Buch veröffentlicht über Johannes Paul II. und Papst Franziskus
Neues Lexikon über die Bischöfe der Donaumonarchie 1804-1918

04.07.2020

Neues Lexikon über die Bischöfe der Donaumonarchie 1804-1918 Der erste Band eines multinational aufreibenden Großprojekts

Ein spannendes Kirchengeschichtsprojekt ist endlich am Start. Es geht um nicht weniger als alle Diözesanbischöfe der Donaumonarchie 1804-1918. Bei den multinationalen Fachdiskussionen hat der Herausgeber spürbar gelitten.

Das 2002 vollendete "Bischofslexikon" des Heiligen Römischen Reiches bzw. der deutschsprachigen Länder gehört zu den Must-Haves jeder guten kirchenhistorischen Bibliothek. Auf fast 4.300 Seiten sind in fünf Bänden mehr als 5.500 Würdenträger der Jahre 1198 bis 2001 biografisch verzeichnet. 24 Jahre haben der Kirchenhistoriker Erwin Gatz (1933-2011) und seine Mitarbeiter auf das fünfbändige Standardwerk verwandt. Nun erscheint, nach ungeahnt vielen Jahren Vorarbeit, der erste Band eines Nachfolge- und weiteren Mammutprojekts, das Gatz noch mit angestoßen hat: das Lexikon der "Bischöfe der Donaumonarchie 1804 bis 1918". Ihm ist es auch gewidmet.

Multinationale Forschungsvorhaben

Am Ende soll das multinationale Forschungsvorhaben des Wiener Kirchenhistorikers und Herausgebers Rupert Klieber in vier Bänden Porträts aller 600 Bischöfe des Kaiserreichs Österreich (ab 1804-1867) sowie Österreich-Ungarns (1867-1918) umfassen. Kirchenhistoriker aus allen neun Nachfolgestaaten der Donaumonarchie bearbeiten rund 50 römisch-katholische Diözesen und 15 griechisch-katholische Eparchien dieser Territorien. Die ersten Kontakte dafür knüpfte Klieber während eines Forschungsjahres am Vatikanischen Geheimarchiv in Rom.

Der nun vorliegende erste Band widmet sich auf 660 Seiten den Biografien der römisch-katholischen Bischöfe des Königreichs Ungarn ohne Kroatien, aber mit der heutigen Slowakei und Siebenbürgen (Rumänien); namentlich den Kirchenprovinzen Esztergom (Gran), Kalocsa und Eger (Erlau). Er umfasst 126 Bischöfe bzw. 169 Amtsperioden - denn jeder vierte Bischof stieg später in ein anderes, höher dotiertes Bistum auf.

An diesem ersten Band arbeiteten 34 Autoren aus Österreich, Ungarn, der Slowakei und Rumänien mit. Der zweite Band über die Kirchenprovinzen Salzburg und Wien, Prag und Olomouc (Olmütz), Krakau und Lviv (Lemberg) soll 2023 erscheinen. Der vierte Band über die griechisch-katholischen Bischöfe der Monarchie ist für 2025 geplant; und der dritte über die südliche Monarchie von Mailand bis Sarajevo soll das Projekt 2027 abschließen.

Werk beinhaltet auch "heikle Themenfelder"

Anders als in üblichen Diözesangeschichten würden in den Porträts auch "heikle Themenfelder wie wirtschaftliche Pleiten, Charakterfehler oder Missbrauchsvorwürfe nicht ausgeklammert", erläuterte Klieber der Wiener Presseagentur Kathpress. Und tatsächlich werden ja naturgemäß die umstritteneren und schillernden Figuren das größere Interesse von Nichtwissenschaftlern auf sich ziehen.

Entstanden ist eine veritable Bessemerbirne an K.-u.-k.-Gelehrsamkeit. Doch wie aufwändig und mitunter aufreibend sich die mehr als zehnjährigen Vorarbeiten gestalteten, klingt im Vorwort des ersten Bandes recht deutlich durch. Dort heißt es: "Die national wie professionell vielgestaltige Schar von Autoren (...) ließ Biogramme nach Wien gelangen, die von sehr disparater sprachlicher und fachlicher Qualität waren und nicht selten dem apologetischen Duktus der diözesanen Überlieferung verhaftet blieben."

Die Erstfassungen der Autoren hätten sich seither "mitunter erheblich verändert"; der Herausgeber sei zum "Generalautor der Endfassungen mutiert, der nicht selten nationale Differenzen auszugleichen hatte". Zuweilen habe man bis zuletzt um Interpretationen gerungen - wobei sich der Projektleiter "die Letztentscheidung vorbehalten" habe. Wo Religion auf nationale Identität trifft, wird es ja tatsächlich allzu oft knifflig.

Inklusive Strukturanalyse der Bistümer

Ein weiteres Ziel war laut Klieber, die Verschiebungen geschichtswissenschaftlicher Fragestellungen "in Richtung kultur- und sozialwissenschaftlicher Aspekte" aufzunehmen. Sehr hilfreich: Den Bischofsporträts ist jeweils ein historischer Abriss mit einer Strukturanalyse der betreffenden Bistümer vorangestellt.

Bei den Bischöfen Ungarns fällt nach Worten des Herausgebers besonders die herausgehobene Stellung des Primas ins Auge, der eine spezielle "Kompetenzebene zwischen den Metropoliten und Rom" bildete; ferner die weitreichenden Kirchenrechte des Königs und die "ungewöhnlich reiche Ausstattung" der Bischöfe mit Grundbesitz.

Primas Johann Simor etwa (1813-1891), eine der bestimmenden Figuren des Ersten Vatikanischen Konzils, hinterließ zwei Millionen Gulden und an Primatialgütern 1.816 Zugochsen, 37.793 Schafe, 392 Pferde, 483 Kühe und Stiere, 1.298 Stück Weidevieh und 1.328 Schweine.

Donaumonarchie und Kirche

Sichtbar werde unter anderem, so Klieber, wie sehr die Monarchen und Behörden der Donaumonarchie die Religionsgemeinschaften förderten und zugleich forderten, indem sie Loyalität erwarteten. Entsprechend seien die Bischöfe über ihre kirchliche Funktion hinaus auch als "Staatsdiener" in Erscheinung getreten, nicht selten auch als "Kulturkämpfer und Nationenbildner".

Die üppige finanzielle Ausstattung ermöglichte ihnen weitreichende wirtschaftliche Aktivitäten - von Investitionen in die kirchliche und schulische Infrastruktur über ein Mäzenatentum in Kunst und Wissenschaft bis hin zu teils riesigen Bauprojekten wie den Kathedral-Anlagen von Esztergom, Vac (Waitzen) und Eger. Andere bedienten vor allem einen fürstlichen Lebensstil und begehrliche Verwandte oder schlitterten durch Misswirtschaft in den Ruin.

Alexander Brüggemann (KNA) und Henning Klingen (Kathpress)
(KNA)

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