Kardinal Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx

27.04.2021

Kardinal Marx verzichtet auf Bundesverdienstkreuz "Kritik nehme ich sehr ernst"

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx will das Bundes­verdienst­kreuz nicht in Empfang nehmen. In einem Brief an Bundespräsident Steinmeier bat Marx am Dienstag, auf die für Freitag in Schloss Bellevue geplante Auszeichnung zu verzichten.

Dies sei mit Rücksicht auf diejenigen, die daran Anstoß nähmen, der richtige Schritt. Missbrauchsbetroffene aus Köln und aus Trier hatten die Ehrung mit Blick auf die nicht aufgearbeitete Rolle von Marx in mehreren Missbrauchsfällen kritisiert.

"Die Kritik, die nun von Menschen geäußert wird, die von sexuellem Missbrauch im Raum der Kirche betroffen sind, nehme ich sehr ernst, unabhängig von der Richtigkeit der einzelnen Aussagen in Offenen Briefen und in der medialen Öffentlichkeit", schreibt Kardinal Reinhard Marx (67) nach Angaben seiner Pressestelle. Er fühle sich persönlich und auch als Amtsträger der Kirche der Aufarbeitung verpflichtet.

Marx erklärt, er wolle damit auch negative Interpretationen verhindern im Blick auf andere Menschen, denen die Auszeichnung zuteilgeworden sei. Zugleich habe er für die "hohe Ehre der Verleihung" gedankt, an der Steinmeier "auch in Reaktion auf die öffentliche Kritik" festgehalten habe. Er wolle dem Amt des Bundespräsidenten keinen Schaden zufügen.

Ein Zeichen für die weitere Aufarbeitung

Ihm sei bewusst gewesen, dass die Auszeichnung auch Anlass zur selbstkritischen Betrachtung seines Wirkens und der Arbeit der katholischen Kirche insgesamt sei, schreibt Marx. Die Kritik, die nun von Menschen geäußert werde, die von sexuellem Missbrauch im Raum der Kirche betroffen sind, nehme er ernst - unabhängig von der Richtigkeit einzelner Aussagen. Im Sinne der Aufarbeitung, der er sich verpflichtet habe, "blende ich diese Kritik selbstverständlich nicht aus".

Der Kardinal äußerte die Hoffnung, dass er mit diesem Schritt vielleicht auch ein Zeichen setzen könne, "dass mir die weitere Aufarbeitung und nach Möglichkeit Heilung im Bereich von sexuellem Missbrauch in Kirche und Gesellschaft ein wichtiges Anliegen bleibt".

Steinmeier respektiert Entscheidung

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier respektiert die Entscheidung des Münchner Kardinals Reinhard Marx, auf die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstorden zu verzichten. Das teilte eine Sprecherin am Dienstagabend auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit: "In einem Telefonat mit Kardinal Marx bekräftigte der Bundespräsident dessen große Verdienste um Solidarität und Gerechtigkeit, wie sie nicht zuletzt im Werben um die Aufnahme von Geflüchteten, aber auch im beständigen Dialog von Kirche und Gesellschaft zum Ausdruck gekommen sind."

Beide seien sich einig, dass die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche "von überragend wichtiger Bedeutung" sei und fortgesetzt werden müsse. Rücksicht auf Betroffene zu nehmen, die an der Ordensverleihung Anstoß genommen hatten, verdiene Anerkennung, ergänzte der Bundespräsident nach Angaben seiner Sprecherin.

Die geplante Vergabe des Bundesverdienstkreuzes an Marx war am Montag vom "Betroffenenbeirat Erzbistum Köln" kritisiert worden. Der Orden dürfe nur vergeben werden, wenn eindeutig nachgewiesen ist, dass Marx sich nicht an Vertuschung von Missbrauchsfällen beteiligt oder Aufklärung behindert habe, hatte Beiratsmitglied Peter Bringmann-Henselder an Steinmeier geschrieben.

Missbrauchsbetroffene begrüßen den Verzicht

Der Verein Missbit aus dem Bistum Trier nannte Marx' Entschluss die "einzig richtige Möglichkeit". Die Ankündigung, auf die Ehrung zu verzichten, zeige, dass Marx die Kritik sehr ernst nehme, sagte Missbit-Sprecher Hermann Schell. Zugleich störe ihn, dass der Münchner Erzbischof und früherer Bischof von Trier inhaltlich nicht weiter Position zu den von Betroffenen geäußerten Kritikpunkten beziehe.

Auch der Sprecher der Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, begrüßte die Entscheidung des früheren Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. "Respekt!", kommentierte Katsch auf Twitter. Er selbst war im April gemeinsam mit dem Jesuitenpater Klaus Mertes mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden.

Bundespräsidialamt hielt erst an Auszeichnung fest

Das Bundespräsidialamt hatte zunächst an der Auszeichnung festgehalten. Marx habe in seiner Zeit als Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz "in besonderer profilierter Weise für Gerechtigkeit und Solidarität in der Gesellschaft" gestanden, hieß es, etwa durch seinen Einsatz für die Aufnahme von Geflüchteten sowie gegen Populismus und Hetze.

Für diese Verdienste sollte er, wie seine Vorgänger im Amt des Bischofskonferenz-Vorsitzenden und frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet werden.

(KNA, epd)

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