Bischof Johannes Baptista Sproll
Bischof Johannes Baptista Sproll
Bischof Gebhard Fürst
Gebhard Fürst, Bischof von Rottenburg-Stuttgart

02.10.2020

Nachfolger Fürst warnt vor "überwunden geglaubten Ungeistern" Zum 150. Geburtstag des Bekennerbischofs Sproll

Joannes Baptista Sproll gilt in Württemberg als der "Bekennerbischof". Kein anderer katholischer Bischof hatte den Nationalsozialisten so entschieden widersprochen und dafür auch persönlich einen so hohen Preis bezahlt.

Der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst schlägt die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart: "Überwunden geglaubte Ungeister" wie Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus stünden heute wieder auf; es gelte, die Geschichte nicht aus dem Blick zu verlieren - zum Beispiel in der Erinnerung an seinen Vorgänger Joannes Baptista Sproll, dessen Geburtstag sich am Freitag, dem 2. Oktober, zum 150. Mal jährt.

"Widersacher des Nationalsozialismus von Anfang an"

Sproll, für Fürst ein "Widersacher des Nationalsozialismus von Anfang an", ist historisch betrachtet zweifellos der katholische deutsche Bischof, der den höchsten Preis für seine abweichende Haltung zahlen musste. Das hat seinen Grund: Schon vor der Machtergreifung 1933 hatte Sproll in größter Klarheit vor den Nazis gewarnt. Und das knapp und präzise: "Jedem Einsichtigen ist klar, dass Nationalsozialismus und Christentum Todfeinde sind."

Am 10. April 1938 boykottiert Sproll in Rottenburg demonstrativ die Reichstagswahlen. Schließlich verbannten die Nazis den "Volksfeind" aus Württemberg. Sieben Mal waren ihm zuvor die Fensterscheiben eingeschlagen und die Wohnung verwüstet worden. Sproll versteckte sich an rund 30 Orten in Süddeutschland, fand dann zunächst in der Benediktinerabtei in Sankt Ottilien und schließlich im bayerisch-schwäbischen Krumbach-Krumbad Unterschlupf.

Sieben Jahre später, am Fronleichnamsfest 1945, konnte er heimkehren, "gesundheitlich aufs Schwerste gezeichnet, aber ungebrochen", wie es Fürst formuliert. Denn Sproll, gelähmt und schwer durch Multiple Sklerose gezeichnet, musste bei seiner Rückkehr in das von den Franzosen besetzte Rottenburg in den Dom getragen werden. Keine vier Jahre später starb der Bischof im Alter von 78 Jahren.

Gerüchte ausgeräumt

"Erst heute", so der aus Württemberg stammende renommierte Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf vor ein paar Jahren, "denkt das Bistum intensiv über Sproll nach und würdigt das Zeugnis der Zivilcourage eines schwäbischen Bauernbischofs, der sich nicht hat verbiegen lassen". Wolf untersuchte nach der Öffnung der Archivbestände über das Pontifikat von Papst Pius XI. im Vatikan die Akte Sprolls. Als vormaliger Nuntius in Deutschland hatte Eugenio Pacelli die Akte angelegt.

Vor ein paar Jahren startete Fürst auf Bistumsebene ein Seligsprechungsverfahren für Sproll. Wolf, der einer entsprechenden Kommission angehört, sieht keine Gründe dagegen, auch wenn es nicht "Sache eines Historikers" sei, über den Tugendgrad eines Dieners Gottes zu urteilen". Allerdings sei das "im Hintergrund Wabernde" bei der Beurteilung Sprolls ausgeräumt. Wolf spielte damit auf "dunkle Gerüchte" an, Sproll sei Vater eines Kindes gewesen. Durch die Forschungen, zu denen Wolf ein Buch schrieb, habe sich indes gezeigt, dass es sich um einen "völlig unbegründeten Verdacht" gegen Sproll handele.

"Bekennerbischof"

Trotzdem sind bis heute der Name Sproll und dessen Zeugnis als "Bekennerbischof" außerhalb Württembergs kaum im öffentlichen Bewusstsein. Vielleicht bis auf eine Ausnahme: Versteckt hinter der Fassade eines Wohnhauses liegt an einer Straße in Rafidia im Westen von Nablus die Anfang der 1960er Jahre erbaute "Joannes-Baptista-Kirche". Mit Geldern aus Württemberg hatte der frühere Bischof Carl Joseph Leiprecht (1903-1981) den Bau des kleinen griechisch-katholisch melkitischen Gotteshauses im Westjordanland unterstützt und seinem Vorgänger so in den heutigen Palästinensischen Autonomiegebieten ein Denkmal gesetzt.

Der geringe Bekanntheitsgrad Sprolls hat sicher auch damit zu tun, dass seine Position in der Zeit des Nationalsozialismus nicht die Regel war. Im Vatikan, in der damaligen Bischofskonferenz und auch im eigenen Domkapitel gab es sehr unterschiedliche Auffassungen darüber, wie der Diktatur zu begegnen sei. Oder anders gesagt: Sprolls Licht könnte auf andere Schatten werfen. 1941 war Sproll sogar zum Verzicht auf sein Bischofsamt gedrängt worden. Doch auch dem beugte er sich nicht.

Zum Gedenken an den 150. Geburtstag will Fürst am 2. Oktober in Sprolls Geburtsort Schweinhausen einen Gedenkgottesdienst feiern. Um die Geschichte nicht aus dem Blick zu verlieren.

Michael Jacquemain
(KNA)

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