Leere Kirchenbänke
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Armin Laschet
Armin Laschet
Karl-Josef Laumann
Karl-Josef Laumann (CDU)
Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt
Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt
Annalena Baerbock
Annalena Baerbock

20.12.2020

Deutschland ist gespalten in Gottesdienst-Debatte Christmette: Ja oder Nein?

Kirche und Gesellschaft sind gespalten bei der Frage, ob im Lockdown öffentliche Weihnachtsgottesdienste gefeiert werden sollten. Stimmen aus Poltik, Kirche und Gesellschaft finden Argumente dafür und dagegen.

Laschet: Gottesdienste überdenken

Angesichts der weiter sehr hohen Corona-Infektionszahlen hat sich der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Laschet skeptisch gezeigt, ob die Weihnachtsgottesdienste tatsächlich in der bisher geplanten Form stattfinden können.

"In den nächsten Tagen werde ich angesichts der aktuellen Lage noch einmal Gespräche mit den Kirchen führen", sagte Laschet dem "Tagesspiegel am Sonntag". Die evangelische Kirche in Westfalen habe schon gesagt, dass sie Gottesdienste auch absagen werde. "Die Glaubensgemeinschaften nehmen die Lage sehr ernst. Sie wissen auch, dass dies das Fest des Lebens und der Nächstenliebe ist, und dass man sorgsam abwägen muss", sagte Laschet weiter. Er verwies auf eine erneut verschärfte Lage: "Die Zahlen der vergangenen Tage legen eher nahe, dass man noch vorsichtiger sein muss, als wir es vor zwei Wochen dachten."

Laumann: Gottesdienste mit Abstand und ohne Gesang vertretbar

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hält es momentan nicht für nötig, grundsätzlich auf Weihnachtsgottesdienste zu verzichten. "Ich habe keine Hinweise darauf, dass es größere Ausbrüche in den verantwortungsvoll durchgeführten Gottesdiensten gab", sagte er der "Rheinischen Post" (Samstag): "Mit Abstand und ohne Gesang kann das grundsätzlich auch an Weihnachten vertretbar sein. Aber älteren Menschen sollte man tatsächlich ans Herz legen, auf die Übertragungen im Internet, Fernsehen oder Radio auszuweichen."

Haseloff verzichtet erstmals auf Besuch der Christmette

Sachsen-Anhalts katholischer Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und seine Frau wollen "das erste Mal in unserem Leben" nicht an Heiligabend die Christmette besuchen. Der "Mitteldeutschen Zeitung" in Halle (Samstag) sagte der Katholik, er werde wegen der Corona-Pandemie stattdessen "einen Gottesdienst am ersten oder zweiten Weihnachtstag in einer Kirche in der Umgebung von Wittenberg" mitfeiern - "mit wenigen Teilnehmern und entsprechenden Schutzmaßnahmen".

Aus Vorsicht, so Haseloff weiter, wollten seine Frau und er diesmal ganz alleine Weihnachten feiern ohne Kinder und Enkel "und zum ersten Mal in meinem Leben auch ohne meine jetzt 91-jährige Mutter".

Baerbock verzichtet ebenfalls auf Gottesdienstbesuch 

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock will Weihnachten in diesem Jahr ohne Gottesdienstbesuch und nur im kleinen Familienkreis feiern. Normalerweise gehe sie mit Mann und Kindern in den Kindergottesdienst, sagte sie der "Bild am Sonntag". "Aber in der Pandemie geht es darum, die Kontakte wirklich zu reduzieren." Sie sei zwar nicht gläubig, aber trotzdem in der Kirche, "weil mir die Idee des Miteinanders extrem wichtig ist", sagte Baerbock. Zum ersten Mal in ihrem Leben werde sie Weihnachten wegen der Corona-Pandemie nicht in ihrem Heimatdorf mit der ganzen Großfamilie feiern, sondern zu viert in der eigenen Wohnung.

Was sagen die Bischöfe?

Der katholische Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers ist gegen pauschale Ratschläge. "Ich empfehle, Kontakte zu minimieren", sagte er im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Wenn dazu der Verzicht des Gottesdienstbesuchs am Heiligabend einen Beitrag leistet, ist dies zu unterstützen."

Im Bistum Hildesheim werden an Weihnachten die Kirchen offen bleiben und Gottesdienste stattfinden. "Wir brauchen offene Kirchen, wir brauchen Trosträume, wir brauchen Fundamente für Hoffnung und wir brauchen Zuversicht", sagte Bischof Heiner Wilmer dem NDR.

Als erster katholischer Bischof stellte es Essens Oberhirte Franz Josef Overbeck seinen Gemeinden offiziell frei, auf Weihnachtsgottesdienste in der Corona-Krise zu verzichten. Im Zweifel sollten die öffentlichen Feiern lieber abgesagt werden, so der Ruhrbischof. Ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 300 rate das Bistum Essen seinen Gemeinden in jedem Fall zu einer Absage von öffentlichen Gottesdiensten.

Bevölkerung gespalten

In ganz Deutschland wird derzeit über Weihnachtsgottesdienste diskutiert. Eine YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur besagt, dass 50 Prozent der befragten gegen öffentliche Gottesdienste an Weihnachten sind, nur 35 Prozent sprachen sich dafür aus. Ein anderes Ergebnis findet der ARD-Deutschlandtrend vom Freitag. Demnach sind 50 Prozent für öffentliche Gottesdienste mit Hygieneregeln, 47 Prozent lehnen dies ab. 

Bisher sind Gottesdienste an Weihnachten unter strengen Auflagen grundsätzlich erlaubt; unterdessen rücken einige, bisher vor allem evangelische Kirchen davon ab. Viele empfehlen, zum Schutz vor Ansteckung auf digital übertragene Feiern sowie Fernseh- und Radiogottesdienste auszuweichen.

(dpa, KNA, DR)

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