Symbolbild: Dokumente auf einem Schreibtisch
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Johannes-Wilhelm Rörig
Johannes-Wilhelm Rörig
Opfervertreter Katsch: "Wir müssen weg von dem Begriff der Anerkennungszahlungen"
Matthias Katsch

19.06.2021

Geteiltes Echo auf Veröffentlichung von Missbrauchs-Gutachten "Seltsame Veröffentlichung"

Die Bekanntgabe des bislang unveröffentlichten Teils des Missbrauchs-Gutachtens für das Erzbistum Berlin hat ein geteiltes Echo ausgelöst. Kritisiert wurden unter anderem mangelder Aufklärungswille und die spontane Veröffentlichung.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, erklärte am Freitag, es sei "ein wichtiger und weiterer richtiger Schritt" hin zu "ungeschwärzter Transparenz" bei einer unabhängigen Aufarbeitung von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im katholischen Kontext.

"Die konstruktive und dankenswerte Kritik von katholischen Laien, Betroffenen und der Medien ist maßgeblich für aktuelle Fortschritte bei der Aufarbeitung", betonte Rörig.

Kritik von Betroffenen-Initiative "Eckiger Tisch"

Die Betroffenen-Initiative "Eckiger Tisch" dagegen bezeichnete die "kommentarlose Veröffentlichung" am selben Tag auf der Homepage des Erzbistums Berlin als "etwas seltsam". Das zeige, wie schwer den Verantwortlichen der Umgang mit Opfern und Aufarbeitung falle, sagte der Sprecher des "Eckigen Tisches", Matthias Katsch. Dies betreffe etwa die Geistlichen aus Ordensgemeinschaften, die auf dem Gebiet des Erzbistums tätig seien.

Katsch nannte unter anderem den "Serientäter" des Jesuitengymnasiums Canisius-Kolleg, Peter R., sowie wie die nicht genannten Täter Wolfgang S. und Peter E., die auch in der Jugendarbeit des Erzbistums eine Rolle gespielt hätten

"Mangelnde Aufklärungsbereitschaft"

Ein weiteres Beispiel sei ein vom Salesianerorden in Berlin-Kladow betriebenes Kinderheim, in dem es mehrere Beschuldigte gegeben habe. "Hier ist dringend eine Verschränkung der Aufarbeitungsbemühungen mit den jeweiligen Ordensgemeinschaften nötig", forderte Katsch. In einem anderen Fall eines Angehörigen des Kamillianerordens zeige sich die "mangelnde Aufklärungs- und Mitwirkungsbereitschaft sehr deutlich".

Auch der Umgang mit den Pfarrgemeinden, die über Missbrauch oft im Unklaren gelassen worden seien, müsse "dringend angeschaut werden", forderte Katsch. Die jetzt zur Verfügung stehenden Informationen gäben Gelegenheit für eine umfassende Aufklärung vor Ort.

442 unpublizierte Seiten veröffentlicht

Der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin begrüßte die Veröffentlichung. Damit entspreche die Bistumsleitung einer Forderung der höchsten Laienvertretung im Erzbistum. Die im Gutachten geforderten Konsequenzen müssten bis nach dem Sommer in einem Maßnahmenplan mit Zielvorgaben veröffentlicht werden.

Das Erzbistum hatte am Freitag die bislang nicht publizierten 442 Seiten des Gutachtens auf seiner Homepage veröffentlicht. Damit sind Angaben zu 61 Beschuldigten und dem Umgang von Personalverantwortlichen mit den Fällen einsehbar.

(KNA)

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