Initiativen von Missbrauchsopfern wollen mehr kooperieren

Gemeinsam stärker

Initiativen von Opfern sexueller Gewalt in der katholischen Kirche wollen bundesweit stärker zusammenarbeiten. Nur wenn die Betroffenen sich besser vernetzten, hätten sie eine starke Stimme beim Aufarbeitungsprozess, betonten sie.

Plakat mit der Aufschrift "Fragt die Betroffenen" (Archiv) / © Julia Steinbrecht (KNA)
Plakat mit der Aufschrift "Fragt die Betroffenen" (Archiv) / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Das erklärte das Aktionsbündnis, das vom Eckigen Tisch und sieben weiteren Initiativen getragen wird, am Montag während einer Online-Konferenz.

Von der katholischen Kirche forderten die Initiativen Unterstützung, etwa bei der Kontaktierung von Missbrauchsopfern oder bei der Finanzierung von persönlichem Austausch und juristischer Beratung. Es gebe zahlreiche bürokratische Hürden bei der Beantragung von Anerkennungsleistungen. Die Kirche finde immer wieder Ausreden für mangelhafte Aufarbeitung und verhindere, dass Opfer sich zusammenschließen könnten.

Betroffenenbeiräte werden kritisch gesehen

Kritisch setzten sich mehrere Sprecher von Initiativen mit den von Bistümern gegründeten Betroffenenbeiräten auseinander. Sie dienten eher dazu, den Ruf der Kirche zu retten. Deren Mitglieder würden nach wie vor von Bistümern bestimmt; Kirche könne aber nicht Anwalt der Opfer sein, hieß es.

Die Initiativen hatten vergangene Woche in einem offenen Brief auch mehr Unterstützung von der Politik gefordert. Die Thematik der Aufarbeitung, Hilfe und Entschädigung der Opfer sexuellen Kindesmissbrauchs gehöre ins Parlament, schrieben die beiden zurückgetretenen Mitglieder des Betroffenenbeirats im Erzbistum Köln, Patrick Bauer und Karl Haucke, sowie der Sprecher der Initiative Eckiger Tisch, Matthias Katsch, in der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt".

Sie forderten die Einsetzung einer Wahrheits- und Gerechtigkeitskommission durch das Parlament, die "den Aufarbeitungsprozess für das jahrzehntelange systematische institutionelle Versagen in den Kirchen" begleiten solle. "Die Kirche kann es nicht allein", so die Autoren. Auch sollte das Parlament klären, wie angemessene Entschädigungen aussehen sollte.

Während der am Dienstag beginnenden und online stattfindenden Frühjahrsvollversammlung der katholischen Bischöfe unterstützt das Aktionsbündnis die Initiative der Giordano-Bruno-Stiftung, die mit einem kirchenkritischen Motivwagen des Karnevalswagenbauers Jacques Tilly neben dem Kölner Dom präsent ist.

Keine staatliche Kommission?

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, bezweifelte dagegen am Montag die Notwendigkeit einer staatlichen Kommission zur Missbrauchsaufarbeitung. Die katholische Kirche sei alles in allem auf einem guten Weg, sagte er der "Augsburger Allgemeinen".

"Ich glaube, die Aufarbeitungsarbeit vieler katholischer Bistümer in Deutschland muss sich nicht verstecken." Neben Bistümern, die Gutachten beauftragt hätten, gebe es eine Reihe von Bistümern, die ganz unabhängige Wissenschaftler-Teams mit der Aufarbeitung betraut hätten, erläuterte er.

Autor/in:
Christoph Arens
Quelle:
KNA
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