Michael Hüther
Michael Hüther

27.08.2020

Ökonom warnt im Münsteraner Dom vor Spaltung der Gesellschaft "Seltsame Diskurse" bei der Maskenpflicht

Der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, warnt vor einer gesellschaftlichen Spaltung durch die Corona-Krise. Er kritisierte "seltsame Diskurse", etwa wenn die Maskenpflicht als "Regime der Unfreiheit" abgelehnt werde.

"Die Menschen nehmen wahr, dass der Kontrollverlust zunimmt", sagte er am Mittwochabend bei einem Vortrag im Dom zu Münster.

"Umso mehr muss die Freiheit gesichert und die Spaltung überwunden werden", so Hüther. Um die Sicherheit und Stabilität des öffentlichen Raumes zu gewährleisten, bedürfe es der Bereitschaft, auch die Einschränkung von individuellen Wünschen und Freiheiten zu akzeptieren. Die Anforderungen an den Staat in Bezug auf Sicherheit und Stabilität müssten aber auch realistisch sein.

Der Staat ist nicht ohnmächtig

"Wir müssen unsere Verletzlichkeit und Sterblichkeit mehr in die Mitte des Lebens hinein rücken, statt sie auszublenden und auszugrenzen", forderte Hüther. Handlungsfähigkeit, Nüchternheit und Demut sowie die Einsicht in das Unvollkommene des Wissens und Daseins seien gefragt.

Eine Grenzsituation wie derzeit habe die Gesellschaft lange nicht mehr erlebt, so Hüther. Und das begründe "ein Spannungsproblem" für Politik und Gesellschaft. Der Staat sei aber nicht ohnmächtig, sondern handlungsfähig und habe den Ausnahmezustand im Frühjahr gut gemeistert. Der Wirtschaftsexperte sprach in der Reihe "DomGedanken" zum Thema "Vertrauen trotz Kontrollverlust - Zuversicht in die freiheitliche Ordnung".

"Tal der Tränen bereits verlassen"

Hüther verwies darauf, dass bereits die Finanz- und die Flüchtlingskrise zu einem Vertrauensverlust geführt hätten, der noch nachwirke. Die Corona-Pandemie sei dann "als exogener Schock ohne jede Perspektivenvermittlung" gekommen. Für alle drei Krisen werde die Globalisierung verantwortlich gemacht, was aber den Blick auf das verstelle, was wirklich passiert sei.

"Die Wirtschaftspolitik hat in den letzten Monaten viel richtig und zur rechten Zeit gemacht", lobte Hüther. "Dadurch haben wir das Tal der Tränen bereits verlassen." Gesellschaft und Wirtschaft seien stabil. Allerdings könnten die momentanen Lockerungen als "Abkehr vom Sicherheitsversprechen" wahrgenommen werden. "Geld oder Leben, Arbeit oder Gesundheit ist aber eine falsche Alternative", so der Institutsdirektor. "Beides ist nicht zu trennen."

(KNA)

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