Flüchtling hält Kreuzanhänger in der Hand
Das Kreuz in der Hand

11.01.2017

Zweifel an Zahlen zu "Verfolgungsindex" "Nur zum Teil nachvollziehbar"

Das international tätige Gustav-Adolf-Werk hat sich skeptisch zum Open-Doors-"Weltverfolgungsindex 2017" zur Zahl verfolgter Christen geäußert. Man habe die Verdoppelung der Zahl um 100 Millionen mit Verwunderung wahrgenommen.

Das sagte GAW-Generalsekretär Enno Haaks gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Nach den am Mittwoch veröffentlichten Erhebungen des evangelikalen Hilfswerks Open Doors hat sich die Zahl der verfolgten Christen in den vergangenen Jahren auf 200 Millionen verdoppelt.

Positiv sei, "dass es Open Doors gelungen ist, auf die Situation von verfolgten Christen hinzuweisen, die in bestimmten Kontexten unter problematischen Bedingungen wirklich existieren", fügte Haaks hinzu. Aber er bezweifele, dass es bei den genannten Zahlen immer um eine konkrete Christenverfolgung geht. Oft gehe es darum, dass Christen in ihrer Religionsausübung beschränkt sind oder keine Religionsfreiheit haben. Dann gehe es meist auch gesamtgesellschaftlich um die Verletzung von anderen Menschenrechten, um die Verletzung von Bewegungsfreiheit, die freie Meinungsäußerung, um das Recht auf Bildung für Minderheiten oder andere entsprechende Themen.

Katholisch geprägte Länder auf der Liste

Als Beispiele nannte Haaks Mexiko und Kolumbien, die auf der Liste des "Weltverfolgungsindex 2017" stehen: "Das sind katholische Länder, wo werden da Christen verfolgt?" fragte Haaks. Dort gehe es darum, dass Menschen unter der Gewalt von bewaffneten Konflikten oder dem sogenannten Krieg gegen Drogen leiden und der damit verbundenen Aushöhlung staatlicher Strukturen. Da würden Christen von ihrem Land vertrieben, aber da "geht es nicht um Christenverfolgung, da geht es um massive Ungerechtigkeiten und Gewaltstrukturen". Da würden Menschen verfolgt, aber nicht, weil sie Christen sind. "Mir ist nicht klar, wie die Zahlen zusammenkommen und wie denn diese Liste zusammenkommt", sagte Haaks.

Er plädierte dafür, zum Begriff Verfolgung internationale Standards heranzuziehen wie etwa die Genfer Flüchtlingskonvention. Man müsse sich jedes einzelne Land genau anschauen, betonte er. Open Doors sei allerdings stark beim Thema Religionswechsel, beim Thema christliche Konvertiten besonders im islamischen Umfeld, sagte der GAW-Generalsekretär. Da habe Open Doors recht, "den Finger in die Wunde zu legen".

Das 1832 in Leipzig gegründete Gustav-Adolf-Werk ist das älteste evangelische Hilfswerk in Deutschland. Es hilft religiösen Minderheiten weltweit. Partner sind protestantische Minderheitskirchen in Europa, Lateinamerika und Zentralasien. Das Werk hilft beim Gemeindeaufbau, bei der Renovierung, beim Neubau von Kirchen, bei sozialdiakonischen und missionarischen Aufgaben und bei der Aus- und Weiterbildung von kirchlichen Mitarbeitern.

Stephan Cezanne
(epd)

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