Gottesdienst in Corona-Zeiten - mit Abstand und begrenzter Teilnehmerzahl
Corona-Gottesdienst

09.11.2020

Gastkommentar zu Gottesdiensten im Lockdown Privileg mit Konsequenzen

Ist es richtig, dass Gottesdienste vom Lockdown ausgenommen sind? Die Publizistin Liane Bednarz befürchtet dadurch "böses Blut" in der Gesellschaft. Der Kirchenmusiker Ansgar Wallenhorst verteidigt dieses Privileg. Ein Gastkommentar. 

Wo Ostern 2020 Kirchen "wegen Corona geschlossen!“ ans Portal hefteten und auch bei Kirchenfernen eine Litanei von Kopfschütteln bis hin zu Legitimationsanfragen an Religion als systemstabilisierende Kraft hervorriefen, wird im November weiter gebetet und sogar gesungen - mit Hygienekonzept, Abstand und 20% Auslastung meist luftig-hoher Kirchenschiffe - und Maske. Die Publizistin Liane Bednarz sieht im DOMRADIO.DE-Interview darin eine "Privilegierung“, die gesamtgesellschaftlich eher "böses Blut“ denn positiv-bestärkende Akzeptanz hervorrufe. Darin läge ein "Wertungswiderspruch“ im säkular, post-religiösen Deutschland. In Solidarität zu den vielen Nicht-Christen, die derzeit weder im Theater noch im Konzertsaal auftanken und ihre arg strapazierte Psyche ausbalancieren könnten.

Auch Eintauchen im Gemeinschafts-Sport, solitäres Schwimmen, im Fitness-Studio oder der Restaurantbesuch mit Freunden bleiben uns derzeit als Gegenwelt zur allumfassenden Corona-Belastung versagt. Sollten sich da nicht die Kirchen aus ihrer "Ritual-Fixiertheit“ lösen und sich verantwortungsbewusst und solidarisch zeigen im Verzicht? Ein Zeichen setzen oder einen Beitrag zur Pandemie-Bekämpfung leisten?

Wem hilft ein Gottesdienst-Verzicht?

Wem hilft konkret eine Solidarität des Verzichts auf den Dreiklang aus zweckfreier Liturgie, zuversichtlichem Glaubenszeugnis und Lebenshilfe als diakonischer Umsetzung des Evangeliums? Auseinanderdividieren lässt sich das verlustfrei jedenfalls nicht: Wo wir nicht als um das Wort und den Altar versammelte Erinnerungsgemeinschaft aus dem Evangelium und den Sakramenten, den Stärkungen, Klärungen und Tröstungen des Heiligen Geistes schöpfen, sind Bestärkung für und Beistand im Leiden für andere buchstäblich haltlos.

Wir drohen in den Wellen, die immer wieder über uns hereinbrechen, unterzugehen, mutlos und entkräftet in den Chor der Verzweifelten einzustimmen. Warum sollten wir denn auf die immer wieder in Tradition und Gegenwart beschworenen Tröstungskräfte unseres Glaubens in gut gemeinter Solidarität verzichten?  

Es geht um Vertrauen

Bei der Abwägung, was zur Pandemiebekämpfung zulässig und was (temporär) zu vermeiden ist, geht es ja nicht allein um das bessere Hygienekonzept oder den - nach Meinung der Virologen und Verantwortlichen im Gesundheitswesen -  derzeit gar nicht (mehr) zu erbringenden Nachweis, wer sich nun wo angesteckt hat und wo Hotspots lauern. Es geht um Vertrauen!

Vertrauen, dass eine wissenschaftlich solide beratene und abwägend diskutierte politische Entscheidung die Güter sorgsam abgewogen und Freiheitsrechte mit der Fürsorgepflicht des Staates auf körperliche Unversehrtheit seiner Bürger in Balance zu halten versucht. Und Vertrauen in die Tröstungskräfte der Religion. Als Christen ist es unsere Aufgabe, die "tröstende Kraft der Rede von Gott und der verheißenen Unsterblichkeit gerade an den Widersprüchen unserer geschichtlich-gesellschaftlichen Entwicklung zum Leuchten zu bringen“ (J.B. Metz, Über den Trost, 1974) und sie als Solidargemeinschaft allen anzubieten. Nicht mehr, aber auch bitte nicht weniger!

Ein Privileg hat Konsequenzen

Wenn Gebet und Gesang, Klage und Bitte, Verkündigung und Eucharistie sich mit Stille und Klängen mischen und sich so in unserer Leiderfahrung und Lebenswirklichkeit brechen und spiegeln, wirkt das Ritual ganz ohne jegliche zwangshaften Fixierungen. Dann sind wir und die Vielen, die in diesen Zeiten des Trostes bedürfen, einfach beschenkt! Vielleicht auch privilegiert, aber mit verpflichtenden Konsequenzen: das Geschenkte müssen wir weitergeben, wo immer die "Blüten des Trostes zu kurz entsprossen sind“ (Nelly Sachs).

Unsere Sprache und unser Denken - und damit unser Tun und Wirken - für den Anderen könnten sich so verändern. Ungeschützt vor dem Unvorhersehbaren und unimprägniert gegenüber Widersprüchen zu leben, könnte uns gelassener und angstfreier agieren lassen. Leben mit Corona, durch Corona, nach Corona hoffnungsvoll in Ausschöpfung unserer Möglichkeiten und in neu bewusster und neu entflammter Verantwortung füreinander!

Ansgar Wallenhorst

Über den Autor: Ansgar Wallenhorst ist Kirchenmusiker, Theologe und Konzertorganist. Er arbeitet als Kantor an der Kirche St. Peter und Paul in Ratingen.

(DR)

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