Wohnungslose werden ab 2022 bundesweit erfasst
Ein Wohnungsloser auf einer Treppe

31.03.2020

Wohnungslosenhilfe warnt vor Corona-Ausbreitung bei Obdachlosen "Viele gehören zur Risikogruppe"

Sie malen ein düsteres Bild der Situation: Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe warnt vor vermehrten Corona-Infektionsfällen unter Obdachlosen und Helfern in den Hilfsorganisationen.

"Wohnungslosigkeit - ob auf der Straße, in einer Unterkunft, immer kurz bei Bekannten oder im Abbruchhaus - ist ohnehin ein Leben in einer Extremsituation", sagte die Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W), Verena Rosenke, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (Dienstag). "Viele gehören zur Risikogruppe, da sie an Krankheiten leiden."

Zusätzliche Räumlichkeiten nötig

Sie forderte, dass Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe besser ausgestattet werden sollten - mit Gesichtsmasken, mit Desinfektionsmitteln, mit Handseifen, mit Schutzkleidung - um bestimmte Dienste überhaupt noch leisten zu können.

"Ich hoffe, dass die Ausrüstung kommt, bevor die Situation in den Einrichtungen möglicherweise eskaliert. Wenn es hier zu Infektionen kommt, droht ein Katastrophenszenario, das ich mir nicht ausmalen will." Viele Kommunen dächten derzeit nicht an solche Notfälle, sagte sie. "Dafür braucht man einfach zusätzliche Räumlichkeiten, um die Enge in Tagesaufenthalten zu entzerren."

Rosenke, die auch Vize-Sprecherin der Nationalen Armutskonferenz ist, wies darauf hin, dass viele ehrenamtliche Helfer in den Sozialeinrichtungen selbst zur Corona-Risikogruppe gehörten und zu Hause bleiben müssten. Das erhöhe den Druck auf die Mitarbeiter. "Die Wohnungslosenhilfe muss Teil der kritischen Infrastruktur werden. Die Einrichtungen können jetzt nicht auf Personal verzichten, weil sich diese Leute um ihre Kinder kümmern müssen."

Düsteres Bild der Situation für Obdachlose

Rosenke zeichnete ein düsteres Bild von der Situation für Obdachlose in der Corona-Krise: "Die ohnehin äußerst schwierige Lebenssituation Wohnungsloser hat sich durch Corona noch einmal drastisch verstärkt.

Flaschen sammeln, Straßenzeitungen verkaufen, betteln - all das kann nun kaum noch zum Einkommen beitragen. Man darf nicht vergessen: Viele erhalten nicht einmal das Arbeitslosengeld 2, weil sie keine Anträge gestellt haben oder es nicht ohne Unterstützung schaffen. Die Situation ist ziemlich aussichtslos."

(KNA)

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