertet wird. Wie sehen Sie das?

Meurer: Es ist keine indirekte Pflicht, sondern man setzt die Bedingungen. Wir haben zum Beispiel in unserer Kirche zum Glück 106 Plätze. Und manchmal müssen Leute vor der Kirche draußen bleiben. Die hören dann von draußen zu und die große Tür ist auf, denn ab 106 Personen funktioniert es eben nicht mehr. Das heißt, es ist aus meiner Sicht eine Frage der Disziplin, aber nicht nur der persönlichen Disziplin, sondern auch der Verantwortungsdisziplin.

Wenn wir dafür sorgen wollen, dass die Delta-Variante uns nicht überfällt, müssen wir an vielen kleinen Stellen viele kleine Sachen machen, um die Sache in den Griff zu kriegen. Und von daher sehe ich moralisch überhaupt kein Problem, weil wir ja nicht die Menschen zu etwas zwingen, sondern nur Bedingungen setzen. Das ist was völlig anderes.

DOMRADIO.DE: Eine Ausnahme macht der 1. FC Köln zum Beispiel für Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Die können dann trotzdem mit negativen Tests ins Stadion. Ist so eine Ausnahme angemessen und fair?

Meurer: Fair ist es natürlich immer, kranken und besonders angeschlagenen Menschen eine Chance zu geben. Aber diese Menschen werden wahrscheinlich von sich aus besonders auf die Bestimmungen achten, also auf den Abstand, dass sie nicht mit Menschen in einer Schlange stehen und all die anderen Dinge.

Ich hatte heute Morgen eine Beerdigung und dann haben davor gesagt: Ja, ich bin zweimal geimpft. Dann habe ich gesagt: Ja, aber zweimal geimpft zu sein, nutzt allein nichts. Seit Corona lüfte ich jeden Tag die Büros bei uns hier im Pfarrhaus eine halbe Stunde lang und mache Flächendesinfektion mit zweierlei Tüchern, also zum Beispiel, einem besonderen Tuch für die Telefone und so weiter. Das steht mir hier unter dem allgemeinen Motto: Vielleicht nützt es nichts, aber auf keinen Fall schadet es.

DOMRADIO.DE: Gesundheitsminister Spahn hat gesagt, für Bereiche, die nicht zur Grundversorgung gehören, könne er sich auch einen Zutritt nur für Geimpfte oder Genesene vorstellen. Können Sie sich das auch für die Kirche oder andere Bereiche vorstellen?

Meurer: Das kann ich mir vorstellen. Es ist bei uns so: Ich entscheide hier nicht, sondern hier entscheiden der Pfarrgemeinderat und der Kirchenvorstand. Wir haben zum Glück bei uns, obwohl wir ja der ärmste Teil von Köln sind, vier Ärzte, die mitarbeiten, auch eine junge Ärztin mit 28 und die haben Ahnung und bei uns wird alles demokratisch abgestimmt und dadurch sind die Entscheidungen sehr gut. Ich bin mal gespannt, in welche Richtung sich das hier entwickeln wird.

Ich glaube aber, wir bleiben weiter ziemlich streng. Wir hatten zum Beispiel einige Zeit keine Messe, aber Wegzehrung. Das heißt, man konnte sich die Kommunion holen und danach wurde die Kommunion den Menschen, die es wollten, an die Haustür gebracht, natürlich unter Schutzmaßnahmen. Ist ja klar, mit Abstand. Das heißt, wir reagieren jeweils auf die aktuellen, medizinisch notwendigen Bedingungen.

Das Interview führte Julia Reck.

(DR)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Lieblingsorte im Kölner Dom

Dompropst, Dommusiker, Domlektorin, Domdechant und andere mehr: Sie alle haben uns ihre Lieblingsorte im Kölner Dom verraten.

Schabbat Shalom: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – der Podcast

Jeden Freitag nehmen uns junge Jüd:innen in diesem Podcast mit in die Welt des Judentums. 

Tageskalender

Radioprogramm

 26.09.2021
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Nach der Flut: Interkulturelle Woche in Erftstadt-Ville
  • Braucht Demokratie Spiritualität?
07:20 - 07:20 Uhr

WunderBar

07:50 - 07:55 Uhr

Wort des Bischofs

09:40 - 09:45 Uhr

Kirche2Go

10:00 - 12:00 Uhr

Gottesdienst

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

10:00 - 12:00 Uhr

Gottesdienst

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

12:40 - 12:45 Uhr

WunderBar

16:00 - 18:00 Uhr

Der gute Draht nach oben!

17:50 - 17:55 Uhr

Wort des Bischofs

16:00 - 18:00 Uhr

Der gute Draht nach oben!

18:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Menschen

19:00 - 20:00 Uhr

DOMRADIO Kopfhörer

20:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Musica

Himmelklar Podcast

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Die ganze Bibel im Ohr! Jetzt spenden!