Gesangbücher eines Kirchenchores
Gesangbücher eines Kirchenchores
Alexander Kekulé
Alexander Kekulé
Karl Lauterbach
Karl Lauterbach
Heinrich Bedford-Strohm
Heinrich Bedford-Strohm

11.12.2020

Experten fordern Gesangsverbot in Kirchen an Weihnachten "Für Kirchbesuche muss es klare Regeln geben"

Der Virologe Alexander Kekulé macht sich für ein Gesangsverbot in Kirchen zu Weihnachten stark. Sonst entstünden dort zu viele Aerosole. Auch das "Vaterunser" müsse still sein. Der EKD-Ratsvorsitzende zeigt unterdessen Verständnis.

"Wenn in einer Kirche alle Masken aufhaben und maximal eine Person pro fünf Quadratmeter im Raum ist, sind Gottesdienste an Weihnachten vertretbar. Aber nur, wenn nicht gesungen wird", sagte der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie der Uniklinik Halle dem Magazin "Focus" (Samstag). Sonst entstünden zu viele Aerosole. Auch das gemeinsame Glaubensbekenntnis oder das "Vaterunser" müsse still sein - "maximal das 'Amen' zum Ende ist in Ordnung".

Lauterbach stimmt Kekulé zu

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach betonte: "Für Kirchbesuche muss es klare Regeln geben. Die Abstände und Hygiene-Regeln müssen streng eingehalten werden. In der Kirche darf nicht gesungen werden. Zudem müssen alle eine Maske tragen." Er schlage vor, dass alle Kirchgänger eine FFP2-Maske tragen. "Die Kirchen sollten für alle Gottesdienstbesucher FFP2-Maske vorhalten werden. Das könnte man mit einer Kollekte verbinden, über die die Masken finanziert werden. Wer nur eine Alltagsmaske hat, könnte die vor Ort gegen eine FFP2-Maske austauschen", sagte Lauterbach dem Magazin.

Zentrale Vorgaben für Kirchen gefordert

Zugleich sollen möglichst viele zu Hause bleiben, fügte Lauterbach hinzu. "Die Kirchen sollten so viel streamen wie möglich. Je mehr Gottesdienste online übertragen werden, desto besser."

Kekulé forderte Vorgaben von der Politik. "Es sollte zentrale Vorgaben und Empfehlungen für die Kirchen seitens des RKI oder des Gesundheitsministeriums geben. Wir sollten die Kirchen da nicht allein lassen", sagte der Virologe. "Die Befürchtung, die wir immer haben müssen, ist das sogenannte Superspreading."

EKD-Vorsitzender offen für strengere Regeln an Weihnachten

Bei der Eindämmung der Corona-Pandemie ist der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, offen für strengere Kontaktregelungen auch während der Weihnachtsfeiertage. "Wenn der harte Lockdown notwendig ist, um Menschenleben zu schützen und die Ausbreitung des Virus' zu  begrenzen, dann glaube ich, kommen wir an dem harten Lockdown nicht vorbei", sagte er dem ARD-Magazin Kontraste am Donnerstag. Man müsse die Empfehlungen der Wissenschafts-Akademie Leopoldina nach härteren Regeln ernst nehmen.

Wissenschaftler seien auch aus Sicht der Kirche diejenigen, die mit Blick auf die Konsequenzen des Verhaltens aller Orientierung geben könnten, so Bedford-Strohm. "Wenn der Schutz des Lebens, wenn die Nächstenliebe, die sich darin ausdrückt, wenn die an oberster Stelle steht und Teil unserer Botschaft ist, dann schließt die Weihnachtsbotschaft ein, dass wir uns an die Regeln halten, die verhindern, dass Menschen sterben", so der bayerische Landesbischof.

Zur Not auch Gottesdienste verbieten

Die Idee, während der Feiertage Ausnahmen von den Kontaktbeschränkungen zu gewähren, findet Bedford-Strohm grundsätzlich richtig. "Dass an Weihnachten besondere Regeln gelten, ist Ausdruck der Tatsache, dass dieses Weihnachtsfest für die seelische Verfassung der Menschen eine ganz besondere Bedeutung hat", betonte er. Allerdings zeigte er sich offen, in diesem Jahr auch andere Wege zu suchen. "Wenn ein Risiko besteht, dass aus gottesdienstlichen Versammlungen Leben gefährdet wird, dann bin ich der Allererste, der sagt, lasst es uns nicht machen." Für Familientreffen und auch für Weihnachtsgottesdienste müssten dann zur Not, andere, digitale Lösungen gefunden werden. Im Zweifel, so Bedford-Strom, müsste die Politik harte Maßnahmen durchsetzen.

Wichtig sei, dass nicht für alle gesellschaftlichen Schichten absolute Kontaktverbote verhängt werden dürften. Als Beispiel nannte Bedford-Strohm die Seelsorge für Sterbenskranke. Überall da, wo "Menschen beim Sterben niemanden haben, der bei ihnen ist, da müssen die Regeln flexibel sein", sagte er.

(KNA)

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