Das Berchtesgadener Land: normalerweise ein beliebtes Urlaubsziel
Das Berchtesgadener Land: normalerweise ein beliebtes Urlaubsziel
Gottesdienstbesucher mit Mundschutz
Gottesdienstbesucher mit Mundschutz

21.10.2020

Pfarrer aus Berchtesgaden zu verschärften Corona-Maßnahmen "Es gibt gewisse Freiheiten"

Seit Dienstag, 14 Uhr, gelten im Berchtesgadener Land strenge Ausgangsbeschränkungen. Raus darf nur, wer einen wichtigen Grund hat. Wie nehmen die Menschen die neuen Maßnahmen auf und was bedeuten sie für die Feier von Gottesdiensten?

DOMRADIO.DE: Dürfen Sie noch rausgehen?

Monsignore Dr. Thomas Frauenlob (Pfarrer des Pfarrverbands Stiftsland Berchtesgaden): Nein, darf ich nicht mehr. Seit 14 Uhr bin ich ans Haus gebunden. Ich darf raus, wenn ich etwas einkaufen muss oder wenn sonst irgendwas Notwendiges und Wichtiges ansteht, dann darf ich natürlich das Haus verlassen. Ansonsten sollte man eher daheim bleiben.

DOMRADIO.DE: Wäre es für Sie als Geistlicher ein triftiger Grund, wenn Sie jemand anruft und nach einem dringenden Gespräch fragt?

Frauenlob: Selbstverständlich, das ist ja meine Aufgabe als Seelsorger. Wenn ich dieser Aufgabe nachkommen will, muss ich gegebenenfalls außer Haus. Ich denke, das ist triftiger Grund, um das Haus verlassen zu können.

DOMRADIO.DE: Diese Lockdown-Verordnung ist ja noch sehr frisch und gilt erst seit 14 Uhr am Dienstag. Können Sie schon sagen, wie die Menschen Ihrer Pfarrgemeinden diesen Lockdown erleben und beurteilen?

Frauenlob: Wir haben ja gewisse Erfahrungen aus dem Frühjahr und ich denke, dass man da einiges gelernt hat. Der Krisenstab hat jetzt differenzierter entschieden: Es ist kein völliger Lockdown, sondern es gibt gewisse Freiheiten; unter anderem dürfen wir Gottesdienste feiern. Die Menschen nehmen das mit einer gewissen Gelassenheit hin und sehen die Notwendigkeit.

Erst gestern Abend (Montag, Anm. d. Red.) wurde verkündet, dass man viele Dinge organisieren muss: insbesondere die Kinderbetreuung, nachdem die Kitas und die Schulen lediglich eine Notbetreuung anbieten. Sonst sind hier noch viele Presseleute unterwegs, die versuchen, Stimmen einzufangen. Aber letztlich herrscht eine relative Gelassenheit.

DOMRADIO.DE: Das Berchtesgadener Land ist bei Touristen sehr beliebt. Macht man sich Sorgen über den Ruf der Region oder ist das völlig irrelevant?

Frauenlob: Ich denke schon, dass Touristen und Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor hier in unserer Gegend sind und dass die Betroffenen sich Sorgen machen. Aber letztlich wird hier ja verantwortlich gehandelt und nicht verantwortungslos.

Man hat immer wieder ermahnt und darauf gedrängt, die Maßnahmen, die ohnehin bestanden, einzuhalten. Jetzt explodiert der Inzidenzfaktor, sodass man andere Maßnahmen ergreifen muss. Ich glaube, die meisten Menschen sehen das auch ein und versuchen in einer gemeinsamen Kraftanstrengung, der weiteren Ausbreitung der Pandemie zu begegnen und hier eine bessere Situation herzustellen.

DOMRADIO.DE: Im Gegensatz zum März und April sind Gottesdienste jetzt erlaubt. Müssen Sie andere Auflagen dafür erfüllen?

Frauenlob: Wir hatten hier den Vorteil, dass wir lange Zeit relativ unbelastet von der Pandemie waren. Unsere Gottesdienste konnten ab Mai mit Gemeindegesang und ohne Mund-Nase-Schutz am Platz gefeiert werden. Das müssen wir jetzt einstellen.

Ab sofort gilt: Die Gottesdienste dürfen gefeiert werden - natürlich mit Ordnungsdienst - aber verschärfend kommt hinzu, dass während des ganzen Gottesdienstes eine Pflicht zum Mund-Nasen-Schutz besteht und es keinen Gemeindegesang gibt. Das heißt aber nicht, dass die Gottesdienste nicht gestaltet werden. Die Kirchenmusiker sind angehalten, eine möglichst würdige und variable musikalische Gestaltung während der Zeit der Maßnahmen zu organisieren.

DOMRADIO.DE Jetzt stehen wichtige katholische Feste an: Allerheiligen und Allerseelen. Wird denn zum Beispiel eine Gräbersegnung möglich sein?

Frauenlob:  Wir sind in einer relativ traditionellen Gegend. Da sind Allerheiligen und Allerseelen von großer Wichtigkeit. Wir werden selbstverständlich eine Segnung der Gräber durchführen – allerdings zu einem nicht angekündigten Zeitpunkt am 1. November, also nicht zu den üblichen Zeiten wie sonst, um keinen Menschenauflauf zu verursachen. Dass es eine Gräbersegnung gibt, ist eine wichtige Botschaft.

Es wurde auch ein kleiner Gottesdienst erarbeitet, der den Gläubigen zur Verfügung steht, um mit der Familie oder alleine das Grab zu besuchen. Außerdem wird es Weihwasser geben. Am ersten Sonntag im Monat wird bei uns Wasser, das die Leute in einem geeigneten Behältnis mitgebracht haben, gesegnet. So wird zum 1. November auch Weihwasser zur Verfügung stehen, sodass die Gläubigen selber ihre Gräber segnen können. Es kann also alles gemacht werden, was üblich ist.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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