Frau mit Mundschutz und Grablicht auf einem Friedhof
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Letztes Geleit ohne öffentliche Trauergemeinde
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02.12.2020

Debatte über Gedenktag für Corona-Tote "Ein Staatsakt wäre nicht angemessen"

Ist auch in Deutschland ein nationaler Gedenktag für die Opfer der Conrona-Pandemie möglich? Jüngst hatte Bischof Georg Bätzing die Idee ins Spiel gebracht. Der Sozialwissenschaftler Georg Lämmlin findet allein die Diskussion darüber sinnvoll.

DOMRADIO.DE: Nationaler Gedenktag, Staatsakt, Gedenkstunde, Trauergottesdienst: Warum wird in Deutschland so rumgeeiert mit diesem Thema?

Prof. Dr. Georg Lämmlin (Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD): Zum einen hat das hat viel mit unserer Diskussionskultur zu tun, denke ich. Ich würde das auch gar nicht unbedingt "rumeiern" nennen. Sondern bei uns ist die Meinungs- und Entscheidungsbildung insgesamt durch die Strukturen in unserem Land immer kompliziert, im politischen aber auch im kirchlichen Raum. Das hat bei den Kirchen natürlich damit zu tun, dass wir zwei große Kirchen haben und auf evangelischer Seite noch mal den vielstimmigen Chor der unterschiedlichen Kirchen. Da ist so eine Meinungsbildung halt ein längerer Prozess, der dann auch ausdiskutiert wird.

Zum anderen glaube ich, hat es auch damit zu tun, dass die Frage der Symbolpolitik bei uns in Deutschland anders gesehen wird als gerade in Frankreich. Solche großen symbolischen Akte, wie sie in Frankreich normal sind, sind in unserem Land, in unserer Gesellschaft so nicht verbreitet. Da spielt Religion in der Öffentlichkeit eine sehr viel gedämpftere Rolle. Das muss nicht immer so sein, aber das ist bei uns jedenfalls etwas, was immer einen längeren Prozess braucht.

DOMRADIO.DE: Jetzt sprechen Sie sich für einen Gedenktag aus. Es gab schon in vielen Städten und Gemeinden Gottesdienste oder Gedenken auf lokaler Ebene. Warum wäre so etwas denn auf nationaler Ebene aus Ihrer Sicht so wichtig?

Lämmlin: Zunächst einmal fand ich es wirklich schön, dass es am Ewigkeitssonntag an vielen verschiedenen Stellen, zum Beispiel in Hildesheim, große ökumenische Gottesdienste gab, die das zum Thema gemacht haben. Also in Hildesheim waren es der evangelische Landesbischof von Hannover, Ralf Meister, und der katholische Bischof Heiner Wilmer aus Hildesheim, die das gemeinsam in einem sehr großen Rahmen gemacht haben, mit einem Grußwort des Ministerpräsidenten Stephan Weil.

Damit wird natürlich dieses Thema schon auf eine öffentlichere Ebene gehoben, als wenn das nur in einem lokalen Gottesdienst und im gemeindlichen Rahmen passiert. Das ist, glaube ich, auch das, was ich mit dem Gedanken einer nationalen Gedenkfeier zu einem bestimmten Termin verbinden würde.

Dass es eine Form von konzentrierter und auch intensiver Kommunikation zu diesem Thema gibt, in dem die Angehörigen von Gestorbenen, die ja zum Teil nicht einmal vor Ort sein konnten, die diesen Weg nicht mehr begleiten konnten, die selbst bei den Beerdigungen zum Teil nur einen sehr begrenzten Rahmen für ihre Trauer finden konnten, und dass diese Kommunikation auf eine andere Ebene gehoben wird, würde ich für ein wichtiges Moment halten, wo auch dann Religion und der christliche Glaube mit allem, was er bedeutet, in ein öffentliches Licht rücken kann.

DOMRADIO.DE: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, ist da auf Ihrer Seite. Was würden Sie denn zum Beispiel für ein Datum vorschlagen oder ist das sekundär?

Lämmlin: Im Moment ist es mit dem Datum schwierig, weil wir uns ja noch mitten in der Entwicklung befinden. Noch können wir nicht wirklich absehen, wenn jetzt tatsächlich vielleicht noch im Dezember oder zumindest Anfang des Jahres ein Impfstoff kommt, wie sich das dann weiterentwickeln wird mit den Ansteckungszahlen und auch mit den Sterbezahlen.

DOMRADIO.DE: Das heißt, das wäre auch etwas, wo Sie sagen würden, man sollte damit noch warten, bis diese Pandemie ein Ende gefunden hat?

Lämmlin: Zumindest bis man absehen kann wie wir dann am Ende mit der Pandemie umgehen können. Im Moment fände ich es aber wichtig, wenn wir uns auf so einen Termin und so ein Gedenken schon vorbereiten. Wenn wir gemeinsam darüber sprechen, wie das in einer angemessenen Weise passieren kann, wer mit darin einbezogen werden kann.

Ich würde es jetzt nicht angemessen finden, wenn das nur einfach ein Staatsakt wäre, der dann von oben nach unten gestaltet wird. Sondern ich würde es wichtig finden, dass wir damit auch die Solidarität mit den Menschen verbinden, die sich auch an die Regeln halten und die damit dazu beitragen, dass wir in Deutschland eine doch so deutlich geringere Zahl an Toten haben als viele andere Länder. Das ist eine Haltung, die man auch auf diesem Weg unterstützen und wertschätzen kann.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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