Podcast: Himmelklar - Fürchtet Euch nicht
Podcast: Himmelklar - Fürchtet Euch nicht
Magdalena Thiele – Bloggende Journalistin
Magdalena Thiele – Bloggende Journalistin

06.04.2020

Katholischer Podcast: "Himmelklar – Fürchtet Euch nicht!" Magdalena Thiele: "In dieser Zeit sind Gesten viel wichtiger als vorher"

Rom steht still, auch an den Kar- und Ostertagen. Magdalena Thiele bloggt für Vatican News aus einer Stadt, wo im Moment nichts so ist, wie es sein sollte. Was Ostern angeht ist sie nicht ganz ratlos, erzählt sie in der ersten Folge des neuen Podcasts.

DOMRADIO.DE: Du hast Dich bewusst dazu entschieden in Rom zu bleiben und nicht nach Berlin zurückzufliegen, auch wenn Du dort nichts machen kann, weil in Rom alles geschlossen ist.

Magdalena Thiele (Bloggende Journalistin aus Berlin, zurzeit in Rom): Ich muss Dich gleich korrigieren. Es ist nicht so, dass ich hier nichts machen kann. Ich bin die meiste Zeit im Home-Office, was ich etwas schade finde. Ich kann aber auf die Straße gehen, mit Leuten sprechen und ich mache einfach das beste daraus. Journalistisch arbeiten kann man hier auf jeden Fall. Ich fühle mich nicht so, als ob ich nichts machen könnte.

DOMRADIO.DE: Wenn Du auf die Straße gehst, wie erlebst Du die Situation? In den Medien sieht man Bilder von menschenleeren Straßen.

Thiele: Ja, das stimmt. Ich wohne hier in einer relativ großen Straße und ich kann rausgehen ohne auf Autos zu achten, weil nur selten eines vorbeifährt. Ich treffe aber auch auf Menschen. Viele hier im Viertel haben kein Auto und gehen daher zu Fuß zum Supermarkt. Man sieht sich, aber es herrscht eine komische Stimmung.

DOMRADIO.DE: Wie ist es mit dem Sicherheitsabstand?

Thiele: Es halten sich leider nicht alle daran. Ich bin erst gestern von der Polizei daran erinnert worden, dass wir einen Sicherheitsabstand einhalten müssen. Ich war mit meinem Mitbewohner zum Supermarkt gegangen und wir hatten die vorgeschriebenen zwei Meter nicht eingehalten. Was ich sehr schön finde ist, dass ich in den letzten Tagen viele Gespräche mit mir völlig fremden Menschen in der Supermarktschlange geführt habe. In den ersten Tagen war das nicht so. Da hat man einfach nur gewartet und geschaut, was passiert. Jetzt nutzt man die Situation während man mit Abstand in der Schlange wartet, um ins Gespräch zu kommen.

DOMRADIO.DE: Du hast vorhin von einer komischen Stimmung gesprochen. Wie würdest Du sie beschreiben?

Thiele: Ausgestorben, ruhig und abwartend. Niemand weiß, was passieren wird. Es ist nicht das Rom, was man sonst kennt. Mein Rom ist lebendig und quirlig, überall sind Geräusche. Nun ist der Großstadttrubel weg und man fühlt sich als wäre man auf dem Land.

DOMRADIO.DE: Du wärest jetzt normalerweise in der deutschen Redaktion von Radio Vatikan und Vatican News. Ihr arbeitet nun alle von zu Hause aus. Wie ist das zu koordinieren?

Thiele: Ich glaube, dass wir das ganz gut koordinieren. Wir sprechen uns viel ab, machen Videokonferenzen und rufen einander oft an. Das klappt bisher ganz gut. Am Anfang war es ein technischer Aufwand, aber mittlerweile läuft es gut. Das macht natürlich nicht so viel Spaß, als wenn man gemeinsam in der Redaktion ist, sich abspricht, zusammen zu Mittag isst und zusammen journalistisch tätig sein kann. Dennoch funktioniert es gut.

DOMRADIO.DE: In den ersten Tagen hast Du aber noch in der Redaktion gearbeitet, oder?

Thiele: Richtig. Ich bin seit Mitte März im Home-Office. In den ersten Tagen haben wir noch versucht, ganz normal in der Redaktion zu arbeiten und den Betrieb dort aufrechtzuerhalten. Irgendwann war das aufgrund der Lage hier nicht mehr möglich.

DOMRADIO.DE: Wie war das denn für Euch in den Tagen der Ungewissheit Anfang März? Wir wussten ja auch nicht, ob wir morgen noch auf die Straße gehen können. Bei Euch in Italien sind die Regelungen strenger. Wie hat sich das denn entwickelt?

Thiele: Wir haben wirklich nur von Tag zu Tag planen können. Wir wussten, dass sich die Situation täglich ändert. Ich war tatsächlich etwas naiv und habe lange nicht an die Ausgangssperre geglaubt.  Ich konnte mir das einfach nicht vorstellen. Man hat morgens immer die Nachrichten geschaut und hat gewartet, was nun anders ist. Man hatte einfach keine Planungssicherheit.

DOMRADIO.DE: Du bist ja eigentlich im und rund um den Vatikan unterwegs. Bist Du da in den letzten Tagen und Wochen noch reingekommen oder machst Du alles komplett von zu Hause aus?

Thiele: In der zweiten Märzwoche war ich noch im Vatikan. Da waren die Regelungen noch etwas lockerer. Im Moment kann ich nicht mehr in den Vatikan. Leider ist momentan alles geschlossen und wer nicht unbedingt irgendwo hin muss, der kommt auch nirgendwo rein. Es ist schön, dass man noch in die Kirchen gehen kann. Ich war letzte Woche in Santa Maria Maggiore, wo der Papst gebetet hat. Auch die kleinen Kirchen sind geöffnet. Das ist auch ganz wichtig für die Menschen hier. Ich sehe hier viele Menschen in den Kirchen. Sobald sie geöffnet werden, nutzen immer einige die Gelegenheit zum Beten. Und das tut auch mir gut.

DOMRADIO.DE: Ich habe ja zu Anfang gesagt: Dieser Moment, auf den die ganze Welt geschaut hat. Der Papst steht mit der Monstranz auf dem leeren Petersplatz im Regen und segnet die Stadt und den Erdkreis. Das hat es in dieser Form noch nie gegeben. Wie hast Du das denn erlebt?

Thiele: Ehrlich gesagt war es ganz schrecklich. Ich fand es ganz furchtbar zu sehen, dass da niemand ist und der Platz leer ist. Das hat mich zwar geschockt, aber ich habe es mir trotzdem angeschaut und fand es auch schön. Die Worte, die der Papst gewählt hat waren sehr ergreifend und treffend. Es hat mich aber auch traurig gemacht, weil ich eine solche Situation nicht erwartet hatte. Ich glaube aber, dass man sich darauf nicht vorbereiten kann.

DOMRADIO.DE: Findest Du das denn die richtige Geste in so einer Zeit?

Thiele: Ja, ich denke schon. In dieser Zeit sind Gesten viel wichtiger als vorher. Die Menschen schauen nach Rom. Viele Christen beobachten den Papst sehr genau und erhoffen sich Unterstützung von ihm. Ein Zeichen des aneinander Denkens ist in diesen Tagen ganz wichtig.

DOMRADIO.DE: Wie hast Du das journalistisch verarbeitet?

Thiele: Ich darf einen Blog schreiben und berichte dort täglich auf der deutschen Homepage von Vatican News über meine Eindrücke und Erlebnisse. Ich habe auch darüber geschrieben, dass ich den Papst auf dem leeren Petersplatz gesehen habe. Ich habe geschrieben, dass es ein lachender und gleichzeitig ein weinender Moment war. Ich war froh, ihn zu sehen und ich fand es schön, dass er den Segen gespendet hat. Auf der anderen Seite war ich wirklich traurig, weil für mich auf den Petersplatz ganz viele Menschen gehören. Wenn der Papst sich dort zeigt, freuen sich die Menschen und gehen dort gerne hin. Das ist nun leider nicht möglich. Ich weiß nicht, ob das momentane Verbot richtig ist, aber wenn es so ist, dann ist es in jedem Fall traurig.

DOMRADIO.DE: Wie wird es jetzt bei Dir weitergehen? Du sagst, dass Du von Tag zu Tag lebst, aber Du hast wahrscheinlich ein Enddatum, wann es wieder zurück nach Deutschland geht, oder?

Thiele: Ja, ich bin noch den ganzen April hier und werde sehen, wie sich die Dinge entwickeln. Ich plane wirklich von Tag zu Tag. Was heute geplant ist, kann morgen anders sein. Hier in Rom ist wirklich gerade gar nichts sicher. Ich plane erst einmal bis zu den Ostertagen und nehme die Feierlichkeiten in den Blick. Dann schaue ich weiter.

DOMRADIO.DE:  Hast Du schon eine Idee, wie Du Ostern verbringst? Ich bin ehrlich gesagt noch komplett ratlos.

Thiele: Ich bin nicht ganz ratlos. Ich feiere Ostern für mich, denn Ostern ist für mich ein Fest des Glaubens. Ich freue mich über die Auferstehung Christi. Ich werde mich damit beschäftigen und verbringe ein schönes Fest, egal ob hier Ausnahmezustand herrscht oder nicht. Ich hänge wenig an Ritualen und Äußerlichkeiten. Ich muss nicht an einem bestimmten Ort sein oder bestimmte Dinge tun. Da brauche ich keine Traditionen. Mir ist wichtig, dass ich das Fest feiern kann mit den Menschen die mich lieben und die ich liebe. Da möchte ich mit ihnen in Verbindung stehen.

Es ist dieses Jahr kein ganz normales Osterfest, weil ich normalerweise in die Kirche gehe. Das werde ich hier versuchen auch zu tun und zu beten. Außerdem werde ich mir die Übertragungen aus dem Vatikan anschauen und werde sehen, was ich dazu beitragen kann. Auf jeden Fall möchte ich das journalistisch begleiten. Darauf freue ich mich schon sehr. Das war auch eines der großen Dinge, die ich hier während meines Praktikums vorhatte. Ostern im Vatikan zu verbringen und das journalistisch auch zu verarbeiten. Das werde ich jetzt unter etwas anderen Umständen machen, aber ich freue mich trotzdem darauf.

DOMRADIO.DE: Magdalena, ich habe noch zwei Abschlussfragen für Dich. Die erste Frage ist: Wo bekommst Du im Moment Dein Toilettenpapier her?

Thiele: Das bekomme ich ganz normal im Supermarkt. Ich weiß nicht, was da in Deutschland los war. Hier gibt es zu jeder Zeit genug Toilettenpapier. Das ist hier absolut kein Problem. Ich muss zwar manchmal eine Stunde lang dafür anstehen, aber es ist da.

DOMRADIO.DE: Das ist fast schon eine Antwort auf die zweite Frage. Was bringt Dir Hoffnung in solchen Tagen?

Thiele: Was mir Hoffnung bringt ist einfach, dass ich an Gott glauben kann. Ich glaube wirklich, dass er da ist und alles einen Sinn ergibt. Wir müssen frohen Mutes nach vorne blicken und wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott dabei ist und uns unterstützt. Es wird am Ende alles gut. Es wird zwar vielleicht anders, als wir erwartet haben, aber es wird gut.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.    

(DR)

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