Ein Wegweiser zur Stadt Gangelt im Kreis Heinsberg steht an einer Straße.
Ein Wegweiser zur Stadt Gangelt im Kreis Heinsberg steht an einer Straße.
Pfarrer Daniel Wenzel
Pfarrer Daniel Wenzel

20.10.2020

Pfarrer über steigende Fallzahlen im ersten deutschen Corona-Hotspot Wie geht es dem Kreis Heinsberg?

Gangelt im Kreis Heinsberg war im Frühjahr der erste Corona-Hotspot in Deutschland. Jetzt nähert sich die 7-Tage-Inzidenzahl dem Wert 50. Bald könnten neue Einschränkungen verkündet werden. Wie gehen die Menschen vor Ort damit um?

DOMRADIO.DE: Wie gehen die Menschen in der Region mit den steigenden Corona-Zahlen um - nach den schlimmen Erfahrungen, die sie im Frühjahr in Gangelt gemacht haben?

Daniel Wenzel (Pfarrer an St. Nikolaus, Gangelt): Im Großen und Ganzen nehme ich wahr, dass es hier nicht sehr viel anders ist als im Rest der Republik. Es gibt diejenigen, die alles latent schwierig und viel zu übertrieben finden. Es gibt diejenigen, die sich natürlich Sorgen machen. Insgesamt glaube ich aber, dass wir wegen der Maßnahmen, die es damals direkt nach Karneval hier in Gangelt gab, ein bisschen abgeklärter sind.

Wir kennen das Prozedere. Wir waren damals die ersten. Wir waren in der internationalen Presse. Die Leute gehen da sehr pragmatisch mit um.

DOMRADIO.DE: Haben die Menschen aus der Zeit im Februar und März gelernt?

Wenzel: Das ist insofern zutreffend, als dass die Fragen und auch die emotionale Belastung jetzt nicht völlig neu sind. Das ist jetzt natürlich wieder anstrengend. Es gibt vielleicht auch so ein bisschen dieses resignative "Ach je, schon wieder."

Es gibt so ein bisschen die Sorgen: Wie kann es weitergehen? Wie entwickelt sich das Prozedere weiter? Was ist mit dem kirchlichen Leben? Werden wir in Zukunft keine großen Gottesdienste mehr feiern können? Was ist mit unserem Alltag? Das bewegt die Leute natürlich. Nach diesem Schock damals, plötzlich in Quarantäne versetzt zu werden, ist man ein Stückchen gelassener geworden.

DOMRADIO.DE: Kommen denn jetzt vor allem ältere Menschen zu Ihnen und suchen das Gespräch?

Wenzel: Es sind nicht nur ältere. Es sind Leute, die es direkt oder indirekt betrifft: Weil sie selbst infiziert sind, weil sie zur Risikogruppe gehören oder im Verwandtenkreis Leute haben, die betroffen sind. Da ist das große Fragezeichen: Wie kann Gott das alles zulassen? Das sind Fragen, die wir ja grundsätzlich in der Kirche öfters haben. Wie kann das alles mit dem lieben Gott zusammenpassen?

Wir in der Kirchengemeinde versuchen einfach, mit den Leuten im Gespräch zu bleiben. Die Krankenkommunion ist jetzt pausiert worden, denn natürlich können wir Risikopatienten nicht besuchen. Da wird zumindest telefonisch der Kontakt gehalten, um im Gespräch zu bleiben und um Sorgen zu hören. Wie so oft in der Seelsorge ist das Wichtigste das Zuhören und das Ernstnehmen der Sorgen, auch wenn man nicht direkt ein großes Leistungspaket anbieten kann.

DOMRADIO.DE: Auf was bereiten Sie sich und die Gemeinde denn hinsichtlich der Gottesdienste vor - gerade in der Advents- und Weihnachtszeit?

Wenzel: Wir haben schon in den Sommerferien die ersten Gedanken gesponnen. Nach den Sommerferien haben wir dann auch in einer großen Sitzung beraten, bei der wir uns mit den Kirchenvorstehern, Vertretern der Kirchenvorstände, Vertretern der einzelnen Pfarrei-Räte in einer großen Kirche getroffen haben. Da galt auch das Abstandsgebot.

Die Leute fangen an, darüber nachzudenken, was überhaupt möglich ist. Die ersten Gottesdienstleiter haben signalisiert, dass sie sich vorstellen könnten, nicht nur ein Krippenspiel in der Kirche zu machen, sondern auch zwei, um das Ganze zu entzerren. Es gibt Überlegungen, ob man ein Zelt vor die Kirche stellen kann, damit mehr Leute überdacht sitzen können. Das sind aber erst grobe Vorüberlegungen.

Vor den Sommerferien gab es schon die Frage, wie wir Abstände in der Kirche einhalten können. Wir haben noch kein Anmeldeverfahren, weil die Zahlen der Besucher so sind, dass alle im Gottesdienst untergebracht werden können. Auf Weihnachten hin werden wir mit Anmeldeverfahren arbeiten müssen und dann vielleicht auch mit der Ansage: Gucken Sie mal, dass Sie vielleicht nur einen Gottesdienst an Heiligabend und den Weihnachtsfeiertagen buchen, damit die anderen auch noch die Möglichkeit haben.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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