Lebensmittelausgabe in den USA
Lebensmittelausgabe in den USA

03.12.2020

Immer mehr US-Amerikaner haben nicht genug zu Essen Hunger im reichsten Land der Welt

US-Hilfsorganisationen schlagen Alarm. Die Pandemie treibt die Arbeitslosenquote in die Höhe und Millionen US-Amerikaner stehen vor Lebensmittelausgaben Schlange. Hunger wird für viele zur Alltagserfahrung.

Für Bill Blackmer änderte sich das Leben genau am 18. April. An diesem Tag verlor der Vater zweier Töchter seinen Job in der Telekommunikationsbranche. Der 41-Jährige wartete mit der Hiobsbotschaft bis nach dem Abendessen. Seine Frau Mary sagte kein Wort und musste sich erstmal setzen.

Die Blackmers leben in Weymouth im US-Bundesstaat Massachusetts. Mary ist behindert. Seit Jahren verdient Bill alleine das Familieneinkommen. Jetzt bleibt nur noch das Arbeitslosengeld aus dem "Cares Act". Die gesparten Finanzreserven werden seitdem buchstäblich verfrühstückt. Einziger Lichtblick: der lokale ökumenische Sozialdienst "Interfaith" im Großraum Boston, der Konserven, Nudeln und Hähnchen gratis spendiert.

Der neue Hunger in Amerika

Nur ein Schicksal unter Millionen, mit dem die "Washington Post" dem neuen Hunger in Amerika Namen und Gesichter verlieh. Die Fakten und Zahlen bestätigen ein Massenphänomen. Seit Beginn der Pandemie haben sich rund sieben Millionen Amerikaner neu für das Lebensmittelkarten-Programm "Snap" angemeldet. Das Bundesprogramm bot bis dahin bereits 38 Millionen Amerikanern mit wenig oder gar keinem Einkommen Zuschüsse für den Erwerb von Ess- und Trinkbarem.

Noch dramatischer klingt die Prognose von "Feeding America", die mit 200 Nahrungsmittelbanken und 60.000 Lebensmittelkammern größte Hilfsorganisation der USA. 54 Millionen Menschen seien demnächst in der prekären Situation zu entscheiden, ob erst die Miete bezahlt oder der Supermarkt angesteuert werde. Das sind 17 Millionen mehr als vor der Corona-Krise. "Etwa 40 Prozent der Empfänger waren noch nie zuvor auf Wohltätigkeit angewiesen", so Katie Fitzgerald von "Feeding America".

Hunger-Hotlines

Der Run auf Hunger-Hotlines boomt. Das US-Landwirtschafts-Ministerium (USDA) hilft im Netz mit einer interaktiven Karte bei der Suche nach Anlaufstellen für Mahlzeiten. Genauso funktioniert auch das private Angebot von "FoodFinder" und der Graswurzel-Initiative "Little Free Pantry".

Der Fotograf William Luther hat die Hungerkrise in einer ikonischen Luftaufnahme festgehalten. Sie zeigt wie mehr als 10.000 Menschen auf einem Parkplatz von San Antonio im Bundesstaat Texas dicht gedrängt auf die Verteilung von Lebensmittelpaketen warteten. Ein Bild, das sich heute vielerorts in den USA so oder so ähnlich machen ließe.

Der Bedarf an privater Hilfe ist so groß, dass es an Freiwilligen für die Verteilung von Lebensmitteln fehlt. Die Präsidentin der "Greater Boston Food Bank", Catherine D'Amato, sagt, sie habe wegen der notwendigen sozialen Distanzierung nur 100 bis 150 Helfer pro Woche, die vorgefertigte Notrationen packen könnten. Vor der Corona-Krise waren es dreimal so viele.

Private Caritas hilft

"Wir verlassen uns gerade auf private Caritas", erklärt die Politologin an der Northwestern University, Diane Schanzenbach die Konsequenzen eines löchrigen Sicherheitsnetzes des Staates. "Es liegt am Kongress diese Löcher zu flicken." Genau das fordern die katholischen US-Bischöfe seit Monaten von Trump und dem Kongress: Hilfsprogramme für besonders Bedürftige zu verlängern und aufzustocken.

Doch die Verhandlungen über weitere Corona-Hilfen sind in Washington während der Präsidentschaftswahlen erlahmt. Die Konsequenzen lassen sich an aktuellen Statistik des Volkszählungs-Büros ablesen. Demnach haben fast sechs Millionen US-Haushalte mit Kindern in der Pandemie Probleme, ihre Kühlschränke zu füllen. Besonders hart betroffen sind die Familien von Schwarzen und Latinos.

Die "Washington Post" veröffentlichte kürzlich Zahlen, die zeigen, dass Hunger in US-Haushalten heute ein größeres Thema ist als 1998, dem ersten Jahr, in dem das "US Census Bureau" Zahlen zu diesem Phänomen veröffentlichte. Corona und seine wirtschaftlichen Folgen reißen jetzt auch Familien der Mittelschicht nach unten.

Für Bill Blackmer erwies sich der ökumenische Sozialdienst "Interfaith" als Strohhalm, an dem sich seine Familie in größter Not klammern konnte. Er nennt die Lebensmittelausgabe eine "reibungslos laufende Maschine", ein Zufluchtsort im Sog der Pandemie. "Für uns sind das die wahren Helden."

Thomas Spang
(KNA)

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