Junge mit Down-Syndrom
Junge mit Down-Syndrom

08.06.2020

Caritas sorgt sich um behinderte Kinder in Corona-Zeiten "Wir befürchten, dass viele in der Krise abgehängt werden"

Für Kinder und Jugendliche mit Behinderung war die Zeit des Lockdowns mit besonderen Herausforderungen verbunden. Die Caritas im Erzbistum Köln fordert, dass man jetzt mehr Klarheit für die kommenden Wochen und Monate schaffen müsse.

DOMRADIO.DE: Wie erging es Kindern und Jugendlichen mit Behinderung in den vergangenen Wochen, als wegen der Corona-Pandemie Schulen und Kindergärten geschlossen waren?

Wanda Spielhoff (Referentin für Behindertenhilfe, Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln): In den letzten acht bis zehn Wochen erging es den Kindern und Jugendlichen mit Behinderung ähnlich wie allen anderen Kindern: Sie waren viel auf sich gestellt, es gab keine Schule, wenig Struktur im Alltag. Und das geht auch noch weiter, es ist ja nicht vorbei.

Aber für Kinder und Jugendliche mit Behinderung war es noch mal deutlich schwieriger, sich selbst zu organisieren, eigenständig zu Hause zu lernen, sich Dinge zu erarbeiten, die ihnen gestellten Aufgaben zu lösen. Dabei hilft ihnen in der Schule ein Schulbegleiter, aber die konnten in den vergangenen Wochen nur begrenzt in den Familien eingesetzt werden. Dadurch waren die Herausforderung noch größer. Wir befürchten, dass viele in der Krise abgehängt werden.

DOMRADIO.DE: Viele Eltern haben sich gewünscht, dass der Schulbegleiter in der Zeit nach Hause kommt und die Kinder und Jugendlichen dort beim Lernen unterstützt. Das ist häufig nicht passiert. Warum?

Spielhoff: Es herrschte zunächst ein Kontakt- und Betretungsverbot an den Schulen, da wollte auch keiner das Risiko eingehen, die Begleiter in die Familien zu lassen. Aber viele Schulbegleitdienste haben regelmäßig Kontakt zu ihnen aufgenommen, haben angerufen, sind mit den Kindern oder Jugendlichen spazieren gegangen und haben versucht, die soziale Situation aufzufangen. Aber natürlich war der Kontakt nicht so intensiv wie sonst in der Schule. Aber die Schulbegleitdienste haben da ein ganz großes Engagement gezeigt und das gemacht, was sie machen durften.

DOMRADIO.DE: Viele Betroffene hatten in den vergangenen Wochen den Eindruck, dass sie in der Debatte um Schulöffnungen kaum vorkamen. Wurden Kinder und Jugendliche mit Behinderung vergessen?

Spielhoff: Das ist richtig: Kinder und Jugendliche mit Handicap hat man in der Diskussion nicht so stark wahrgenommen. Aber hier bei uns und bei den Kostenträgern herrscht schon ein Bewusstsein für Bedürfnisse dieser Zielgruppe und man hat versucht, viel für diese zu erreichen und ihnen Angebote zu machen. Aber es gibt natürlich in den Kommunen im Moment einen enorm großen Bedarf, alle möglichen Fragestellungen zu regeln: Die Städte und die Schulen waren ja schon mit dem klassischen System überfordert. Und da wurden diese besonderen Bedürfnisse wohl als Randgruppe wahrgenommen, was natürlich nicht stimmt.

DOMRADIO.DE: Falls es eine zweite Corona-Welle gibt: Was muss besser werden?

Spielhoff: Ich hoffe, dass man dann besser vorbereitet ist, dass Schulbegleiter dann auch die Kinder und Jugendlichen im Homeschooling unterstützen dürfen und das auch finanziert wird. Das sollte dann auch schneller geklärt werden.

Wir haben aktuell das Problem, dass wir gar nicht wissen, wie es nach den Sommerferien weitergeht: Keiner kann sagen, ob es dann wieder den klassischen Schulunterricht gibt oder nur einige Präsenz-Tage und wie Schulbegleiter da eingesetzt werden. Das sind Leistungen, die von den Kommunen bewilligt werden und wir erleben aktuell, dass es im Moment keine Bewilligungen gibt, weil unklar ist, wie es im nächsten Schuljahr weitergeht.

Aber es ist wichtig, dass es eine Klarheit gibt, ob der Vertrag der Schulbegleiter nach den Ferien verlängert werden kann oder nicht. Sonst können wir auch dieses Angebot nicht mehr anbieten und dann lassen wir die Kinder zurück, weil sie dann keine Unterstützung mehr bekommen.

Das Interview führte Ina Rottscheidt.

(DR)

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