Symbolbild: Aufräumen
Symbolbild: Aufräumen

27.02.2021

Das große Ausmisten im Lockdown Wohin mit all dem Zeug?

Viele Menschen nutzen die Corona-Pandemie und den Lockdown, um zu Hause klar Schiff zu machen: Schränke ausmisten, Bücher aussortieren, Raum für Neues schaffen. Aber wohin mit all dem überflüssig gewordenen Zeug?

Coronabedingt nutzen viele Menschen die Zeit, um zu Hause auszusortieren. Aber das ist oft gar nicht so einfach: Kleidercontainer quellen mancherorts über, Flohmärkte fallen aus, Second-Hand-Läden haben geschlossen. Und wenn alle am Ausmisten sind, ist auch die Wühlkiste vor der Haustür nicht mehr attraktiv.

Ein Indiz, dass die Nation im Aufräumfieber ist: In Drogeriemärkten sind derzeit schon mal große Müllsäcke ausverkauft; auch manche Sozialkaufhäuser haben ob der Spendenflut bereits einen Annahmestopp für Kleidung und Hausrat verhängt. Das wirkt sich auch auf die Abfallentsorgung aus. Schon im Frühjahrs-Lockdown 2020 gab es ein deutlich "verstärktes Besucheraufkommen" bei Recyclinghöfen, erklärt Elisabeth Mader, Sprecherin im Verband kommunaler Unternehmen Abfallwirtschaft. Im Lockdown habe auch der häusliche Restmüll leicht zugenommen.

Wertstoffhof statt wilde Wiese

Zeitweise sei auch mehr Müll illegal in der Natur entsorgt worden, sagt Mader. Dabei seien giftige Abfälle, Asbest oder auch Kühlschränke mit ihren Kühlmitteln besonders schädlich für Mensch und Umwelt. Ihr Appell: Wertstoffhof statt wilde Wiese. Wer Hilfe beim Entsorgen von altem Kram benötigt, könne sich auch beim kommunalen Entsorger Hilfestellung holen - über dessen Hotline oder Abfallberatung.

Ein gern angesteuertes Ziel für ausrangiertes Outfit sind Altkleidercontainer. In Deutschland werden nach Angaben der Malteser 1,2 Millionen Tonnen Kleidung gespendet; allein die Hilfsorganisation betreibt rund 7.000 Sammelcontainer. Schon vor Corona habe die Menge gespendeter Textilien zugenommen, "in den letzten zwei Jahren um ein Drittel", erklärt Andreas Brumhard, bei den Maltesern zuständig für die Koordination der Altkleidercontainer. Ein Grund seien die Billigangebote der Textilindustrie, es werde schneller gekauft - und schneller wieder entsorgt.

Wohin mit den wertvollen Textilien?

Wie andere Containerbetreiber wünschen sich auch die Malteser eine "wertvolle", also eine gut erhaltene und gepflegte Kleiderspende - keine unverwertbaren, zerrissenen oder verdreckten Textilien oder "Abfall", wie Brumhard betont. Der müsse schließlich kostenpflichtig entsorgt werden. Ohnehin habe sich mancher Container - je nach Standort - zum "Sperrmüll-Magneten" entwickelt. Ziel sei es jedoch, mit den Erlösen aus dem Verkauf der Altkleiderspenden soziale und humanitäre Projekte zu finanzieren. Brumhard appelliert, Kleiderspenden in einen Sack zu packen - so seien sie auch vor Verschmutzungen durch "Fehleinwürfe" geschützt.

Nicht nur gut erhaltene Kleidung nehmen die 55 Oxfam Läden in 34 deutschen Städten an. Auch Schuhe und Accessoires, Bücher, Spiele, CDs, Haushalts- und Dekoartikel seien willkommen, erklärt Regionalleiter Matthias Scholl. Auch hier werden die gespendeten Artikel für den guten Zweck verkauft, die Gewinne gehen an Oxfam.

Eine "zweite Chance" für Ressourcen

Die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation beobachtet infolge von Corona ebenfalls ein erhöhtes Sachspendenaufkommen. Deshalb finde bei Abgabe eine Qualitätsprüfung statt, erklärt Scholl. Als Richtschnur gilt: "Sachspenden, die die Menschen guten Gewissens noch ihrer Schwester oder ihrem Bruder, der besten Freundin oder dem besten Freund schenken würden". Wenn die Geschäfte wieder öffnen dürfen, seien Sachspenden weiter willkommen, aber "in überschaubaren Mengen" und orientiert an der jeweiligen Jahreszeit, bittet Scholl.

Dadurch werde gut erhaltenen Dingen "eine zweite Chance" gegeben, sagt Scholl. "Das schont Ressourcen und vermeidet Müll - insofern ist Second-Hand ein Beitrag zu nachhaltigem Handeln und einer bewussteren Form von Konsum."

Lebenskunstphilosoph Wilhelm Schmid hat indes "keine übermäßigen Erwartungen", dass die Menschen nach Corona auf Dauer ein "neuartiges, bewussteres" Leben führen werden. Ein Blick zurück auf die 1920er Jahre zeige, "dass nach Krisen die Lebensfreude explodiert - und damit auch die Konsumfreude". Schmid rät, sich schon jetzt voller Vorfreude eine Liste mit Dingen zu machen, die man sich dann gönnen möchte. Das hilft nicht nur, den restlichen Lockdown zu überbrücken - vielleicht findet sich später auch der ein oder andere wirklich gute Artikel im Second-Hand-Laden.

Angelika Prauß
(KNA)

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