UN und Vatikan erinnern an Opfer religiöser Verfolgung
Ikonen auf dem Altar einer teilweise zerstörten Kirche im Nordirak

13.01.2021

Zahl der weltweit getöteten Christen stark angestiegen Traurige Statistik

Die Zahl der Christen, die weltweit wegen ihres Glaubens getötet wurden, hat einem Bericht zufolge zuletzt stark zugenommen. Das ist das Ergebnis des nun veröffentlichten Weltverfolgungsindex 2021 der Hilfsorganisation Open Doors.

Seien im Zeitraum 2018/19 noch 2.983 Fälle dokumentiert worden, waren es zwischen Oktober 2019 und September 2020 mindestens 4.761, darunter mehr als 90 Prozent in Afrika, heißt es in dem Report.

Zu beobachten sei eine weiter zunehmende Intensität der Christenverfolgung, die auch durch die Corona-Epidemie und damit verbundene Diskriminierungen, Reise- und Ausgehverbote begünstigt werde. Weltweit sind demnach mehr als 340 Millionen Christen einem hohen bis extremen Maß an Verfolgung ausgesetzt.

Angriffe in Afrika

Besonders in Westafrika und der Sahelregion haben Angriffe islamistischer Gruppen auf Christen und ihre Kirchen laut Bericht stark zugenommen. In Nigeria seien mit 3.530 die meisten Christen getötet worden, der Großteil von April bis August 2020, als das Land wegen der Pandemie abgeriegelt war.

Der Weltverfolgungsindex enthält eine Rangliste von 50 Ländern mit der stärksten Christenverfolgung. Zum 20. Mal in Folge steht Nordkorea auf Rang 1. Auf den Rängen 2 bis 10 folgen Afghanistan, Somalia, Libyen, Pakistan, Eritrea, Jemen, Iran, Nigeria und Indien.

China ist seit 2018 von Rang 43 auf aktuell Rang 17 des Index gestiegen. Open Doors verweist auf die immer stärkere digitale Überwachung der Bürger unter Staatschef Xi Jinping. Seit 2013 habe das Regime rund 18.000 Kirchen oder kirchliche Einrichtungen schließen oder zerstören lassen, sagt Markus Rode, Leiter von Open Doors Deutschland.

Religiöser Nationalismus

In Indien sowie der Türkei macht die Hilfsorganisation religiösen Nationalismus für eingeschränkte Religionsfreiheit verantwortlich.

Unter der hindunationalistischen Regierung von Indiens Premierminister Narendra Modi habe sich die Anzahl der gemeldeten Übergriffe gegen Christen zwischen 2014 und 2018 verfünffacht. Im September beschlossene Einschränkungen für Nichtregierungsorganisationen sorgten dafür, dass Tausende von Christen geführte Krankenhäuser, Schulen und Initiativen keine Spenden mehr aus dem Ausland erhalten dürften.

Mit Blick auf die Türkei wirft die Hilfsorganisation Präsident Recep Tayyip Erdogan vor, die Religionsausübung zu behindern, etwa durch Verweigerung der Aufenthaltsgenehmigung von ausländischen Geistlichen oder Mitarbeitern.

Durch die türkische Militäroffensive im Nordirak würden abermals viele jener Christen vertrieben, die ab 2014 vor dem IS aus der Ninive-Ebene in die Region Dohuk geflohen waren. Im Nordosten von Syrien hätten islamistische Söldner unter Führung der Türkei viele Christen vertrieben.

Heribert Hirte, Vorsitzender des Stephanuskreises in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, erklärte, der Bericht zeige direkte Handlungsempfehlungen für die deutsche Außenpolitik und stelle erneut die Fragen nach ihren Prioritäten. Insbesondere die strukturelle Missachtung der Menschenrechte in China werde zu einer Herkulesaufgabe für die internationale Staatengemeinschaft. "Die Situation von verfolgten und bedrohten Christen weltweit sollte auch vom Auswärtigen Amt thematisiert werden."

Christoph Arens
(KNA)

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