Symbolbild Impfstoff
Ampullen des Covid-19 Pfizer-Biontech Impfstoffs
 Dr. Peter Liese (MdEP), Archiv
Dr. Peter Liese (MdEP), Archiv

12.01.2021

Arzt und Politiker Liese verteidigt Papst-Haltung zum Impfen "Das ist eine christliche Pflicht"

Spricht etwas gegen das Impfen oder einen der Impfstoffe? Zumindest aus medizinischer oder katholischer Sicht? Nein, sagt der Arzt und EU-Abgeorndete Peter Liese. Denn die Wissenschaft sei längst auf einem guten Weg.

DOMRADIO.DE: Jetzt sind schon zwei Impfstoffe zugelassen in der EU. Das Vakzine von Biontech/Pfizer und das von Moderna, beides mRNA-Impfstoffe. Verstehen Sie es, wenn manche sagen, ich weiß nichts über Langzeitfolgen. Ich möchte mich aktuell nicht impfen lassen?

Dr. Peter Liese (Arzt und CDU-Europaabgeordneter): Ich kann das verstehen. Ich glaube aber, man darf an der Stelle nicht stehenbleiben, denn diese Impfstoffe sind sehr gut und ohne gravierende Nebenwirkungen an Zehntausenden von Menschen getestet worden. Natürlich können Fieber und Schmerzen an der Einstichstelle auftreten, aber keine Nebenwirkungen, die annähernd so gefährlich sind wie das Virus.

Zweitens erforscht man schon seit zehn Jahren diese mRNA-Technologie.

Daher kann man sagen: Wenn es gravierende Langzeitschäden gäbe, hätte man das auch schon entdeckt. Deswegen ist mein Appell: Wirklich jeder, der die Möglichkeit hat, sollte sich impfen lassen.

DOMRADIO.DE: Wer sich nicht impfen lässt, handelt unsolidarisch?

Liese: Ja, ich bin schon der Meinung von Papst Franziskus, dass es auch eine christliche Pflicht ist, sich impfen zu lassen. Ich glaube, dass man respektieren muss, wenn jemand das nicht möchte. Aber ich kann nicht verstehen, dass man sich dabei auf den christlichen oder katholischen Glauben beruft. Das ist eine sehr persönliche Sache.

Ich sage als Christ: Ich möchte, dass diese Pandemie vorbei ist, damit nicht mehr so viele Menschen sterben. Wir werden bald 50.000 Tote in Deutschland haben. Das hätte ich mir im Frühjahr nie vorstellen können. Und ich möchte, dass die Schäden zum Beispiel durch Schulschließungen irgendwann vorbei sind.

Da kommen auch viele Kinder unter die Räder und ich möchte mich nicht entscheiden zwischen dem Tod eines alten Menschen und dem Schaden, dass ein Kind nicht zur Schule gehen kann. Ich möchte, dass wir beides nicht mehr haben. Und das geht nur mit einer Impfung.

DOMRADIO.DE: Ein dritter Impfstoff wird möglicherweise noch in diesem Monat zugelassen. Der von AstraZeneca. Für dessen Produktion sollen Zelllinien aus abgetriebenen Föten eingesetzt worden sein. Heiligt der Zweck die Mittel?

Liese: Pauschal heiligt der Zweck nie die Mittel. Und als Christen müssen wir sagen: Abtreibung ist nicht der richtige Weg. Aber hier geht es darum, dass vor vielen Jahren Zellen gewonnen wurden. Und selbst wenn man die jetzt nicht nutzt, würde dieses ungeborene Kind nicht leben.

Da kann ich schon gut nachvollziehen, dass der Vatikan auch gesagt hat, das ist vertretbar. Wenn es Impfstoffe gibt, bei denen man das nicht braucht, ist das natürlich besser. Aber wir mussten halt jetzt auch in dieser Pandemie viele verschiedene Wege gehen, um einen wirksamen Impfstoff zu finden.

Der Astra-Zeneca-Impfstoff ist der Impfstoff, der für die Menschen in den armen Ländern am leichtesten handhabbar ist, weil er nicht so teuer ist und weil er nicht bei minus 70 Grad gekühlt werden muss. Den Menschen zu helfen, ist auch eine ethische Pflicht. Deswegen kann ich diese Argumentation vom Vatikan sehr gut nachvollziehen.

DOMRADIO.DE: Was sagen Sie zu dem Vorwurf etwa von SPD-Vize Kevin Kühnert, die EU habe sich nur halbherzig um den Einkauf von Impfdosen gekümmert?

Liese: Also aus heutiger Sicht würde ich sicher sagen, wir hätten gerade von dem Impfstoff von Biotech und von Moderna mehr bestellen müssen. Aber auch Kevin Kühnert wusste es im August nicht besser. Und viele, die jetzt sagen, man hätte, man hätte, man hätte, die hätten sich im August mal melden müssen.

Die Firma Biontech hat auf Druck von Pfizer zunächst erklärt, dass sie nicht bereit ist, die Haftung zu übernehmen, selbst bei eigenen Fehlern. Wenn wir die Menschen überzeugen wollen, dass sie sich impfen lassen, dann muss man schon sagen: Wenn die Firma einen Fehler macht, dann muss sie auch selber haften.

Denn das erhöht das Vertrauen und die Sicherheit. Ich denke, das ist bisher in der Debatte zu wenig rübergekommen. Ich sehe das als den untauglichen Versuch der SPD, aus dem Umfragetief zu kommen. Hier geht es um Fakten und um die Frage, wie wir jetzt nach vorne kommen.

DOMRADIO.DE: Jetzt fehlen noch die Impfstoffe für Kinder. Solange es die nicht gibt, wird die Pandemie wohl andauern, oder?

Liese: Nein, das glaube ich nicht. Wenn wir es schaffen, die Risikopersonen zu impfen, die Älteren und das medizinische Personal, dann sind wir schon einen ganz großen Schritt weiter, weil dann nicht mehr so viele Menschen sterben und die Pflegekräfte und die Ärzte nicht mehr so überlastet sind.

Und wenn sich dann sehr viele Menschen im Sommer impfen lassen, dann wäre die Pandemie am Ende, ohne dass man Kinder impft. Es ist jetzt natürlich auch möglich, die Wirkung bei Kindern zu untersuchen, aber es ist eben ethisch nicht verantwortbar, mit Kindern zu beginnen. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Da kann man nicht einfach so tun, als ob es wirkt. Da muss man sehr genau hinschauen. Und das geschieht jetzt gerade.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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