Kirche St. Matthäus in Altena
Kirche St. Matthäus in Altena

05.03.2021

Erste Frau im Bistum Essen leitet Pfarrei "Damit leiste ich Pionierarbeit"

Ein Novum im Ruhrbistum: Eine Frau wird ab Ostermontag eine Pfarrei im Sauerand leiten. "Es ist eine große Ehre für mich", sagt die Gemeindereferentin Sandra Schnell im Interview und hofft darauf, gut von der Gemeinde aufgenommen zu werden.

DOMRADIO.DE: Was ist es denn für ein Gefühl, dass Sie jetzt im Bistum Essen als erste Frau die Leitung einer Pfarrei übernehmen? Freuen Sie sich?

Sandra Schnell (Gemeindereferentin, Leiterin der Pfarrei Sankt Matthäus in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde): Ja, ich freue mich nicht nur, es ist tatsächlich eine große Ehre für mich, weil ich auch sehe, dass das jetzt schon auch so ein bisschen kirchenpolitisch von Bedeutung ist und über die Grenzen vom kleinen Sauerland hier hinaus interessant ist. Und ich freue mich sehr, dass das Bistum Essen mich ausgewählt hat, dass ich diese große Aufgabe übernehmen darf. Damit leiste ich auch ein bisschen Pionierarbeit und bin die Erste, die so ein Pilotprojekt jetzt begleitet.

DOMRADIO.DE: Was kommt jetzt alles auf Sie in der neuen Gemeinde zu, was sie vielleicht bisher noch gar nicht in ihrem beruflichen Portfolio hatten?

Schnell: Es wird vieles von dem, was ich schon gemacht habe, auch dort meine Aufgabe sein. Ich bin im Moment auch schon in einer Pfarrei im Märkischen Sauerland tätig. Wir sind hier immer wenige Hauptamtliche gewesen, sodass ich auf Pfarrei-Ebene schon viele Aufgaben übernommen habe, aber auch eine der kleinen Gemeinden in dieser Pfarrei schon seit vielen Jahren geleitet habe, sodass ich auch schon Leitungsfunktionen wahrgenommen habe, die jetzt einfach nochmal auf eine höhere Stufe gehoben werden.

Ich werde natürlich da dann für die Pastoral verantwortlich sein, aber natürlich auch für die Verwaltung. Und das ist dann für mich der neue Teil. Da werde ich mich jetzt auch noch ein bisschen schulen müssen, damit ich da gut im Bilde bin.

DOMRADIO.DE: In Person von Pastor Johannes Broxtermann steht Ihnen noch ein sogenannter "moderierender Priester" zur Seite, der dann zum Beispiel die Gottesdienste in der Pfarrei übernehmen wird. Was sind dann die Aufgaben, die Sie konkret übernehmen werden?

Schnell: Der moderierende Priester hat vor allen Dingen die Aufgaben, die kirchenrechtlich an das Priesteramt gebunden sind. Das heißt, er wird die Verantwortung für die Sakramente tragen, aber er wird nicht alle Gottesdienste selber halten, sondern wir schauen dann gemeinsam, wie das gehen kann. Er ist Vorsitzender des Kirchenvorstands und der Rektor der Pfarrkirche und unterstützt mich in der Gesamtleitung der Pfarrei.

Gemeinsam werden wir quasi die konzeptionelle Verantwortung tragen und in vielen Bereichen werde ich dann die Ansprechpartnerin sein. Im Prinzip kann man sich das so vorstellen: Alles, was ein Pfarrer außer diesen priesterlichen Diensten macht, wird in meiner Hand liegen.

DOMRADIO.DE: Sie waren über 16 Jahre lang Gemeindereferentin in Hagen. Können Sie da Impulse und Erfahrungen aus Ihrer bisherigen Arbeit mitnehmen? Oder ist das etwas komplett anderes jetzt?

Schnell: Ja, das kann ich, Gott sei Dank. Und ich vermute auch, dass das der Ausschlag war, weswegen ich dieses Bewerbungsverfahren so gut durchlaufen habe, weil die Pfarrei Christus König in Halver - ich bin zwar in Hagen, aber Halver gehört ja auch schon zum Märkischen Kreis - von der Struktur her sehr ähnlich zu der Pfarrei in Altena ist. Es kommen ähnliche Themen dort zu Tage, die die Menschen beschäftigen, wie Ehrenamt oder: Wie kann das gehen, Kirche zu sein in einer großen Fläche, obwohl wir wenige Menschen sind. Oder das Thema der Ökumene. Das sind Themen, die uns hier beschäftigen und die sehr ähnlich in den beiden Gemeinden sind.

DOMRADIO.DE: Was verändert sich, wenn man vorher die Arbeit gemacht hat und gewusst hat, da ist immer noch ein Priester als Chef über mir? Und jetzt zu wissen, ich habe den Hut auf und muss im Zweifel auch dem Priester sagen, was er tun soll?

Schnell: Ja, mal schauen. Noch hat die Arbeit nicht angefangen, also wie die Arbeit sich strukturieren und wie die Zusammenarbeit laufen wird, da können wir gespannt sein. Für mich ist es natürlich jetzt erstmal ein anderes Gefühl, wenn sich die Position ändert und die Funktion damit. Aber ich denke mal, in einer guten Zusammenarbeit wird das auch auf jeden Fall gut miteinander klappen.

DOMRADIO.DE: Würden Sie sagen, dass das denn jetzt auch innerhalb der Kirche ein kleiner Schritt zur Gleichberechtigung ist, dass Sie diese Leitungsfunktionen jetzt übernehmen?

Schnell: Ich glaube, das Wort Gleichberechtigung ist vielleicht jetzt noch zu hoch gegriffen. Aber es ist zumindest schon mal so, dass wir Frauen jetzt in der Kirche so ein bisschen besser wahrgenommen werden und die Kirche damit sagt: Ihr Frauen seid auch wichtig und wertvoll für uns. Mit euren Kompetenzen und mit euren Charismen könnt ihr mehr beitragen, als wir das bisher gesehen haben. Ich glaube, das ist zumindest ein Hoffnungszeichen für alle Frauen in der Kirche. Und ich würde mir wünschen, dass viele diesen Weg auch noch gehen und die Gelegenheit nutzen.

DOMRADIO.DE: Wie wurde das denn in Ihrer jetzigen oder auch in der zukünftigen Pfarrei aufgenommen? Haben Sie da eher Ermutigung oder Gegenwind gespürt, dass Sie jetzt als Frau in die Leitungsfunktion kommen?

Schnell: In der Pfarrei, in der ich jetzt bin, waren die Menschen erst einmal ein bisschen traurig, dass sich jetzt für sie wieder etwas ändert und jemand, den sie kennen, so schnell weggeht. Aber sie haben es mir auch gegönnt und sie wissen, dass ich eine bin, die solche Gelegenheiten gerne nutzt und die Richtige dafür ist, erste Schritte nach vorne zu gehen. In Altena gab es jetzt einen ersten Kontakt mit den Gremien.

Dort habe ich wirklich ganz ermutigende Erfahrungen gemacht und habe mich gefreut, dass die Gremien jedenfalls so wie ich sie da gesehen habe, ganz verheißungsvoll positiv reagiert haben. Mir ist natürlich schon klar, dass die größte Hürde die Akzeptanz in der Gemeinde sein wird. Ob es die geben wird, werden wir erst wirklich sehen, wenn wir da erste Schritte gemacht haben.

DOMRADIO.DE: Los geht es dann am Ostermontag - wahrscheinlich noch mitten in der Pandemie. Sind Sie trotzdem frohen Mutes, dass es ein guter Start werden kann?

Schnell: Auf das Ende der Pandemie kann man nicht warten. Wir werden jetzt einfach starten am Ostermontag und werden schauen, wie das gut geht. Es soll einen Gottesdienst geben zur Einführung des moderierenden Priesters und von mir. Und wenn da jetzt nicht viele Menschen dabei sein können, dann müssen wir gucken, dass wir andere Wege finden, dass digital oder mit anderen Möglichkeiten, den Menschen nochmal zu ermöglichen, das mitzuerleben.

Das Interview führte Gerald Mayer.

(DR)

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