Essensausgabe für Bedürftige in Madrid
Essensausgabe für Bedürftige in Madrid
Lebensmittelausgabe in Madrid
Lebensmittelausgabe in Madrid

31.05.2020

In Spanien wächst die Armut durch Corona Madrid führt "minimales Grundeinkommen" ein

Schon vor der Corona-Krise lebten viele Spanier am Rand der Armut. Durch die Pandemie eskaliert die Lage - Jobverluste machen Zigtausende Familien mittellos. Die Kirche versucht zu helfen; die Politik wacht langsam auf.

Die Schlange vor der Madrider Pfarrkirche San Ramon Nonato erscheint endlos. Rund 1.300 Menschen stehen hier täglich für die Armenspeisung an. "Seit Ausbruch der Pandemie hat sich die Zahl der Menschen fast vervierfacht", berichtet Pfarrer Jose Manuel Horcajo. Barcelona, Valencia, Sevilla - in fast allen spanischen Großstädten wachsen derzeit die Menschenmengen vor Tafeln und Suppenküchen.

Besonders schlimm sind die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und des Alarmzustands mit strikten Ausgangssperren in Madrid. Fast 100.000 Menschen stehen in der Hauptstadt täglich vor Kirchen und sozialen Einrichtungen für Lebensmittelspenden an. Die Caritas verzeichnet in einigen Diözesen sogar bis zu 70 Prozent mehr Bedürftige, die um Nahrung bitten.

Mit knapp 238.000 Infektionsfällen und mehr als 27.000 Toten gehört Spanien zu den am schwersten betroffenen Länder weltweit. Im Zuge der Krise und des Alarmzustands verloren bereits merh als eine Million Menschen ihre Arbeitsstelle. In über 1,1 Millionen Haushalten hat kein einziges Familienmitglied mehr Einkünfte. Mittlerweile leiden fast vier Millionen Spanier unter Armut; die Hälfte davon sind Kinder.

Strukturproblem in Spaniens sozialem Netz

"Ohne Organisationen wie die Caritas hätten viele gar nichts mehr zu essen. Wenn es noch keine sozialen Unruhen gegeben hat, dann ist das einzig der Arbeit solcher Vereinigungen zu verdanken", sagt der Finanzexperte Luis Garvia von der Katholischen Comillas-Universität Madrid im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Dass die Armut mit dem Corona-Ausbruch derart zunehme, zeige vor allem ein großes Strukturproblem in Spaniens sozialem Netz. Nach der Finanzkrise vor zehn Jahren habe man Banken und Unternehmen gerettet, aber kaum etwas für die sozial Schwachen in der Gesellschaft getan, meint Garvia: "Der Staat hat die Hilfe für die Ärmsten der Armen viel zu lange auf Organisationen wie Caritas oder das Rote Kreuz geschoben."

"Minimales Grundeinkommen"

Bis jetzt zumindest. Denn am Freitag verabschiedete die Zentralregierung von Ministerpräsident Pedro Sanchez, angetrieben durch die wirtschaftlichen Folgen von Corona, ein sogenanntes "minimales Grundeinkommen", vergleichbar mit Hartz IV in Deutschland.

Mit diesem Grundeinkommen, das ab Juni ausgezahlt wird und für das der Staat jährlich drei Milliarden Euro zur Verfügung stellen will, sollen rund 850.000 hilfsbedürftige Haushalte unterstützt werden.

Alleinstehende erhalten mindestens 462 Euro im Monat, Familien mit Kindern bis zu 1.015 Euro. Spaniens linker Sozialminister Pablo Iglesias kündigte am Freitag an, die Maßnahme könne bis zu 1,6 Millionen Menschen aus extremer Armut holen.

Budget wird kaum ausreichen

"Zweifelsohne eine gute Nachricht. Die Maßnahme geht in die richtige Richtung und ist absolut notwendig", sagt Caritas-Soziologe Guillermo Fernandez Maillo der KNA. Dennoch befürchtet er, dass das Budget von drei Milliarden kaum ausreicht. Auch müsse man abwarten, wie die Zugangsbedingungen aussehen. "In der Vergangenheit waren die bürokratischen Hürden für soziale Soforthilfen oft viel zu hoch", so der Armutsforscher. Jüngste Umfragen geben ihm Recht. 300.000 Personen haben demnach wegen bürokratischer Probleme immer noch nicht ihr Kurzarbeitergeld erhalten.

"Drei Monate ohne oder nur mit minimalen Einkünften sind zu viel für viele Familien ohne irgendwelche Ersparnisse. Nicht alle haben sich von der Finanzkrise vor zehn Jahren erholt, lebten schon vor der Corona-Krise am Limit. Die Menschen brauchen die Unterstützung, aber schnell. Die Armut sitzt tief", so Maillo.

Das minimale Grundeinkommen könne nur eine Art "Rettungsschirm" für die Ärmsten sein, meint Finanzexperte Garvia. Wie der Caritas-Sprecher fordert auch er eine grundlegende Arbeitsmarktreform. Es gebe viel zu viele prekäre Arbeitsverträge, gerade für Jugendliche. Auch müsse die Abhängigkeit von saisonbedingten Jobs im Tourismus- und Gastronomiegewerbe reduziert und das soziale Netz verstärkt werden. "Das neue minimale Grundeinkommen ist ein guter Anfang. Er zeigt, dass die Regierung den Kampf gegen Armut offenbar ernsthafter angehen will."

Manuel Meyer
(KNA)

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