Philipp Amthor muss vor dem Diözesanrat kritische Fragen beantworten
Philipp Amthor muss vor dem Diözesanrat kritische Fragen beantworten

29.06.2020

Berliner Diözesanrat bittet jüngstes Mitglied Amthor zum Dialog "Vorurteilsfrei das Gespräch suchen"

Kaum getauft, wurde Philipp Amthor kürzlich bereits in den Diözesanrat der Katholiken des Erzbistums Berlin gewählt. Noch bevor er ein Amt übernehmen konnte, soll er sich dort jetzt zu den Vorwürfen unzulässiger Lobbyarbeit äußern.

DOMRADIO.DE: Was erhoffen Sie sich denn von dem Treffen?

Bernd Streich (Vorsitzender des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Berlin): Wir erhoffen uns von dem Treffen, dass wir uns besser kennenlernen, aber noch mehr, dass wir alle offenen Fragen klären können. Wir werden Herrn Amthor die Gelegenheit geben, seine Sicht vorzutragen. Und wir werden natürlich selber nachfragen, was an den Vorwürfen, denen er ausgesetzt ist, dran ist.

Und es wird dann sicherlich auch der Aspekt sein: Inwieweit ist das, was jetzt in der Diskussion steht und was auch auf seine Person zugeschnitten ist, hinderlich oder hat Auswirkungen auf das kirchliche Engagement? Dann ist ja auch der Diözesanrat mit angefragt: Was hat das für Konsequenzen beziehungsweise welchen Weg wollen wir weitergehen?

DOMRADIO.DE: Ist es denn richtig, dass es auch kritische Anfragen von Kirchenmitgliedern an den Diözesanrat gegeben hat wegen der Wahl Amthors?

Streich: Das ist sicherlich richtig. Man muss es aber dann auch ein Stück gewichten. Das ist ja immer so in einer Demokratie: Es gab zustimmende Voten, und es gab kritischere Anfragen. Auch mit den kritischen Anfragen werden wir uns als Diözesanrat natürlich auseinandersetzen und auch mit den Personen das Gespräch suchen.

DOMRADIO.DE: Sie sagen, Philipp Amthor soll zu den erhobenen Vorwürfen Stellung beziehen. Sie wollen aber nicht bewerten. Das sei Aufgabe der zuständigen staatlichen Institutionen. Drohen ihm denn dennoch Konsequenzen?

Streich: Das kann ich so gar nicht sagen. Philipp Amthor ist gewählt worden, er ist wie alle Mitglieder im Diözesanrat gewählt worden, und dadurch hat er auch sein Mandat. Dieses Mandat lässt sich ja, wie auch sonst in vielen demokratischen Gremien nicht einfach zurücknehmen.

Hier geht es um Klärung, was denn die eigentlichen Punkte sind. Das eine ist das, was uns medial vermittelt wird. Das andere ist das, was durch die Bundestagsverwaltung untersucht und geprüft wird. Erst danach wird man sicherlich überdenken, welche Konsequenzen das haben kann. Wir wollen als Diözesanrat in jedem Fall vorurteilsfrei mit ihm das Gespräch suchen und führen, aber eben auch mit den notwendigen kritischen Rückfragen und hoffen auf entsprechende Antworten und ein Gespräch.

DOMRADIO.DE: Er ist ja noch nicht lange im Amt. Hat Herr Amthor denn schon Aufgaben übernommen?

Streich: Das geht im Prinzip in Bezug auf den Diözesanrat gar nicht. Wir haben eine neue Amtsperiode. Die wird durch die konstituierende Sitzung am 12. September beginnen. Jetzt sind die ersten Unterlagen versandt worden. Er war bisher nicht Mitglied im Diözesanrat. So gesehen konnte er für den Diözesanrat auch keine Aufgaben übernehmen.

DOMRADIO.DE: Wie kam es überhaupt dazu, dass Philipp Amthor auf der Wahlliste für den Diözesanrat stand?

Streich: Wir haben in Berlin die Besonderheit, dass wir hier über drei Bundesländer als Erzbistum verteilt sind. Unser Interesse war, und wird immer sein, dass wir Personen nicht nur aus der Stadt Berlin, wo immer ein Übergewicht da ist, sondern eben auch aus Vorpommern und aus Brandenburg mit hineinzubekommen.

Und das war auch ein wichtiger Punkt, über den Herr Amthor mit auf die Liste kam. Ein weiterer Punkt ist, dass wir natürlich neben den Vertretern aus den Gemeinden und den Verbänden auch immer Einzelpersönlichkeiten dazu wählen, um verschiedene Bereiche mit hinein zu nehmen. Und da kann Herr Amthor natürlich aus dem Bereich "Politik", "Gesellschaft" seine Erfahrungen mit einbringen.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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