Blick auf das Prämonstratenserkloster Roggenburg
Blick auf das Prämonstratenserkloster Roggenburg
P. Roman Löschinger OPraem
P. Roman Löschinger OPraem

14.10.2020

Wie das Beherberbungsverbot die Klöster trifft "Wir sind da manchmal ratlos"

In Bayern stellt das Beherbergungsverbot von Menschen aus Risikogebieten viele Hotels und Bildungshäuser vor Herausforderungen. Für Pater Roman Löschinger aus dem Prämonstratenserkloster Roggenburg ist die Maßnahme schwer nachzuvollziehen.

DOMRADIO.DE: Wie läuft es ab, wenn Sie feststellen, dass Sie im Bildungshaus einen Kurs haben, bei dem Teilnehmer aus Risikogebieten kommen?

Pater Roman Löschinger OPraem (Cellerar und Direktor des Bildungshauses im Kloster Roggenburg): Das ist ja kein utopischer oder konstruierter Fall. Wir haben das jetzt eigentlich täglich. Wir müssen prüfen, woher die Menschen kommen, wir müssen mit dem Veranstalter in Kontakt treten, der diese Gruppe bei uns gebucht hat. Dann müssen wir feststellen, wie die objektive Sachlage ist. Und das ist nicht einfach.

Für eine Gruppe, die aus Esslingen kommt, gilt ein Beherbergungsverbot; für eine Gruppe, die aus Memmingen kommt, wo es ähnlich große Fallzahlen gibt, gilt dieses Beherbergungsverbot nicht prinzipiell. Wir sind da manchmal ratlos. Wir können dann anbieten, dass die Gäste uns Tests vorlegen, aber dann sagt die Gruppe aus Baden-Württemberg, dass sie das gar nicht schaftt, weil der Test nicht älter als 48 Stunden sein darf und die Testsituation überbucht ist.

Dann ist die einzige Möglichkeit, dass sie gar nicht kommen. Das ist für uns wieder ein Debakel, denn wir haben allein im Bildungszentrum in diesem Jahr schon Umsatzeinbußen von 850.000 Euro.

DOMRADIO.DE: Sie leben als Kloster vom Tourismus. Wie hart trifft Sie das Beherbergungsverbot ganz konkret?

P. Roman: Wir müssen einerseits mehr Aufwand betreiben, um jeden Tag festzustellen: Wer kommt woher? Und es trifft uns insofern, als dass wir manchen Gruppen oder Einzelnen absagen müssen.

DOMRADIO.DE: Wie äußert sich das in Zahlen? Im Vergleich von den Übernachtungen, die Sie hatten, und denen, die Sie jetzt nicht haben?

P. Roman: Das sind bestimmt ein paar Hundert. Wir sind an der Grenze zu Baden-Württemberg, das spielt eine Rolle. Ich habe gestern mit meinem Bruder in Frankfurt telefoniert und gesagt: Besuch mich bloß nicht, ich dürfte dich gar nicht reinlassen. Das ist schwer händelbar. Wenn die Politik uns das auferlegt, müssen wir es machen.

Die Frage ist, ob es definitiv begründet ist und wer uns dann hilft, auch die Schäden zu tragen. Bisher waren die staatlichen Hilfen nicht üppig.

DOMRADIO.DE: Sie mussten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon in Kurzarbeit schicken. Bedrohte diese Pandemie auch die finanzielle Existenz des Klosters?

P. Roman: Wir haben von den 120 mitarbeitenden Menschen, die bei uns im Areal arbeiten, derzeit 100 in Kurzarbeit. Für uns ist diese Frage insgesamt bedrohlich. Hätten die Banken unsere Darlehen für die ganze Renovierungstätigkeit, die wir in den letzten Jahren geleistet haben, nicht gestundet, dann wäre die Situation für uns seit April existenzgefährdend. Das ist eine deutliche Krise, wie ich sie mir bisher nie vorstellen konnte.

DOMRADIO.DE: Eine Zeit im Kloster wäre genau das, was viele Menschen jetzt eigentlich bräuchten, um ein bisschen Abstand von dieser Krise zu bekommen, um auf andere Gedanken zu kommen. Und dann ist das für viele nicht möglich. Wie nehmen Sie das wahr?

P. Roman: Wir merken, dass Menschen hungern: nach Konzerten, nach Familienaufenthalten. Aber das ist gerade der schwierige Punkt. Wir haben jetzt Tagesangebote, die händelbar sind, auch mit Familien. Aber mit Familien Wochenenden zu verbringen, da sehen wir durchaus Schwierigkeiten.

Für Einzelne gibt es wieder spezielle Möglichkeiten, aber nicht direkt bei uns im Klostergebäude, wie wir es lange gemacht haben. Das können wir gar nicht anbieten, weil wir uns auch selber schützen müssen.

DOMRADIO.DE: An diesem Mittwoch beraten die Länderchefs und die Bundesregierung über einheitliche Maßnahmen, auch über dieses umstrittene Beherbergungsverbot. Welches Ergebnis würden Sie sich da wünschen?

P. Roman: Wenn es denn wirklich sein muss - das kann ich nur schwer beurteilen - dann wünsche ich mir eine händelbare Sache, die auch wirklich deutschlandweit gilt, wo nicht jedes Bundesland für die eigenen Leute wieder Ausnahmen macht. Es muss irgendeine Nachvollziehbarkeit geben. Das fällt mir zurzeit noch schwer.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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