Thomas Frings
Pfarrer Thomas Frings

13.03.2021

Kölner Pfarrer Frings durchleidet britische Corona-Mutation Kein Schlaf, kein Essen, hohes Fieber

Immer mit Maske und Abstand. Wo er sich Corona eingefangen hat, ist Thomas Frings unerklärlich. Nach anfangs leichten Symptomen litt er wochenlang unter schweren Symptonen. Den Wunsch nach Lockerungen kann er trotzdem verstehen.

DOMRADIO.DE: Bei Ihnen klingt gerade ein heftiger Verlauf der britischen Corona-Mutation ab. Wie geht es Ihnen gerade?

Thomas Frings (Kölner Pfarrer): Nach vier Wochen und mehreren negativen Tests geht es langsam bergauf. Oder vielleicht besser: Es geht geradeaus so langsam, bergauf ist noch zu viel gesagt.

DOMRADIO.DE: Was geht denn jetzt schlechter als vor der Krankheit?

Frings: Ich habe immer noch schlechten Schlaf. Ich schlafe ganz schlecht ein. Ich werde ganz früh wach, bin also wenig Zeit wirklich im Schlaf. Gestern war ich das erste Mal wieder einkaufen, um meinen Kühlschrank ein bisschen aufzufüllen. Das war bis zum Supermarkt an der Ecke, 800 Meter geradeaus und wieder zurück. Und ich muss sagen, meine Mutter mit 91 hätte mich wenigstens einmal überrundet. So langsam ging das.

DOMRADIO.DE: Und sie hatten ja auch vorher in den Wochen einen ziemlich schweren Verlauf.

Frings: Es fing erst relativ leicht an. Ich habe die ersten drei Tage noch gedacht: Das geht, das kriegst Du alles gut gepackt. Und dann auf einmal kamen Fieberschübe. Eigentlich jede Nacht mit über 39 Grad Fieber. Ich musste mehrfach die Garnituren wechseln, die nicht nur feucht, sondern wirklich vollkommen durchgeschwitzt waren.

Appetitlosigkeit, ich hatte zehn Tage fast nichts gegessen. Dazu kam dann auch keine Lust zu trinken. Da zwingt man sich zu und trotzdem bin ich dehydriert. Dann kam der Hausarzt, hat mir fünf Tage lang Infusionen gelegt. Waagerecht schlafen ging gar nicht, weil dann die Hustenanfälle kamen und im Sitzen schlafen ging auch nicht.

DOMRADIO.DE: Was war am unangenehmsten in der Zeit?

Frings: Schon das Fieber. Dieses nachts Wachwerden weil man kalt war unter der warmen Bettdecke, weil man einfach so nass war. Und dann hat man kaum die Kraft, die Garnitur zu wechseln. Die Bettwäsche wechseln wäre überhaupt nicht gegangen. Körperlich nicht.

DOMRADIO.DE: Und dann ist das wahrscheinlich auch nochmal schwierig, wenn man alleine wohnt, oder?

Frings: Bis in die vierte Woche rein war ich wirklich alleine. Versorgt werden musste ich nicht, weil ich nichts essen wollte. Als es langsam dann wieder ging, war es einfach körperlich anstrengend. Es war schon anstrengend morgens aufzustehen, bis zur Dusche und dann unter der Dusche stehen und mit einer Schnappatmung sich zu waschen. Dann sich versuchen, das Frühstück zu machen oder abends irgendetwas an Nahrung zu sich zu nehmen. Da war einfach jeder Schritt richtig anstrengend.

DOMRADIO.DE: Konnten Sie denn im Nachhinein nachvollziehen, wo Sie sich die Krankheit eingefangen haben, wo es herkam?

Frings: Nein, ich weiß es wirklich nicht. Ich achte auf die Regeln. Ich habe darauf geachtet. Keine Hand geben, einen Meter zurücktreten, wenn man merkt, man ist ein bisschen zu nahe beieinander. Immer die Maske aufhaben. Nicht mehr Kontakt als mit einem anderen Haushalt. Wenn es geht auch das nicht. Ich weiß es absolut nicht, wo ich es her habe. Es kann in der Straßenbahn passiert sein, im Bus, auch beim Einkaufen. Und das Gesundheitsamt sagte mir auch, dass die englische Variante sich einfach leichter und schneller überträgt.

DOMRADIO.DE: Im Moment sind die Lockerungen in aller Munde. Können Sie verstehen, dass es im Moment Lockerungen gibt, obwohl noch verhältnismäßig wenige Menschen geimpft sind?

Frings: Dass man Lockerungen will, kann ich verstehen, weil ich sie selber auch will. Man merkt, wie doof es ist, wenn es überhaupt keine Kulturveranstaltungen mehr gibt, wenn man gar nicht mehr ins Brauhaus kann, keine Dienstbesprechung im Team mehr führen kann, sondern immer nur per Zoom. Dass das einem nicht mehr gefällt, kann ich verstehen. Aber ich bin auch jeden Morgen erschrocken, wenn ich höre, dass die Inzidenzzahlen eigentlich in den letzten Tagen kontinuierlich steigen.

DOMRADIO.DE: Was würden Sie den Leuten jetzt nach ihrer fast überstandenen Krankheit mit auf den Weg geben für die nächsten Wochen und Monate?

Frings: Aufpassen, aufpassen, aufpassen. Lieber eine Spur zu viel aufpassen und ein bisschen mehr Abstand halten als unbedingt nötig - und wirklich auf die Regeln achten.

Das Gespräch führte Gerald Mayer.

(DR)

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