Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann (r., Archiv)
Reinhard Kardinal Marx (l.) und Bischof Stephan Ackermann (Archiv)

23.02.2021

Betroffene wirft Bischöfen Marx und Ackermann Täterschutz vor Von Pfarrer zur Abtreibung gedrängt

Es geht um deren Amtszeit in Trier: Eine Betroffene von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch durch einen Priester wirft den Bischöfen Reinhard Marx und Stephan Ackermann unzureichende Aufarbeitung und Täterschutz vor.

Beide seien als Bischöfe von Trier den Missbrauchsvorwürfen nur zögerlich und zu spät nachgegangen, heißt es in einem am Dienstag im Deutschlandfunk veröffentlichten Beitrag.

Die Betroffene, zugleich Bistumsangestellte, berichtet unter dem Pseudonym Karin Weißenfels. Als Erwachsene sei sie von ihrem vorgesetzten Pfarrer jahrelang sexuell missbraucht worden. Als sie schwanger wurde, habe der Pfarrer sie gegen ihren Willen zu einer Abtreibung gedrängt.

Dabei sei er von einem weiteren Priester unterstützt worden. Dieser habe ihr ebenfalls zur Abtreibung geraten und zudem den Pfarrer nach den sexuellen Übergriffen von seinen Sünden losgesprochen, beides in der Beichte. Die Taten sollen sich vor allem in den 1980er und 1990er Jahren ereignet haben. Die Frau leidet bis heute an den Folgen und ist vom Dienst freigestellt.

Weiter berichtet Karin Weißenfels, den Bischöfen Marx sowie später Ackermann in den 2000er Jahren ihren Fall dargelegt zu haben. Erst mit kirchenrechtlicher und später anwaltlicher Hilfe habe das Bistum Untersuchungen gegen den beschuldigten Täter sowie später gegen den beschuldigten zweiten Priester eingeleitet.

Das Bistum glaubte nach Angaben der Frau den Vorwürfen. Beide Priester seien kurzfristig sanktioniert worden und durften keine Gottesdienste feiern. Grundlage war das kirchenrechtliche Verbot, an einer Abtreibung "positiv mitgewirkt" zu haben.

Vatikan hob offenbar Auflagen wieder auf

Laut dem Deutschlandfunk-Bericht hob der Vatikan diese Auflagen jeweils nach wenigen Monaten wieder auf. Nach einer Prüfung weiterer Vorwürfe durch das Bistum hieß es, weitere mögliche Straftaten seien verjährt.

Der beschuldigte Täter lebt als Ruhestandspriester im Bistum Trier, der zweite Pfarrer, der die Frau nach ihren Angaben während der Beichte zur Abtreibung drängte, ist inzwischen gestorben. Er war bis zu seinem Tod in leitender Position im Bistum tätig, ohne Auflagen oder disziplinarische Schritte.

Laut Bericht hat das Bistum Untersuchungen gegen die Beschuldigten erst auf Nachfrage und Drängen der Betroffenen eingeleitet. Der Fall erstreckt sich von der ersten Mitteilung an das Bistum 1999 bis in die Gegenwart und fällt in die Amtszeiten von drei Bischöfen: Hermann Josef Spital (1981 bis 2001), Reinhard Marx (2002 bis 2008) und Stephan Ackermann (seit 2009).

Marx erklärte nun im Deutschlandfunk, damals geistlichen Missbrauch von Erwachsenen nicht im Blick gehabt zu haben. Inzwischen sehe er, dass "die kirchenrechtliche Perspektive Grenzen hat und allein nicht immer den unterschiedlichen Dimensionen eines Falles gerecht werden kann".

Ackermann erklärte: "Karin Weißenfels und ihre Geschichte begleiten mich seit meinem Amtsantritt. Es gibt kaum einen anderen Fall, bei dem ich so sehr an die Grenzen des Rechts, der beteiligten Personen und meiner Möglichkeiten gestoßen bin." Zugleich betonte er, der Betroffenen zahlreiche Hilfsangebote gemacht zu haben.

Karin Weißenfels erhofft sich dennoch weitere Aufarbeitung und hat sich mit ihrem Fall zuletzt an das Erzbistum Köln gewandt, das bei Streitfragen als Metropolitanbistum der Diözese Trier übergeordnet ist.

(KNA)

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