Da war die Kirche noch offen: Betende Frau in der Geburtskirche in Bethlehem
Betende Frau in der Geburtskirche in Bethlehem
Georg Röwekamp
Georg Röwekamp

26.03.2020

Über die Situation in Jerusalem während der Corona-Krise "Die Stille hat auch etwas Unheimliches"

Bethlehem ist vollständig abgeriegelt und in Jerusalem sind die Straßen menschenleer. "Etwas, was ich noch nie erlebt habe", veranschaulicht Georg Röwekamp vom Deutschen Verein vom Heiligen Land im Interview.

DOMRADIO.DE: Die Zeit vor Ostern ist ja die Zeit, in der sich normalerweise viele Pilger ins Heilige Land nach Israel aufmachen. Dieses Jahr ist das nicht möglich. Was hat das für Auswirkungen auf das Land und auf den deutschen Verein vom Heiligen Land, der solche Pilgerreisen organisiert? Das Land, in dem die Bibel lebendig wird, heißt es ja so oft, wenn man von Israel spricht. Was ist denn in diesen Wochen von dieser Lebendigkeit bei Ihnen in Jerusalem zu spüren? 

Dr. Georg Röwekamp (Leiter des Jerusalem Büros des Deutschen Vereins vom Heiligen Land): Davon ist leider gar nichts zu spüren. Die Stadt Jerusalem ist vollkommen leer. Ich lebe hier direkt am Rande der Altstadt. Sie ist auf den ersten Blick wohltuend still, aber diese Stille hat auch etwas Unheimliches, denn es bedeutet, dass gar keine Pilger und gar keine Besucher da sind. Die Grabeskirche ist leer, die Geburtskirche in Bethlehem, das vollkommen abgeriegelt ist, ist auch leer. So wird das auch am Palmsonntag, in den Kar- und Ostertagen sein. Die berühmte Zeremonie des Heiligen Feuers in der Grabeskirche wird ohne Gläubige stattfinden. Das hat es seit Menschengedenken nicht gegeben. 

DOMRADIO.DE: Ist die Grabeskirche noch offen? 

Röwekamp: Sie ist noch offen, aber es sind eben keine Menschen dort. (Anm. d. Red.: Mittlerweile haben sich die Bestimmungen erneut geändert. Die Grabeskirche ist geschlossen; siehe auch die Infobox zu diesem Artikel) Ich bin letzte Woche, kurz bevor zweckfreie Besuche unter Strafe gestellt wurden, noch einmal dort gewesen und war ganz allein in dieser Kirche. Etwas, was ich noch nie erlebt habe. 

DOMRADIO.DE: Was heißt zweckfreie Besuche und Grabeskirche in dem Zusammenhang? 

Röwekamp: Auch hier gibt es strenge Ausgangsbeschränkungen. Ab heute Nachmittag ist es nur noch erlaubt, sich im Umkreis von hundert Metern von der eigenen Wohnung zu bewegen und Einkäufe zu machen, in Lebensmittelläden oder in Apotheken oder sich medizinisch betreuen zu lassen. Alles andere ist untersagt. Das bedeutet natürlich auch, dass schon seit längerem religiöse Versammlungen in größeren Gruppen verboten sind. Da sind eigentlich alle Gänge auch zum Beispiel in Kirchen nicht mehr abgedeckt von dem, was erlaubt ist.

DOMRADIO.DE: Weiß man denn schon, wie Ostern in Jerusalem aussehen könnte? 

Röwekamp: Nein. Natürlich wird es von den Klerikern in den Klöstern, die sich bei den Kirchen befinden, Feiern geben. Aber es wird eben keine öffentlichen Feiern geben, an dem Ort, wo alles angefangen hat. 

DOMRADIO.DE: Sie sind Leiter des Büros des Deutschen Vereins vom Heiligen Land. Das heißt, normalerweise organisieren Sie um diese Zeit Pilgerreisen. Was bedeutet das jetzt für Sie? Haben Sie viel Freizeit? 

Röwekamp: Im Moment kann ich das von mir persönlich noch nicht sagen. Es gibt so viele Dinge zu organisieren, denn wir sind ja eben nicht nur ein Reiseveranstalter. Diese Tätigkeit ruht tatsächlich. Aber wir betreuen Einrichtungen hier im Lande. Wir haben ein Altenheim in Emmaus Qubeibeh, wo wir alte, behinderte Frauen betreuen. Da müssen wir allein dafür sorgen, dass das Geld für die Gehälter dorthin kommt. Viele Menschen geraten jetzt einfach in Not. Die sind von den Pilgern, von den Besuchern und Besucherinnen abhängig. Die werden jetzt wahrscheinlich für Wochen und Monate überhaupt kein Einkommen haben. 

DOMRADIO.DE: Ausgerechnet in dieser Zeit entfällt jetzt auch noch die Palmsonntagskollekte, durch die Sie ja den Großteil Ihrer Projekte und eigenen Einrichtungen finanzieren. Was machen Sie denn jetzt? 

Röwekamp: Das ist wirklich ein großer Einschnitt für uns. Jedes Jahr seit Jahrzehnten spenden die deutschen Katholiken mit der Palmsonntagskollekte für die Christen im Heiligen Land - diese kleine Minderheit von ein bis zwei Prozent, die wir versuchen, hier zu betreuen. Das fällt ausgerechnet in diesem Jahr weg, da die Gottesdienste nicht stattfinden können. Wir versuchen jetzt, die Menschen zu überzeugen, dass sie gerade in diesem Jahr das Heilige Land und die Menschen dort nicht vergessen. Sie können online mit einer Überweisung spenden. Alle wesentlichen Informationen kann man unter www.palmsonntagskollekte.de finden. Wir hoffen, dass das gelingt. Nicht unseretwegen, sondern wegen der Menschen, die hier einfach dadurch in Not geraten. 

DOMRADIO.DE: Kann man eigentlich ganz optimistisch sein in diesen Zeiten? Viele Menschen zeigen ja Solidarität, vielleicht auch jetzt bezüglich Palmsonntagskollekte bei Ihnen online. Wie ist das in Jerusalem? Haben Sie da auch schon Beispiele erlebt von großer Solidarität? 

Röwekamp: Ja, wir sind Mitglied eines Netzwerkes der katholischen Hilfsorganisationen, die gerade heute Morgen wieder getagt haben und sich überlegt haben, was man tun kann und muss? Gerade für die Gegend Bethlehem, die ganz abriegelt ist, aber zum Beispiel auch für die ganzen Flüchtlinge und Migranten, die überhaupt nicht ins Sozialsystem hier integriert sind. Viele Christen aus Äthiopien und aus Eritrea. Da gibt es interessante Initiativen. In Bethlehem helfen die Pfadfinder bei der Verteilung von Lebensmittelpaketen. Auch da rückt die Gemeinschaft zusammen. Wir hoffen dass das nicht nur hier vor Ort passiert, sondern auch weltweit so ist, wie es einst zu Zeiten des Neuen Testaments war, als schon Paulus für die Armen in Jerusalem gesammelt hat. So versuchen wir es auch diesmal auf neuen Wegen.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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